Eine Wundertüte des Wahnsinns - Kinotipp: Digger
Tom Cruise ist 64. Und endlich sieht der ewig junge Strahlemann auch so aus. Hier sehen wir ihn komplett unfit, faltig und mit schütterem Haar – in einem Film, wie man selten einen erlebt. FFH-Kinomann Volker Willner urteilt: „Digger“ ist sensationell schräg, provokativ und verwirrend.
Zehn Euro kostet euer Kinoticket, acht ist es wert.
Digger Rockwell ist der reichste Mann der Welt. Er lebt dekadent in einem Palast – mit seiner toten Katze. Als sein Öl-Imperium eine globale Katastrophe auslöst, versucht er verzweifelt, alle Schuld von sich zu schieben und das Desaster halbwegs geradezubiegen. Jeder Satz mehr zur Handlung wäre Spoilern.
Alles ist ordentlich drüber in dieser Groteske: Digger mit seinen Macken genauso wie alle anderen Protagonisten: der US-Präsident, der nach Diggers Pfeife tanzt, die Minister und Militärs – allesamt Witzfiguren. Ähnlichkeiten mit bekannten Persönlichkeiten sind garantiert kein Zufall. Die Story zündet ständig neue Eskalationsstufen. Auch die Kulissen und Kostüme – grandios bis irre. Wir Zuschauer haben gut zu tun, um hinterherzukommen und kein Detail zu verpassen. Das ist überraschend und etwas anstrengend, lohnt sich aber allemal.
Tom Cruise endlich mal wieder nicht als hübschen Helden zu sehen, macht Spaß. Wir wissen ja: Er kann auch Drama („Eyes wide shut“) und Komödie in unvorteilhafter Maske („Tropic Thunder“). Digger zu spielen genießt er sichtlich und liefert große Schauspielkunst. Überhaupt: Das ganze Ensemble stürzt sich mit Wucht in diesen Irrsinn. Auch Sandra Hüller, die angesagteste Deutsche in Hollywood, spielt sensationell. Und Altstar John Goodman ist als verblassender US-Präsident mindestens genauso beeindruckend.
„Digger“ schreit nach Oscars. Der Film legt’s auch geradezu darauf an – in mehreren Kategorien. Tom Cruise selbst hat letztes Jahr einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk bekommen. Er dürfte jetzt darauf spekulieren, endlich einen Goldjungen als bester Hauptdarsteller heimzuholen.