Blessur an den Adduktoren - Verpasst Serge Gnabry jetzt die WM?
Eigentlich hatten sich die Bayern auf die frühe Meisterkrönung in der Fußball-Bundesliga gefreut. Eine schwere Verletzung von Serge Gnabry aber trübt die Laune beim Rekordmeister vor dem Heimspiel am heutigen Abend (17.30 Uhr/DAZN) gegen den VfB Stuttgart. Droht Gnabry jetzt sogar das WM-Aus?
Weniger als 24 Stunden vor der Partie in der Allianz Arena veröffentlichte der Rekordmeister die Nachricht über den Ausfall des Offensivprofis "für längere Zeit". Gnabry zog sich einen Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel zu, wie es hieß.`
Gnabry fehlt in wichtigen Pokalspielen
Eine präzisere Prognose über die Dauer der Zwangspause gab es zunächst nicht. Der designierte Meister wird in den wichtigen Partien der Champions League und des DFB-Pokals aber wohl auf den in dieser Saison formstarken Stürmer verzichten müssen. Drei Tage nach dem Stuttgart-Spiel steht das Halbfinale im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen an. Knapp eine Woche später folgt das Hinspiel im Königsklassen-Halbfinale bei Paris Saint-Germain.
So äußert sich Nagelsmann
Und im Sommer sollte Gnabry mit der Nationalmannschaft bei der WM auflaufen - doch das ist Stand jetzt äußerst fraglich. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat mit großem Bedauern auf die Verletzung seines Offensivspielers Serge Gnabry reagiert. "Es tut mir sehr leid für Serge", ließ der 38-Jährige auf Anfrage mitteilen. "Das ist gerade im Saisonendspurt, in dem so große und wichtige Spiele anstehen, eine ganz bittere Nachricht." "Wir hatten gestern Abend Kontakt und ich habe ihm gesagt, dass wir auch in der Nationalmannschaft alle hinter ihm stehen", so Nagelsmann weiter. "Wir alle werden ihn bestmöglich unterstützen, damit er so schnell wie möglich wieder auf dem Platz stehen kann. Gute Besserung, Serge!"
Zuspruch von Matthäus
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus prognostizierte bei Sky indes einen Wettlauf mit der Zeit. "Für mich bedeutet es eine Pause von acht Wochen. Dann wird es natürlich super, super eng für die WM. In fünf Wochen wird der Kader bekanntgegeben", sagte Matthäus. In persönlichen Worten sprach er via TV-Kamera direkt zu Gnabry: "Ganz Deutschland drückt Dir die Daumen. Du bist ein Mehrwert für die deutsche Nationalmannschaft."
Nagelsmann gerät ins Grübeln
Für Nagelsmann, dessen Team am 14. Juni gegen WM-Debütant Curaçao in das XXL-Turnier startet, dürfte die Verletzung die komplette Statik seiner Offensive verändern. Als Bayern-Stammspieler war Gnabry zuletzt im DFB-Team gesetzt. Sein Tempo, seine Erfahrung und seine Torgefahr standen als ideale Ergänzung zu den feinen Füßen um Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz.
Musiala nun im Fokus
Die größten Auswirkungen wird der Ausfall des vielseitig einsetzbaren Gnabry auf Musiala haben, denn er ist sowohl beim FC Bayern als auch im DFB-Team betroffen. Hatte der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn dem angehenden Fußball-Superstar unlängst noch zu einem WM-Verzicht nach langer Verletzungspause geraten, dürfte Musiala nun zum Schlüsselbaustein für Nagelsmann und Bayern-Trainer Vincent Kompany werden.
Musiala kontert Kahn
Musiala zeigte zuletzt beim 5:0 der Münchner beim FC St. Pauli sowie beim wilden 4:3 gegen Real Madrid einen deutlichen Aufwärtstrend. Kahns Vorschlag bügelte der 23-Jährige direkt ab. "Nein, auf jeden Fall will ich zur WM", antwortete Musiala deutlich. "Mein Fokus ist jetzt auf Bayern gerichtet. Ich will der Mannschaft helfen, alles zu gewinnen. Und dann ist mein Fokus, dem Land und der Nationalmannschaft zu helfen", fügte der Bayern-Profi an.
Sané und Karl als Alternativen?
Auch der sportlich umstrittene Türkei-Legionär Leroy Sané und Bayern-Jungstar Lennart Karl dürften mit Blick auf die WM eine größere Rolle einnehmen als bislang gedacht. Karl laboriert selbst aktuell an einer Oberschenkelverletzung, wird aber deutlich früher zurückerwartet als Gnabry. Diesem droht angesichts der Schwere der Verletzung ein monatelanger Ausfall zur absoluten Unzeit.
Bayern vor dem 35. Meistertitel
Die Titelverteidigung der Bayern in der Bundesliga ist schon seit Wochen nur noch reine Formsache - gegen Stuttgart kann sie auch rechnerisch fix gemacht werden. Weil der Tabellenzweite Borussia Dortmund beim 1:2 in Hoffenheim patzte, reicht den Bayern am Abend schon ein Unentschieden, um nicht mehr eingeholt werden zu können. Den 35. Meistertitel verdiente sich Kompanys Truppe nach einem famosen Jahr, in dem schon jetzt der ewige Torrekord der Bundesliga geknackt wurde. Fünf Spieltage vor Schluss stehen 105 Treffer zu Buche.