Solidarität und Entsetzen - So reagiert Hessen auf den CSD-Anschlag
Der Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days am Samstagabend löst in Hessen parteiübergreifend Erschütterung und scharfe Verurteilung aus. Ein 21-Jähriger soll mehr als ein Dutzend Menschen angefahren haben.
Eine Frau starb, 29 Personen wurden teils schwer verletzt. Die Polizei fahndet bundesweit nach dem Tatverdächtigen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte am Folgetag, es werde von einem islamistischen Terroranschlag ausgegangen.
Hessens Politiker reagieren fassungslos
Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) schrieb auf X: „Wieder hat ein feiger und menschenverachtender Anschlag friedlich feiernde Menschen getroffen - diejenigen, die für unsere freie und offene Gesellschaft stehen." Sein Fokus liege zunächst auf der Fahndung nach dem oder den Tätern und der Trauer um die Opfer. „Danach wird die Tat auch politisch zu bewerten sein", so Rhein weiter.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) betonte: „Der Christopher Street Day steht für Sichtbarkeit, Respekt und die Freiheit, so leben und lieben zu können, wie man ist. Gerade deshalb dürfen Hass, Einschüchterung und Gewalt niemals Raum gewinnen."
Auch die Hessische SPD meldete sich zu Wort. Die Partei schrieb auf Instagram, sie sei „fassungslos, traurig und geschockt angesichts dieses sinnlosen Verbrechens" und kündigte an: „Diese Freiheit werden wir verteidigen: entschlossen, solidarisch und gegen jeden Versuch, Menschen mit Hass und Gewalt einzuschüchtern."
Grüne: "Wir müssen die Verletzlichsten schützen."
Besonders deutlich im Ton äußerte sich Wiebke Knell, Fraktionsvorsitzende der FDP im Hessischen Landtag und Sprecherin für Diversity. „Wir dürfen nicht akzeptieren, dass sich queere Menschen in Deutschland überlegen müssen, ob sie Hand in Hand durch die Stadt gehen, einen CSD besuchen oder ihre Identität offen leben können", sagte sie. Zum Tatmotiv erklärte Knell: „Islamismus ist eine menschenverachtende Ideologie, die unsere Freiheit, Demokratie und die Gleichberechtigung von Frauen und queeren Menschen ablehnt."
Miriam Dahlke, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Landtagsfraktion, mahnte, die besonders Schutzbefohlenen nicht im Stich zu lassen: „Wir stehen an der Seite der queeren Community und stellen uns entschieden gegen die Feinde unserer Gesellschaft. Dazu gehört, die Verletzlichsten unter uns konsequent zu schützen."
Mahnwachen im ganzen Land
Der CSD Frankfurt und Fridays for Future Frankfurt riefen für Sonntagabend zu einer Mahnwache am Frankfurter Römer auf. „Der Anschlag auf den CSD Berlin hat uns alle tief erschüttert. Wir haben Angst, und wir sind wütend", hieß es in einem gemeinsamen Instagram-Post. Auch in Gießen, Darmstadt und Limburg waren Aktionen angekündigt.
Darmstadt hisst Regenbogenflagge
Als sichtbares Zeichen der Solidarität kündigte die Stadt Darmstadt an, die Regenbogenfahne am Rathaus zu hissen - bis zum eigenen CSD am 15. August. Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) erklärte: „Wir gedenken der Toten und der Verletzten von Berlin. Der Christopher Street Day am 15. August wird in Darmstadt stattfinden - als Ausdruck einer Gesellschaft, in der alle Menschen in Würde, Sicherheit und Freiheit leben können."