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> Sensationsfund in Bad Camberg: Das lag im Keltengrab
08.06.2026, 17:30 Uhr
Sensationsfund in Bad Camberg -
Fotos zeigen Goldschmuck aus Keltengrab
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Sensationeller Fund in Mittelhessen Das Grab eines Keltenfürsten, voll mit Schmuck und Schätzen, die über 2.000 Jahre alt sind. Hier an der A3 bei Bad Camberg soll ein Solarpark entstehen. Bei einer Routineuntersuchung haben die Archäologen dann die Entdeckung gemacht. Hier hinter mir seht ihr drei Ringe, die für Finger, Arm und Hals gedacht sind. Weiter hinten sind noch zwei Lanzenspitzen zu sehen, die ebenso wie ein Schwert und ein Messer auch noch gefunden worden sind.
Das alles habe einem wohlhabenden Kelten gehört, der hier der hier vor etwa 2.400 Jahren bestattet wurde. Ein Jahrhundertfund, sagt mir Archäologe Axel Posluschny. Es ist mit Sicherheit eines der absolut reichsten Gräber dieser Zeitstufe in Europa. Das kann man ganz bescheiden so sagen. Und es ist von seiner Bedeutung her sicherlich fast vergleichbar mit dem Glauberg, um mal ein hessisches Beispiel zu nennen.
© Video: HIT RADIO FFH, Foto: Lars Görze M.A., hessenARCHÄOLOGIE
Der Goldschmuck aus dem Grab in Bad Camberg ist eines der wichtigsten Anzeichen dafür, dass die bestattete Person zur sozialen Elite der Eisenzeit gehörte.
Es ist ein Sensationsfund im Kreis Limburg-Weilburg: Beim Bau eines Solarparks in der Nähe von Bad Camberg haben Archäologen ein bedeutendes Keltengrab entdeckt. Nun wurden erste Funde der Presse vorgestellt - FFH war mit dabei.
In der Grabstätte befanden sich laut hessischem Kulturministerium Beigaben, darunter sogar Nachweise einer Wagenbestattung. Solche Bestattungsformen sind den Angaben zufolge äußerst selten.
Außergewöhnlicher Fund
Die Grabbeigaben zeigen, dass hier eine bedeutende Persönlichkeit der Keltenzeit bestattet wurde. Darauf weisen schlichter, aber massiver Goldschmuck, eine etruskische Schnabelkanne und Waffenreste hin. Bei den Waffen handelte es sich um Lanzenspitzen, Messer und ein Schwert. Röntgen- und CT-Aufnahmen belegen zudem, dass sich in den geborgenen Erdblöcken noch weitere Funde befinden, die erst noch freigelegt und untersucht werden müssen. Besonders bemerkenswert ist auch, dass der Beigesetzte offenbar zusammen mit einem zweirädrigen Wagen bestattet wurde. Dieser war zum Zeitpunkt des Fundes demontiert.
Ensemble aus goldenen Ringen
Konkret handelt es sich beim Goldschmuck um ein komplettes Ensemble: einen Halsring, einen Armring und einen Fingerring. Wahrscheinlich war auch ein weiterer Ring am Knöchel befestigt - aus organischem Material, das sich über die Jahrtausende weitgehend aufgelöst hat. Weitere Funde aus dem Grab: Glas- und Bernsteinperlen sowie eine gut erhaltene keramische Linsenflasche.
Kanne aus der heutigen Toskana
Besonders spektakulär ist die etruskische Schnabelkanne aus Bronzeblech - gefertigt in Norditalien und rund 2.400 Jahre alt. „Das ist durchaus extrem selten", sagt Landesarchäologe Recker. Solche Südimporte belegen, dass die bestattete Person Teil eines weitreichenden Handelsnetzes war - und sich italische Luxusgüter leisten konnte.
© Christine Henke, hessenARCHÄOLOGIE
Die inzwischen teilrestaurierte keltische Sperrspitze war eines der ersten entdeckten Fundobjekte.
© FFH/Bücker
Unter anderem Staatssekretär Degen (m.) und der hessische Landesarchäologe Recker (2.v.r.) stellten die Ergebnisse der Presse vor.
Recker: "Zwölfer im Lotto"
Der hessische Landesarchäologie Udo Recker freut sich am FFH-Mikro über den sensationellen Fund.
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Das ist eben der Fund, den macht man einmal. Das ist so und der ist nie so, wie man es plant, sondern es ist dann immer so diese Überraschung, die dann kommt. Auch die Kollegen des Glaubecks waren ja völlig überrascht. Auch das sollte eigentlich eine Lehrgrabung für einen Techniker sein, technische Abschlussgrabung. War auch nicht eingeplant, dass das rauskam, was jetzt rausgekommen ist. Und das war jetzt einfach eine Regelbegleitung im Rahmen einer Vorwegmaßnahme beim Bau einer Freiflächen-PV-Anlage. Also insofern, es sind immer diese Überraschungen, die dann kommen. Was allerdings natürlich auch darin begründet liegt, dass wir aufgrund der Rahmenbedingungen, so wie sie jetzt im Moment in Hessen nun mal herrschen, hier nicht wirklich gezielt diese Landesforschung betreiben können, sondern letztendlich gezwungen sind, da tätig zu werden, wo eben Bodeneingriffe stattfinden. Aber nichtsdestotrotz, Sie sehen ja, ja, das war wirklich ein Glücksfall. Das war der Zwölfer im Lotto, das war Weihnachten, Neujahr. Alles in einem Tag.
So kam es zum Fund
Auslöser war eine geomagnetische Untersuchung des Geländes, die Bezirksarchäologe Kai Mückenberger vor Baubeginn veranlasst hatte. Die Bilder zeigten rätselhafte Linien und Kreise im Boden - ähnlich den Prozessionsstraßen zu keltischen Grabhügeln. Den endgültigen Beweis brachte dann ein Anruf von der Baustelle: Eine Baggerschaufel hatte Metall ausgegraben - Eisenreste einer Lanzenspitze. Landesarchäologe Prof. Dr. Udo Recker beschreibt, wie ihn die Nachricht getroffen hat: „Das war der Zwölfer im Lotto. Das war Weihnachten, Neujahr, alles an einem Tag."
„Das ist quasi ein Fund, den macht ein Archäologe von Hunderten einmal in seinem Leben", sagt Posluschny. Landesarchäologe Recker sieht das genauso: „Das ist eben der Fund, den man einmal macht. Das Grab und die Möglichkeit, dieses nun mittels neuester Untersuchungsmethoden erforschen zu können, ist von großer Bedeutung für die Eisenzeitforschung in Hessen.”
Christoph Degen, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur in Hessen, sagte zu dem Fund in Bad Camberg: “Er verspricht neue Erkenntnisse über soziale Eliten, handwerkliche Fähigkeiten, überregionale Kontakte und Bestattungssitten in der jüngeren Eisenzeit.”
Posluschny über Fund: "Völlig überraschend"
Axel Posluschny, Leiter des Forschungszentrums Keltenwelt am Glauberg, freut sich am FFH-Mikro riesig über den Fund.
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Die Ausgrabung in Bad Camberg hat völlig überraschend für uns ein sehr, sehr reiches, das lässt sich gar nicht genügend betonen, Grab aus keltischer Zeit, also in dem Fall, sagen wir mal so plus, minus 400 vor Christus, zutage gebracht mit goldenem Schmuck, Halsring, Armring und Fingerring, dazu ein Wagen, ein zweiräderiger Wagen, eine Kanne, eine bronzene Kanne aus Italien, aus Etrurien und dazu noch diverse Funde, von denen wir noch gar nicht wissen, was das genau ist, die wir noch in einem Erdblock stecken.
Posluschny: "Eines der reichsten Gräber in Europa."
Axel Posluschny mit einer Einschätzung der Fundwertigkeit am FFH-Mikro.
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Es ist mit Sicherheit eines der absolut reichsten Gräber dieser Zeitstufe in Europa. Das kann man ganz bescheiden so sagen und ist von seiner Bedeutung her sicherlich fast vergleichbar mit dem Glauberg, um mal ein hessisches Beispiel zu nennen.
Parallelen zum Glauberg
Der Fund zeigt zudem klare Parallelen zu weiteren bekannten Fürstengräbern in Mitteleuropa. Der Fürst aus Bad Camberg gilt als Zeitgenosse des berühmten Keltenfürsten vom Glauberg und dürfte in der keltischen Geschichte Hessens eine bedeutende Rolle gespielt haben. Damit ist die archäologische Landschaft Hessens um ein seltenes Elitengrab reicher. Die Denkmalpfleger der hessenARCHÄOLOGIE sprechen von einem bisher völlig unbekannten eisenzeitlichen Fürstengrab.
Axel Posluschny, Forschungsleiter der Keltenwelt am Glauberg, ordnet die Bedeutung des Funds klar ein: „Es ist mit Sicherheit eines der absolut reichsten Gräber dieser Zeitstufe in Europa." Die Kombination aus Goldschmuck, Wagen und etruskischer Kanne mache dieses Grab europaweit einzigartig.
Grab war auf herrschaftlichem Platz angelegt
Die Grabanlage selbst war aufwendig gestaltet: eine Grabkammer, überhügelt von einem Grabhügel, von dem aus zwei Strahlenwälle in verschiedene Richtungen abgingen - gut sichtbar von der umliegenden Siedlung und den Wirtschaftsflächen. Keine zufällige Lage, sondern eine bewusste Inszenierung von Macht, auch im Tod.
Recker erklärt, welche Grundlage diese Macht hatte: Die Region um Bad Camberg war damals nicht nur für fruchtbare Landwirtschaft bekannt, sondern auch für Eisenbergbau und Eisenverhüttung. Beides zusammen habe die Basis für eine lokale Elite geschaffen.
Bildergalerie: Sensationsfund in Bad Camberg
© Lars Görze M.A., hessenARCHÄOLOGIE
Die Vermessung und Dokumentation des neu entdeckten Keltengrabs bei Bad Camberg.
© Lars Görze M.A., hessenARCHÄOLOGIE
Während das Archäologen-Team das Grab freilegt, wird im Hintergrund parallel der Solarpark errichtet.
© Prof. Dr. Udo Recker, hessenARCHÄOLOGIE
Alle Funde wurden sorgfältig vermessen.
© Dr. Kai Mückenberger, hessenARCHÄOLOGIE
Die ersten Hinweise auf einen keltischen Wagen kommen im feuchten Boden ans Tageslicht.
© Lars Görze M.A., hessenARCHÄOLOGIE
Die Freilegung des goldenen Finger- und Armrings.
© Lars Görze M.A., hessenARCHÄOLOGIE
Der geborgene Goldschmuck wurde in der Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE sorgfältig gereinigt und untersucht.
Wissenschaftler untersuchen Funde
Derzeit werten Fachleute die Überreste aus dem Elitengrab intensiv aus. Daran sind neben dem Landesamt für Denkmalpflege auch das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg sowie das Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz beteiligt.Bis alle Funde vollständig restauriert und analysiert sind, werden noch Jahre vergehen. CT-Scans und aufwendige Restaurierungsarbeiten stehen noch aus. Posluschny, der die Erdblöcke mit unbekanntem Inhalt mit Spannung erwartet: „Ich will nicht sagen, ich habe schlaflose Nächte - aber das wird schon ganz aufregend werden."
Die Funde bleiben in Hessen
Wo die Objekte künftig ausgestellt werden, ist noch offen - ein Museum mit klimatisierten Sicherheitsvitrinen ist Voraussetzung. Die Keltenwelt am Glauberg wäre der naheliegende Ort. Posluschny macht aber schon eines klar: „Das wird das Land Hessen sicherlich nicht aus den Fingern geben."