Mehr Zinsen für Sparer - EZB hält Leitzinsen konstant
Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert - und dabei dürfte es vorerst auch bleiben. Für Sparer muss das nicht schlecht sein. Die Notenbank dagegen hat eine Sorge mehr mit dem starken Euro.
Die Europäische Zentralbank (EZB) tastet die Leitzinsen auch im neuen Jahr zunächst nicht an. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.
Seit nunmehr fünf Sitzungen in Folge hat der EZB-Rat die Leitzinsen unverändert gelassen. Bis Juni hatte es eine Serie von Senkungen gegeben: Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent.
Inflation im Griff
Die EZB hat gute Gründe abzuwarten. Die Inflation, die nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine 2022 nach oben geschnellt war, ist eingedämmt. Und der Wirtschaft tun niedrigere Leitzinsen gut: Kredite für Firmen und Verbraucher werden tendenziell günstiger, was bei größeren Anschaffungen helfen und das Wachstum anschieben kann.
Im Januar ging die Teuerungsrate im Euroraum weiter zurück und erreichte einer ersten Eurostat-Schätzung zufolge mit 1,7 Prozent den tiefsten Stand seit September 2024. Die EZB strebt stabile Preise für den Währungsraum bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an. Auch die Konjunktur in der Eurozone hält sich trotz des Zollstreits mit den USA robust, sodass es vorerst keinen Druck für die EZB gibt, die Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen zu stützen.
Etwas mehr Zinsen für Sparer
Von der verlängerten Zinspause und gestiegenen Kapitalmarktzinsen profitieren Sparer etwas, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt (Stand 2.2.2026). Demnach stiegen die Zinsen bei Festgeld mit zehn Jahren Laufzeit auf im Schnitt 2,49 Prozent. Das ist ein Viertelprozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim Tagesgeld bekommen Sparer etwas bessere Konditionen. In den ersten Wochen des Jahres seien die Sparzinsen über alle Laufzeiten gestiegen.
Das Ratgeberportal "Finanztip" berichtet ebenfalls über verbesserte Konditionen für Tagesgeld: 2,92 Prozent Zinsen seien im besten Fall für die kommenden sechs Monate für Sparerinnen und Sparer drin, kurzfristig sogar 3,2 Prozent. Mit solchen Angeboten wollen Anbieter im hart umkämpften deutschen Markt neue Kundschaft locken. Experten raten jedoch, vor allem darauf zu achten, ob das Geld bei der jeweiligen Bank wirklich sicher ist.
Neues Problem: Trumps Politik schwächt Dollar
Für Handlungsdruck bei der EZB könnte das Erstarken des Euro sorgen, der jüngst zeitweise die Marke von 1,20 Dollar übersprang - erstmals seit 2021. Mit der unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den Finanzmärkten gelitten, was den Dollar-Kurs sinken und den Euro aufwerten lässt.
Die Aufwertung des Euro belastet Europas Exporteure, nicht zuletzt deutsche Firmen, da ihre Waren auf den Weltmärkten teurer werden. Zugleich verbilligt der starke Euro Importe, die in Dollar gehandelt werden. Das dämpft die Inflation, die 2026 das mittelfristige EZB-Ziel von 2,0 Prozent ohnehin leicht unterschreiten könnte. Manche Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin Kocher sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euro Handlungsdruck für eine Zinssenkung. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke dargestellt.
EZB sieht sich bislang in komfortabler Lage
Zuletzt sah sich die EZB in einer "komfortablen" Situation, wie Präsidentin Christine Lagarde wiederholt betonte. Dies gilt als Hinweis, dass die Leitzinsen vorerst stabil bleiben. Die EZB will zu stark steigende Preise vermeiden, aber auch dauerhaft sinkende Preise: Rechnen Verbraucher und Unternehmen mit Nachlässen, könnten sie Anschaffungen verschieben, was die Wirtschaft bremst.