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Sensationsfund in Bad Camberg: Das lag im Keltengrab

Sensationsfund in Bad Camberg - Fotos zeigen Goldschmuck aus Keltengrab

© Video: HIT RADIO FFH, Foto: Lars Görze M.A., hessenARCHÄOLOGIE

Der Goldschmuck aus dem Grab in Bad Camberg ist eines der wichtigsten Anzeichen dafür, dass die bestattete Person zur sozialen Elite der Eisenzeit gehörte.

Es ist ein Sensationsfund im Kreis Limburg-Weilburg: Beim Bau eines Solarparks in der Nähe von Bad Camberg haben Archäologen ein bedeutendes Keltengrab entdeckt. Nun wurden erste Funde der Presse vorgestellt - FFH war mit dabei.

In der Grabstätte befanden sich laut hessischem Kulturministerium Beigaben, darunter sogar Nachweise einer Wagenbestattung. Solche Bestattungsformen sind den Angaben zufolge äußerst selten.

Außergewöhnlicher Fund

Die Grabbeigaben zeigen, dass hier eine bedeutende Persönlichkeit der Keltenzeit bestattet wurde. Darauf weisen schlichter, aber massiver Goldschmuck, eine etruskische Schnabelkanne und Waffenreste hin. Bei den Waffen handelte es sich um Lanzenspitzen, Messer und ein Schwert. Röntgen- und CT-Aufnahmen belegen zudem, dass sich in den geborgenen Erdblöcken noch weitere Funde befinden, die erst noch freigelegt und untersucht werden müssen. Besonders bemerkenswert ist auch, dass der Beigesetzte offenbar zusammen mit einem zweirädrigen Wagen bestattet wurde. Dieser war zum Zeitpunkt des Fundes demontiert.

Ensemble aus goldenen Ringen

Konkret handelt es sich beim Goldschmuck um ein komplettes Ensemble: einen Halsring, einen Armring und einen Fingerring. Wahrscheinlich war auch ein weiterer Ring am Knöchel befestigt - aus organischem Material, das sich über die Jahrtausende weitgehend aufgelöst hat. Weitere Funde aus dem Grab: Glas- und Bernsteinperlen sowie eine gut erhaltene keramische Linsenflasche.

Kanne aus der heutigen Toskana

Besonders spektakulär ist die etruskische Schnabelkanne aus Bronzeblech - gefertigt in Norditalien und rund 2.400 Jahre alt. „Das ist durchaus extrem selten", sagt Landesarchäologe Recker. Solche Südimporte belegen, dass die bestattete Person Teil eines weitreichenden Handelsnetzes war - und sich italische Luxusgüter leisten konnte.

Recker: "Zwölfer im Lotto"

Der hessische Landesarchäologie Udo Recker freut sich am FFH-Mikro über den sensationellen Fund.

© HIT RADIO FFH

So kam es zum Fund

Auslöser war eine geomagnetische Untersuchung des Geländes, die Bezirksarchäologe Kai Mückenberger vor Baubeginn veranlasst hatte. Die Bilder zeigten rätselhafte Linien und Kreise im Boden - ähnlich den Prozessionsstraßen zu keltischen Grabhügeln. Den endgültigen Beweis brachte dann ein Anruf von der Baustelle: Eine Baggerschaufel hatte Metall ausgegraben - Eisenreste einer Lanzenspitze. Landesarchäologe Prof. Dr. Udo Recker beschreibt, wie ihn die Nachricht getroffen hat: „Das war der Zwölfer im Lotto. Das war Weihnachten, Neujahr, alles an einem Tag."

„Das ist quasi ein Fund, den macht ein Archäologe von Hunderten einmal in seinem Leben", sagt Posluschny. Landesarchäologe Recker sieht das genauso: „Das ist eben der Fund, den man einmal macht. Das Grab und die Möglichkeit, dieses nun mittels neuester Untersuchungsmethoden erforschen zu können, ist von großer Bedeutung für die Eisenzeitforschung in Hessen.” 

Christoph Degen, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur in Hessen, sagte zu dem Fund in Bad Camberg: “Er verspricht neue Erkenntnisse über soziale Eliten, handwerkliche Fähigkeiten, überregionale Kontakte und Bestattungssitten in der jüngeren Eisenzeit.”

Posluschny über Fund: "Völlig überraschend"

Axel Posluschny, Leiter des Forschungszentrums Keltenwelt am Glauberg, freut sich am FFH-Mikro riesig über den Fund.

Posluschny: "Eines der reichsten Gräber in Europa."

Axel Posluschny mit einer Einschätzung der Fundwertigkeit am FFH-Mikro.

© HIT RADIO FFH

Parallelen zum Glauberg

Der Fund zeigt zudem klare Parallelen zu weiteren bekannten Fürstengräbern in Mitteleuropa. Der Fürst aus Bad Camberg gilt als Zeitgenosse des berühmten Keltenfürsten vom Glauberg und dürfte in der keltischen Geschichte Hessens eine bedeutende Rolle gespielt haben. Damit ist die archäologische Landschaft Hessens um ein seltenes Elitengrab reicher. Die Denkmalpfleger der hessenARCHÄOLOGIE sprechen von einem bisher völlig unbekannten eisenzeitlichen Fürstengrab. 

Axel Posluschny, Forschungsleiter der Keltenwelt am Glauberg, ordnet die Bedeutung des Funds klar ein: „Es ist mit Sicherheit eines der absolut reichsten Gräber dieser Zeitstufe in Europa." Die Kombination aus Goldschmuck, Wagen und etruskischer Kanne mache dieses Grab europaweit einzigartig.

Grab war auf herrschaftlichem Platz angelegt

Die Grabanlage selbst war aufwendig gestaltet: eine Grabkammer, überhügelt von einem Grabhügel, von dem aus zwei Strahlenwälle in verschiedene Richtungen abgingen - gut sichtbar von der umliegenden Siedlung und den Wirtschaftsflächen. Keine zufällige Lage, sondern eine bewusste Inszenierung von Macht, auch im Tod.

Recker erklärt, welche Grundlage diese Macht hatte: Die Region um Bad Camberg war damals nicht nur für fruchtbare Landwirtschaft bekannt, sondern auch für Eisenbergbau und Eisenverhüttung. Beides zusammen habe die Basis für eine lokale Elite geschaffen.

Bildergalerie: Sensationsfund in Bad Camberg

Wissenschaftler untersuchen Funde

Derzeit werten Fachleute die Überreste aus dem Elitengrab intensiv aus. Daran sind neben dem Landesamt für Denkmalpflege auch das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg sowie das Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz beteiligt.Bis alle Funde vollständig restauriert und analysiert sind, werden noch Jahre vergehen. CT-Scans und aufwendige Restaurierungsarbeiten stehen noch aus. Posluschny, der die Erdblöcke mit unbekanntem Inhalt mit Spannung erwartet: „Ich will nicht sagen, ich habe schlaflose Nächte - aber das wird schon ganz aufregend werden."

Die Funde bleiben in Hessen

Wo die Objekte künftig ausgestellt werden, ist noch offen - ein Museum mit klimatisierten Sicherheitsvitrinen ist Voraussetzung. Die Keltenwelt am Glauberg wäre der naheliegende Ort. Posluschny macht aber schon eines klar: „Das wird das Land Hessen sicherlich nicht aus den Fingern geben."

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