Solar-Wärmenetz in Rüdigheim - Dorf nimmt Energiewende in eigene Hand
Viele Heizungen - wie auch im mittelhessischen Amöneburg-Rüdigheim - sind über 30 Jahre alt. Wo früher Fußball gespielt wurde, steht hier jetzt die neue Lösung: ein riesiger Wasserspeicher, der bald ganze Straßenzüge heizen soll.
16 Meter hoch, knapp 39 Meter im Durchmesser und mit einem Fassungsvermögen von 18.000 Kubikmeter ist der Speicher ausgestattet. HIT RADIO FFH hat sich bei der Genossenschaft Sonnenwärme Rüdigheim umgeschaut.
Dafür ist der große Speicher auf dem alten Sportplatz gedacht
Vorstandsvorsitzender Alfred Riehl erklärt das Herzstück, den Ganzjahresspeicher: "Den Ganzjahresspeicher mit einer Größe von 18.000 Kubikmetern. Dieser wird mit Wasser gefüllt und soll die Wärme, die im Sommer erzeugt wird, mit in den Winter nehmen, um die Häuser in Rüdigheim zu heizen." Fußball wird auf dem alten Platz, wo jetzt der Speicher steht, übrigens ohnehin schon lange nicht mehr gespielt, erzählt Vorstandsmitglied Daniela Engel auf FFH-Nachfrage.
Von fossilen Brennstoffen zur Solarwärme
Die Idee entstand aus der Not heraus: "Wir haben alle relativ alte Ölheizungen zu Hause, die schon 30 Jahre und älter sind", erklärt Riehl. Seit 2017 arbeitete eine Initiative an Machbarkeitsstudien, 2022 wurde die Genossenschaft gegründet - das Ziel ist, 87 Prozent der Wärme allein aus Solarenergie zu gewinnen. Den Rest liefern Wärmepumpen, die auch dafür sorgen, dass der Speicher effizienter genutzt wird: Der untere Bereich wird stärker ausgekühlt und "mit 75 Grad ungefähr oder 70 Grad im oberen Bereich wieder eingespeist", so Riehl.
Der Zeitplan bis zur ersten warmen Heizung
Der Speicher steht zwar schon fast, doch bis zur echten Wärmelieferung dauert es noch: Aktuell laufen der Bau des Solarthermiefelds und des Nahwärmenetzes im Dorf parallel. Danach muss der Speicher erstmal ein ganzes Jahr lang aufgeheizt werden. Die ersten Häuser sollen im September 2027 angeschlossen werden. Aktuell sind knapp über 100 Haushalte dabei, vielmehr geht aber dann ohnehin erstmal nicht - "dann muss die Anlage erstmal ins Laufen kommen", so Riehl.
Wie das Dorf überzeugt wurde
Die Überzeugungsarbeit lief laut Daniela Engel überraschend leicht: "Der hohe solare Anteil und dass wir gar keine Biomasse verwenden und völlig unabhängig vom Wärmemarkt sind - das ist schon ein Argument, das gut zieht." Schon bei der Gründung der Genossenschaft gab es laut Riehl "sofort 73 Unterschriften".
Was der Umstieg kostet
Wer mitmachen will, zahlt eine einmalige Genossenschaftseinlage von 8.000 Euro. Dazu kommen laufende Kosten: 16,7 Cent pro Kilowattstunde, eine Grundgebühr von 30 Euro im Monat sowie eine Mindestabnahme von 5.000 Kilowattstunden im Jahr. Im Haus selbst ändert sich laut Engel erstaunlich wenig: "Es wird eigentlich nur die Ölheizung gegen eine Hausübergabestation von uns ausgetauscht." Wichtig: Das Netz liefert nur Wärme, keinen Strom.
Elf Millionen Euro - und viel Förderung
Rund 11 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt - "das ist schon eine Hausnummer", gibt Riehl offen zu. Über 61 Prozent davon werden durch EFRE-Mittel der EU und Landesmittel Hessens gefördert. Ohne diese Förderung, so Riehl, "hätten wir das Projekt so nicht umsetzen können." Auf die Frage, ob ihn der Blick auf die Baustelle mit Stolz erfülle, antwortet er bodenständig: "Stolz kann man schon ein bisschen sein, glaube ich, aber es muss einfach funktionieren nachher. Das ist das A und O."