Mangelware Kitaplatz? - So ist die Lage in hessischen Städten
Jahrelang war es ein echter Kampf: Ein freier Kita-Platz in Hessen - vor allem für Kinder zwischen drei und sechs Jahren - war kaum zu finden. Doch das Bild ändert sich gerade. Eine FFH-Stichprobe zeigt: In einigen Städten und Kreisen gibt es tatsächlich freie Kapazitäten.
Das Platz-Problem könnte sich bald lösen, weil die Deutschen immer weniger Kinder kriegen. Es werden immer noch fleißig Fachkräfte angeworben, auch in hessischen Kitas gibt es unbesetzte Stellen. Gleichzeitig fehlen mancherorts schon die Kinder.
Weniger Kinder - mehr freie Plätze?
Die wichtigste Ursache für die entspanntere Lage in vielen Kommunen ist ein demografischer Trend: Die Geburtenzahlen in Hessen sinken. In Marburg zum Beispiel wird dieser Rückgang richtig deutlich - von den Fünf- und Sechsjährigen bis zu den Null- und Einjährigen sind es laut Stadt bereits rund 18 Prozent weniger Kinder. Das schlägt sich in freien Plätzen nieder. Ähnliches berichtet Fulda: Dort sind die Geburtenzahlen seit 2023/24 von etwa 650 auf rund 560 pro Jahr gesunken - also knapp 90 Kinder weniger pro Jahrgang.
Was bedeutet das für Eltern?
Die Lage in Hessen ist also alles andere als einheitlich. Wer in Frankfurt, Marburg oder Fulda einen Kita-Platz sucht, hat aktuell bessere Karten als noch vor ein paar Jahren. In Teilen von Kassel und in den Stadtteilen von Hanau sieht es ebenfalls entspannter aus. Wer aber in Darmstadt oder in der Hanauer Innenstadt sucht, muss weiter Geduld mitbringen. Und eines gilt überall: Frühzeitig kümmern lohnt sich.
Leichtes Spiel in Fulda
In Fulda können inzwischen alle innerhalb weniger Tage einen Kitaplatz bekommen - mit etwas Glück sogar direkt in der Nachbarschaft, sagt Stefan Mölleney, der Leiter des Amtes für Jugend und Familie. In zwei Einrichtungen sei schon eine Gruppe geschlossen worden, weil nicht genug Kinder angemeldet sind. Ungenutzte Gruppenräume werden teils anders verwendet, und ausscheidende Fachkräfte werden nicht immer eins zu eins ersetzt.
Mehr Raum für die jungen Gäste
Für die Kinder sei das schön, denn sie hätten mehr Platz. Gruppenräume müssten jetzt nicht mehr für alles Mögliche genutzt werden, sondern könnten passend für bestimmte Angebote eingerichtet werden, sagt Mölleney. Trotz der sinkenden Zahlen: Erzieherinnen und Erzieher müssten in Fulda nicht um ihren Job fürchten. “Wir verlieren aktuell noch mehr Fachkräfte, als wir dazugewinnen”, so der Jugendamts-Leiter.
Darmstadt: Plätze da, aber kein Personal
Anders stellt sich die Lage in Darmstadt dar: Hier gibt es über 5.000 Plätze für Kinder von drei bis sechs Jahren - und die Nachfrage der Eltern ist ausreichend vorhanden. Das eigentliche Problem ist ein anderes: Wegen fehlender Fachkräfte können viele Plätze schlicht nicht belegt werden. Der gesetzlich vorgeschriebene “Fachkraftschlüssel” lässt es nicht zu.
Ausreichend Plätze in Marburg
Auch in Marburg stehen für die Drei- bis Sechsjährigen aktuell ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung. Freie Plätze gibt es über das gesamte Stadtgebiet verteilt, ohne klare Schwerpunkte. Besonders auffällig: In Marburg ist die Geburtenrate besonders gesunken. Im Vergleich zu den 5- bis 6-Jährigen ist der Jahrgang der unter 1-Jährigen um 18 Prozent geschrumpft.
Große Unterschiede in Frankfurt
Von einer Entspannung in den Kitas kann auch Frankfurt berichten - wo die Platzvergabe über ein zentrales Portal läuft. Obwohl die Plätze bei den meisten Einrichtungen erst im Februar vergeben werden, sei aktuell in 32 Einrichtungen mindestens ein Platz frei, sagt eine Sprecherin der Metropole. Ob ihr etwas in eurer Nachbarschaft findet, hängt natürlich vom Stadtteil und Träger ab. Trotzdem bleibt Frankfurt vorsichtig: Weltpolitische Entwicklungen könnten den Bedarf kurzfristig wieder steigen lassen.
Kassel: Je nach Stadtteil sehr unterschiedlich
Kassel meldet ein differenziertes Bild. In zentralen und westlichen Stadtbereichen sowie in einzelnen Randlagen gibt es noch freie Plätze. In der Nordstadt startet sogar bald eine neue Krippengruppe mit aktuell freien Plätzen. Kassel will die Entlastung nutzen, um die Qualität der Betreuung weiterzuentwickeln. Schwierig bleibt die Lage dagegen unter anderem in östlichen Stadtteilen - dort ist ein freier Platz auch aufgrund des Fachkräftemangels nach wie vor schwer zu bekommen.
Erzieher-Mangel hier, freie Plätze dort
Eine “gute bis sehr gute Versorgung” und freie Plätze gäbe es hingegen im Zentrum und Westen. Trotz Planungsherausforderungen könne die Jugendhilfeplanung dieses Jahr zum ersten Mal ein Bisschen erleichtert in die Zukunft schauen: Zumindest in manchen Stadtteilen soll sich die Situation entspannen, so die Stadt Kassel.
Hanau immer noch im Minus
Über 1.000 Plätze hätten der Stadt Hanau vor wenigen Jahren noch gefehlt, erzählt Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri im FFH-Gespräch. Durch den Bau neuer Kitas und eine Kampagne um Fachkräfte anzuwerben, habe sich die Lage inzwischen schon sehr verbessert. Jetzt fehlen noch rund 400 Kitaplätze. Der große Mangel an Plätzen sei entstanden, weil die Stadt besonders schnell gewachsen wäre, sagt Bieri. In den Stadtteilen ist die Situation inzwischen deutlich entspannter, teils gibt es dort vereinzelt freie Plätze.
In zwei Jahren endlich genug Kitaplätze für alle?
Natürlich spielen ihm auch die sinkenden Geburtenzahlen in die Karten. Der SPD-Politiker geht davon aus, dass es in zwei Jahren endlich genug Kitaplätze für alle Kinder in Hanau geben wird. Bald soll eine neue Kita eröffnet werden, mit dem Bau von fünf weiteren geplanten Einrichtungen warten sie nun erstmal, sagt Bieri - der im Herbst zum Oberbürgermeister von Hanau aufsteigt.
Werra-Meißner-Kreis und Odenwaldkreis: Keine konkreten Zahlen
Im Werra-Meißner-Kreis gibt es Hinweise auf freie Plätze in allen Altersbereichen. Genaue Zahlen kann der Kreis aber nicht nennen, weil Belegung und Vergabe Sache der einzelnen Städte und Gemeinden sind. Klar ist: Die Geburtenzahlen gehen zurück, die früher sehr hohen Belegungszahlen entspannen sich langsam. Im Odenwaldkreis ist die Situation ähnlich: Auch dort liegen Vergabe und Überblick bei den Trägern und Kommunen vor Ort.