Größter Waldbrand in NRW - Innenminister: Idiot hat Brand verursacht
Im Hürtgenwald kämpfen 1.400 Einsatzkräfte gegen den größten Waldbrand der NRW-Geschichte. Dabei verzeichnet die Feuerwehr gute Fortschritte. Viel hängt jetzt vom Wind ab.
Vorsichtiges Aufatmen bei der Bekämpfung des größten Waldbrands in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen: Die Feuerwehr ist "sehr zufrieden" mit dem bisherigen Erfolg des Löscheinsatzes. Aber es gibt noch einen Unsicherheitsfaktor: "Wir haben einen frischen böigen Wind hier im Hürtgenwald, das könnte nochmal so ein Punkt sein", sagte Feuerwehrsprecher Peter Berndgen.
Seit Donnerstagnachmittag kämpfen bei dem Ort in der Eifel an der Grenze zu Belgien Hunderte Einsatzkräfte gegen die Flammen. Nach Angaben des Kreises Düren sind etwa 300 Hektar Wald von dem Brand betroffen.
Waldbrand in Eifel wohl größter in NRW-Historie
Der Waldbrand ist nach Einschätzung der Landesregierung wohl der größte in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. "Wir haben hier in Hürtgenwald mit einem Ausmaß zu tun, mit dem wir so nichts zu tun hatten in Jahrzehnten", sagte NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) bei einem Besuch der Einsatzkräfte. Gorißen ging von einer betroffenen Fläche von 200 Hektar bis 300 Hektar aus.
Am frühen Freitagmorgen (14.08.) war das Feuer nur noch etwa 250 Meter vom Ortsteil Gey mit seinen 2.300 Bewohnern entfernt. Es musste gehandelt werden. Die Polizei klingelte die Leute aus dem Bett. Gey wurde binnen vier Stunden evakuiert. "Wir mussten uns streckenweise zurückziehen, damit einzelne Einheiten nicht eingekesselt wurden", berichtete der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU) über den hochgefährlichen Feuerwehreinsatz.
Mehrere Verletzte
Bei dem großen Waldbrand gab es fünf Verletzte. Eine ältere Person habe Herzprobleme bei der Evakuierung bekommen, sagte Nolten der dpa. Außerdem seien vier Einsatzkräfte leicht verletzt. Darunter seien eine Schnittverletzung und Kreislaufprobleme.
Im Laufe des Tages fraßen sich die Flammen noch näher an Hürtgenwald heran. Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze und hat insgesamt knapp 9.000 Einwohner.
Mehrere Hundert Hektar des mit Weltkriegsmunition belasteten großen alten Waldes in der Nordeifel haben die Flammen bereits zerstört. Löschhubschrauber bekämpfen das Feuer aus der Luft, Wasserwerfer der Polizei sind am Boden im Einsatz. Zwei Panzer der Bundeswehr schlugen Schneisen in den Wald.
Auch Gegenfeuer kam als Mittel der Brandbekämpfung zum Einsatz. Dazu werden Feuer an geeigneten Stellen entzündet, um dem größeren Brand Nahrung zu entziehen, wie Feuerwehrsprecher Peter Berndgen sagte.
Die Uhr tickt
Die Anwohner aus Gey können noch nicht in ihre Häuser zurückkehren, teilte der Kreis mit. Sie kamen bei Verwandten oder Freunden unter. Auch eine Schule wurde als Notunterkunft hergerichtet.
In Zusammenhang mit mehreren aktuellen Waldbränden in NRW übernahm das Landesinnenministerium die Koordinierung. Die sogenannte Koordinierungsgruppe des Krisenstabs der Landesregierung wurde aktiviert. Sie koordiniert auch die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte und Spezialgeräte. Neben Hubschraubern der NRW-Polizei waren auch Helikopter aus Hessen und Rheinland-Pfalz sowie der Bundespolizei und Bundeswehr zur Brandbekämpfung im Einsatz.
Die Hubschrauber sind mit einem sogenannten Bambi Bucket bestückt, einem faltbaren Löschwasser-Behälter. Mit jedem einzelnen Flug können damit 2.000 Liter Löschwasser abgelassen werden. Auch das neue Spezialfahrzeug "Fire Fighter" des Landesbetriebs Wald und Holz kann sich mit 10.000 Litern Löschwasser den Weg durch schwieriges Gelände bahnen.
Im Sauerland laufen ebenfalls noch Löscharbeiten. Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) und Gorißen appellierten an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. "Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden", mahnten sie.
Weltkriegsmunition macht den Einsatz hochgefährlich
Die Löscharbeiten werden durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. "Das Gelände ist doch sehr schwierig und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken", sagte Landrat Nolten. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen.
Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Unter der Erde liegen Granaten und Munition. Helfer berichten, dass in der Nacht immer wieder Explosionen aus der Richtung des Brands zu hören waren.
Polizei ermittelt zur Brandursache
Die Polizei Köln ermittelt zur Ursache des Großbrandes im Hürtgenwald und hat ein Hinweisportal für Zeugen eingerichtet. Von besonderem Interesse seien Fotos und Videos aus dem Zeitraum der Brandentstehung, teilte die Behörde mit. Der Brand hatte sich seit Donnerstagnachmittag ausgebreitet. Die Ursache war zunächst unklar.
Der Waldbrand sorgte auch für Einschränkungen im Verkehr: Die Ausfahrten Düren und Langerwehe mussten gesperrt werden, um sie als Rettungszufahrten für die Einsatzkräfte nutzen zu können. "Schaulustige werden aufgefordert, das Brandgebiet zu verlassen und großräumig zu meiden", appellierte die Behörde an die Bürger.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte bei einem Besuch vor Ort, er habe so etwas noch nie gesehen. "Das macht einen schon unheimlich unruhig", sagte er. "Das ist ja klar. Ich denke an die Menschen, die hier leben und die um ihr Häuschen fürchten. Um die müssen wir uns jetzt kümmern, und diesen Job, den erfüllen all diese 1400 Leute, die hier unterwegs sind. Alle helfen mit, ich finde das grandios. Und darüber hinaus viele Freiwillige. Es ist doch ein Hammer, zu erleben, wie viel Bereitschaft in unserem Bundesland ist, sich untereinander zu helfen."
Mit Verärgerung reagierte Reul auf Kritik an der Organisation der Maßnahmen und die Forderung nach Löschflugzeugen. "Diese Mäkeleien - ich habe keine Lust mehr darauf", wetterte der 73-Jährige. "Bitte Nörgeln nachher. Ende, aus. Die Leute interessiert, ob wir deren Häusern sichern können. Das andere ist denen vollkommen wurscht. Und die Frage von Flugzeugen, das hab' ich schon zehnmal diskutiert. Das ist nicht so einfach in unserem Bundesland, da wir keine großen Flächen haben, wo getankt werden kann. Das ist so blauäugig wie noch was."
Reul: "Feuer ist durch irgendeinen Idioten entstanden"
Reul appellierte an alle Bürger, sich jetzt von Wäldern fernzuhalten: "Es ist einfach irre, dass man jetzt in Wäldern rumläuft", kritisierte er. "Jeder weiß, das Feuer ist entstanden durch irgendeinen Idioten. Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen, einfach irgendwas wegwerfen. Das ist das eigentliche Problem. Und jetzt müssen die 1400 Leute versuchen, das in den Griff zu kriegen."