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FFH Speed-Dating zur Landtagswahl: Hessen befragen Politiker

FFH-Hörer befragen Politiker - Spannende Antworten beim FFH Speed-Dating

Beim FFH-Speed-Dating vor der Hessenwahl treffen sechs Hörer auf die sechs Spitzenkandidaten und dürfen sie alles fragen, was sie wollen.

Was passiert, wenn sechs Hessinnen und Hessen die Chance haben, unsere Spitzenpolitiker alles zu fragen, was sie wollen? Das haben wir vor der Landtagswahl in Hessen am 8. Oktober ausprobiert - beim FFH Speed-Dating. Und wir stellen fest: Es entstehen gute Gespräche und die Politiker werden teilweise mit ganz schön kniffligen Fragen konfrontiert.

Ein Raum mit sechs Tischen: Auf der einen Seite die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten von den sechs im Landtag vertretenen Parteien, auf der anderen Seite sechs Hessinnen und Hessen aus allen Ecken unseres schönen Bundeslandes. Mit dem Gong starten die Gespräche und alle fünf Minuten wechseln die Politiker den Tisch.

Und die FFH-Hörer sind gut vorbereitet: Manche mit Tablets, andere mit Zetteln, auf denen sie ihre Fragen notiert haben. Es geht um den Klimaschutz, die Bildung, Verkehrspolitik oder um die Pläne für die ersten 100 Tage im Amt. Und wenn die Antwort eines Politikers nicht gefällt, dann wird auch mal kritisch nachgefragt.

Boris Rhein (CDU)

© FFH / Max Franke

Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) stellt sich den Fragen von Hörer Stephan.

Nach dem Speed-Dating ist Ministerpräsident Boris Rhein voller Lob für unsere sechs Hörerinnen und Hörer: "Allesamt waren verdammt gut informiert und einige waren sogar in der Lage Parteiprogramme in der Fragestellung gegeneinander zu stellen", erzählt er unseren Reportern sichtlich beeindruckt davon, wie knifflig einige Fragen waren.

FFH-Hörerin Cornelia will zum Beispiel von ihm wissen, was er denn in seiner Regierungsverantwortung falsch gemacht hätte. Doch Polit-Profi Rhein findet auch darauf eine Antwort und flüchtet sich in eine Forderung aus seinem Wahlprogramm, nämlich die Bürokratie abzubauen: "Ich glaube, dass wir jetzt gerade merken, dass wir viel zu viele Regeln haben. [...] Und ich glaube, dass wir da möglicherweise die Zeichen der Zeit zu spät erkannt haben."

Von Schülerin Jette aus Nordhessen wird er gefragt, wie er denn das Nahverkehrsangebot im ländlichen Raum verbessern möchte. Hier ist für Rhein der größte Fehler der Vergangenheit, dass so viele Schienenstrecken stillgelegt worden sind. Diese möchte er reaktivieren. Damit der ÖPNV im ländlichen Raum ausgebaut werden könne, brauche es aber zusätzliche Gelder vom Bund. Und auch wenn Jette ihn nicht direkt danach gefragt hat, bekräftigt Rhein in diesem Zusammenhang auch noch einmal, dass er das Aus des Verbrennermotors für falsch hält. Die Bürgerinnen und Bürger sollen selber entscheiden, ob sie ein Batterieauto fahren oder nicht.

Malermeister Stephan aus Walluf erzählt, dass er vor wenigen Wochen überfallen worden sei und will daher von Boris Rhein wissen, wie dieser denn die Sicherheit im Land erhöhen will. Für Rhein ist klar: Es braucht mehr und besser ausgestattet Polizei im Land. Außerdem müsse man sicherstellen, dass für erwischte Täter "die Strafe auf dem Fuße folgt".

Wo hat Rhein schon mal Fehler gemacht?

Frage von Hörerin Cornelia

Was tut Rhein für die Sicherheit?

Frage von Hörer Stephan

© HIT RADIO FFH

Tarek Al-Wazir (Grüne)

© FFH / Max Franke

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) wird von Hörer Heiko befragt.

Als Grünen-Kandidat wird Tarek Al-Wazir viel zu Umwelt- und Klimaschutz befragt, aber auch in anderen Politikfeldern haben die sechs FFH-Hörerinnen und Hörer ihm auf den Zahn gefühlt.

Heiko, Familienvater aus Hünfeld, will beispielsweise wissen, was es mit der Forderung der Grünen auf sich hat, Leistungen in der Schule ohne Noten zu bewerten. Das hatte er im Wahlprogramm der Partei entdeckt und fragt nun kritisch, ob dies eine ausreichende Vorbereitung auf das Berufsleben sei? Denn spätestens da werde man dann ja bewertet.

Al-Wazir  verweist darauf, dass man dies ja nicht allen Schulen verbindlich vorschreiben wolle. Außerdem würden die Schüler spätestens zum Ende der Schulzeit dank der zentralisierten Abschlussprüfungen ja doch mit Noten bewertet.

Hörerin Nadine will von Al-Wazir wissen, wie denn Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten. Hier sieht Al-Wazir vor allem die Politik in der Pflicht, die den entsprechenden Rahmen schaffen müsse. Zum Beispiel arbeite er derzeit an einem Solarförderungs-Programm auf Kreditbasis, bei dem sich Menschen ohne Eigenkapital Solaranlagen installieren und den Kredit dann über die gesparten Stromkosten zurückzahlen. Außerdem müsse man besser darin werden die Chancen von Veränderungen zu kommunizieren.

Was können Menschen mit geringeren Mitteln fürs Klima tun?

Frage von Hörerin Nadine

Wie soll Schule ohne Noten funktionieren?

Frage von Hörer Heiko

© HIT RADIO FFH

Nancy Faeser (SPD)

© FFH / Max Franke

SPD-Kandidatin Nancy Faeser im Gespräch mit Hörerin Cornelia.

Warum will Nancy Faeser eigentlich Ministerpräsidentin werden, sie habe als Innenministerin doch einen spannenden Job. Das ist eines der Dinge, die Hörer Heiko von der Kandidatin wissen will. "Ich brenne für Hessen. Ich möchte die Bildungspolitik, auch die frühkindliche Bildung, ich möchte, dass Arbeitsplätze auch in der Zukunft in Hessen existieren, meine Familie ist hier und ich möchte wieder zurückkommen", lautet Faesers Antwort, die unseren Hörer aber nicht komplett zufrieden stellt: "Na, das war jetzt aber Wahlprogramm!", merkt er direkt kritisch an.

Jette aus Witzenhausen will wissen, ob Faeser denn tatsächlich ein Ministerium nach Kassel verlegen wolle, falls sie Ministerpräsidentin werden würde. Dies bejaht Faeser, denn Nordhessen müsse besser vertreten sein. Auf die Nachfrage welche Ministerium denn genau, muss Faeser allerdings passen. Da habe sie sich noch nicht entschieden.

Malermeister Stephan konfrontiert Faeser mit der Realität im Handwerk. Bei der Frage, ob sie wisse, wie viel eine Handwerker-Stunde koste, kann Faeser mit ihrer Antwort glänzen: "Das reicht von 50 bis 80 Euro", sagt sie - und schiebt lachend hinterher, dass sie aktuell viele Handwerker im Haus habe. Sichtlich überrascht ist Faeser allerdings, als Stephan ihr dann eröffnet, dass von diesen 50 bis 80 Euro, in seiner Erfahrung, nach Abzug aller Kosten gerade einmal sieben Prozent Gewinn verbleiben würden.

Soll ein Ministerium nach Kassel kommen?

Frage von Hörerin Jette

Warum will Faeser zurück nach Hessen?

Frage von Hörer Heiko

© HIT RADIO FFH

Robert Lambrou (AfD)

© FFH / Max Franke

Robert Lambrou (AfD) erklärt Stephan aus Walluf sein Programm.

Mit Deutschland-Flagge am Revers tritt AfD-Kandidat Robert Lambrou den Hörern gegenüber, thematisch interessiert die aber viel mehr, was er denn für ihr Leben hier in Hessen anbieten kann. Schülerin Jette will wissen, was er gegen den Lehrkräftemangel tun möchte. Lambrou will mehr Quereinsteiger in den Lehrerberuf holen und zusätzlich mit Hilfe von Verwaltungsassistenten Lehrkräfte von Bürokratie zu befreien.

Über Bürokratieabbau spricht der AfD-Spitzenkandidat mit vielen Hörern, auch mit Nikolaos aus Marburg. Sein Plan: Eine für drei Jahre befristete Abteilung schaffen, an die sich Menschen und Unternehmen mit konkreten Beispielen, wo ihrer Ansicht nach überflüssige Bürokratie herrscht, wenden können.

Mehrfach wird er auch von den Hörern auf das Thema Klimawandel angesprochen. Für Lambrou habe Deutschland hier bereits genug getan, indem es die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent gesenkt habe. In der Frage der Ursache des Klimawandels weichen Lambrous Antworten dabei vom Programm seiner eigenen Partei ab. Während es darin heißt,  es sei "nicht wissenschaftlich gesichert, dass die menschlichen CO2-Emissionen verantwortlich für den Wandel des Klimas sind", behauptet Lambrou im Gespräch mit Hörer Heiko: "Wir sind der Meinung, dass es den Klimawandel gibt und dass der Mensch daran einen Anteil hat. Wir sind nur nicht sicher, ob er so groß ist, dass es Sinn macht hier Gelder zu investieren."

AfD-Spitzenkandidat Lambrou muss sich aber auch kritischen Nachfragen stellen, die sich um rechtsextreme Positionen in der Partei drehen.

Cornelia Kaufmann fragt ihn, was sagen sie zu den Vorwürfen, die AfD sei rechtspopulistisch? Über diese Frage geht Lambrou zunächst hinweg, doch unsere Hörerin lässt sich so leicht nicht abschütteln. Lambrous Antwort schließlich: Er könne mit dem Vorwurf Populismus ganz gut leben. Der Begriff rechtspopulistisch kommt ihm dabei nicht über die Lippen und erneut bemüht er sich um Abgrenzung zu radikalen Positionen anderer Parteimitglieder: „Aber ja natürlich wird das ein oder andere bei uns sehr stark zugespitzt, ich persönlich mache das übrigens nicht.“

Was möchte Lambrou tun, um bürokratische Hürden abzubauen?

Frage von Hörer Nikolaos

Was sagt Lambrou zum Vorwurf des Rechts-Populismus?

Frage von Hörerin Cornelia

© HIT RADIO FFH

Stefan Naas (FDP)

© FFH / Max Franke

Überzeugt Stefan Naas von der FDP mit seinen Ideen für Hessen Nadine aus Wiesbaden?

Die FDP steckt sich in ihrem Wahlprogramm große Ziele, möglicherweise zu große Ziele, findet Pflegedirektorin Nadine und konfrontiert den Spitzenkandidaten der Liberalen direkt knallhart mit ihrer Beobachtung: "Das könnte schnell unrealistisch wirken. Könnte das einer der Punkte sein, weshalb sie so schlecht in den Prognosen abschneiden?" Die Antwort des FDP-Mannes: "Wir haben natürlich große Ziele. Wir sind der Auffassung das Hessen schlecht regiert wird, dass Hessen unter Wert regiert wird. Wir wollen Hessen an die Spitze zurückführen. [...] Ich habe schon den Anspruch, dass wir uns auch international und europäisch messen." Ob diese Ziele ein Grund für die schlechten Prognosen sein könnten, das beantwortet Naas nicht. 

Projektmanagerin Cornelia will von Naas wissen, ob bei ihm "Wirtschaftlichkeit vor Klimaschutz" stehe. Das verneint Nass: "Wir brauchen beides. Und am Ende müssen wir die Wirtschaft fördern, damit wir auch neue Technologien fördern können."

Was will Naas in den ersten 100 Tagen einer möglichen Amtszeit umgesetzt haben, will Heiko, der im Fahrzeugbau arbeitet, wissen? Die IAA nach Frankfurt zurückholen, antwortet Naas ohne zu zögern. Ob dies wirklich so hoch auf seiner Agenda steht oder ob Naas sich einfach nur gut auf seinen Gesprächspartner vorbereitet hatte, wissen wir leider nicht.

Was will er in 100 Tagen umsetzen und Ehrenämter

Fragen von Hörer Heiko und Hörerin Cornelia

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Elisabeth Kula (Linke)

© FFH / Max Franke

Elisabeth Kula (Die Linke) stellt sich den Fragen von Schülerin Jette

Auch auf Elisabeth Kula, die Kandidatin der Linken, haben sich die sechs FFH-Hörer gut vorbereitet. Cornelia aus Edermünde will beispielsweise wissen, was es denn mit der "Solarpflicht zur Not mit Eingriff in das Eigentumsrecht" aus dem Wahlprogramm der Partei auf sich hat. Kula erläutert: "Vor allen Dingen geht es jetzt erst einmal um Neubauten, dass man da Solaranlagen drauf macht. Es geht jetzt erst mal nicht um den privaten Bestand." Aber man wolle erreichen, dass bei Neubauten die Kosten für eine Solaranlage auf dem Dach von vorneherein mit einkalkuliert werden. Einen Seitenhieb auf das "100.000 Dächer"-Programm, mit dem die CDU mehr Solaranlagen erreichen wolle, kann sich Kula dann auch nicht verkneifen. Die CDU sei ja bereits seit 25 Jahren an der Regierung und hätte dies schon längst umsetzen können, wenn sie denn wollte.

Malermeister Stephan, der selbst erst vor einigen Wochen überfallen worden ist, will gerne wissen, was denn die Linke für mehr Sicherheit plane. Kula antwortet, dass die Partei generell ein positives Menschenbild habe: "Kein Mensch will irgendwie kriminell werden. Das ist jetzt keine Rechtfertigung, aber es hat oft Gründe, warum Menschen irgendwie in einer Drogenlaufbahn oder einer kriminellen Laufbahn landen. Deswegen ist ein Punkt die Armutsbekämpfung, dass Menschen nicht in Armut leben und dann daraus gezwungen werden, kriminell zu werden."

Auch die Forderung der Linken nach einem kostenlosen Nahverkehr kommt zur Sprache. Dies müsse man schrittweise angehen und es zähle vor allem der politische Wille. Luxemburg gehe dort mit gutem Beispiel voran. Eine Antwort auf die Frage von Hörerin Cornelia, wie sie dies denn finanzieren wollen, lässt sich die Kandidatin dabei allerdings nicht entlocken.

Solarpflicht und mehr Sicherheit

Fragen von Hörerin Cornelia und Hörer Stephan

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Fazit der Hörer und Politiker

Das FFH Speed-Dating war vor allem auch für die Politiker eine herausfordernde Situation, wie sie uns danach im Interview erzählen. Jeweils nur fünf Minuten Zeit und gut vorbereitete Hörer, die zu einer Vielzahl an verschiedenen Themen ihre Fragen stellen - das ist anstrengend. Trotzdem hat es allen gefallen und so wird das Dating nach Ende der Veranstaltung einfach noch ein wenig fortgesetzt. Selbst die Politiker, die vorher Termindruck angekündigt hatten, bleiben doch noch etwas länger und unterhalten sich bei Kaffee und Kuchen weiter mit den Hörerinnen und Hörern.

Auch unsere sechs Fragensteller sind nach den Gesprächen hoch zufrieden. Loben die angenehme Atmosphäre und die Unterhaltungen auf Augenhöhe mit den Politikern. Manche fühlen sich in ihrer politischen Auffassung bestätigt, andere kündigen an ihre Wahlentscheidung vielleicht noch einmal zu überdenken. Und bei einem sind sich am Ende alle - Politiker sowie Hörer - einig: Eigentlich war das FFH Speed-Dating viel zu schnell vorbei.

Boris Rhein (CDU) ist beeindruckt von den Hörer-Fragen

Tarek Al-Wazir (Die Grünen) freut sich über spannende Begegnungen

SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser hätte sich mehr Zeit gewünscht

AfD-Spitzenkandidat Robert Lambrou hätte sich forschere Fragen gewünscht

FDP-Spitzenkandidat Stefan Naas gefällt die Spontaneität des Speed-Datings

Elisabeth Kula, Spitzenkandidatin der Linken stellt sich der Herausforderung

So fanden unsere Hörer das FFH-Speed-Dating

Hörerin Jette über das Speed-Dating

Hörer Stefan über das Speed-Dating

Hörerin Nadine über das Speed-Dating

Hörer Nikolaos über das Speed-Dating

Hörer Heiko über das Speed-Dating

© HIT RADIO FFH

Unsere sechs Hessen beim Speed-Dating

Die sechs Politiker

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