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> Einzigartig in Hessen: Wie die Lahn Wärme für Gießen liefert
02.07.2026, 15:01 Uhr
Projekt einzigartig in Hessen -
Die Lahn versorgt Gießen jetzt mit Wärme
© HIT RADIO FFH
Das neue Flusswärme-Kraftwerk in Gießen.
Tausende Haushalte in Gießen werden in Zukunft mit klimaneutraler Wärme aus der Lahn versorgt. Heute ist "PowerLahn" ans Netz gegangen, ein hessenweit einzigartiges Flusswärme-Kraftwerk.
Für Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) ist das ein Meilenstein und ein wichtiger Schritt in Richtung klimafreundlicher Energie- und Wärmeversorgung.
Kraftwerk in Rekordzeit fertiggestellt
Besonders bemerkenswert: Das Projekt wurde in Rekordzeit fertiggestellt: Nur eineinhalb Jahre hat es gedauert vom Baubeginn bis zur Fertigstellung - und das trotz aufwendiger Genehmigungen. “Das zeigt, was in diesem Land möglich ist, wenn man nicht die Probleme sucht, sondern die Lösungen miteinander angeht”, lobt der Wirtschaftsminister.
"Genau so muss das in Zukunft gehen"
Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) am FFH-Mikro
Automatisch erstellte Abschrift des Audios:
Genau so muss das in Zukunft gehen, weil die Menschen nicht jahrzehntelang warten können, bis die Modernisierung unseres Landes klappt, sondern wir brauchen im Grunde vorgestern diese Investitionen in die Zukunft. Und deswegen ist nicht nur die Technologie hier zukunftsfähig in Gießen, sondern vor allem auch die Art und Weise der Umsetzung.
Wärme für knapp 4.000 Wohnungen
Die Stadtwerke haben in die neue Anlage in Gießen nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Euro investiert. Von Kostensteigerungen sind sie dabei während des Baus verschont geblieben. Alles blieb im Plan. So kann “PowerLahn” jetzt Wärme für rund 3.900 Haushalte in der Stadt liefern - alles CO₂-neutral.
Anlage entzieht dem Wasser die Wärme
Das Herzstück: drei riesige Wärmepumpen, die dem Wasser der Lahn die Energie entziehen. Angetrieben werden sie dabei komplett mit Ökostrom. Zwei Blockheizkraftwerke und eine riesige elektrische Direktheizung, die im Winter die Wärmeversorgung ergänzen, komplettieren das Projekt. Sie ersetzen zwei alte Gasturbinen, die dort noch bis vor wenigen Monaten im Einsatz waren.
Geschäftsführer Heiko Schmitt erklärt, wie das Kraftwerk "PowerLahn" in Gießen
"Wir haben mit der Lahn hier eine sehr gute Wärmequelle", sagt Schmitt im Gespräch mit FFH-Reporter Lennart Wehrum.
Automatisch erstellte Abschrift des Audios:
Es wirkt ja ein bisschen verrückt eigentlich zu sagen, wir haben einen Fluss und nehmen die Wärme da raus und heizen damit. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen und wie ist das Ganze entstanden? Wir haben hier mit der Lahn mitten in der Innenstadt eigentlich eine sehr gute Wärmequelle und auch hier, das war ein Vorteil für uns als Stadtwerke, eine gute Anbindung an Stromnetze bzw. an die Wärmenetze, um so auch die Energie nutzen zu können. Nun wird man ja sagen, wenn man die Lahn kennt, das ist jetzt nicht ein besonders warmer Fluss, also das zum Heizen zu verwenden, reicht das überhaupt? Wie funktioniert das? Ja, es reicht durchaus. Also wir hatten Langzeit-Temperaturreihen für die Planung zugrunde gelegt und wir haben eine gesicherte Laufzeit für die Anlage von April bis Oktober, wo die Lahn ein entsprechendes Temperaturniveau von größer 7 Grad hat, um auch die Anlage sicher zu betreiben. Und in den Sommermonaten durchaus Temperaturen jenseits der 20 und auch 25 Grad. Also Wärmepotenzial ist durchaus gegeben. Was passiert dann genau hier in der Anlage? Das Lahnwasser gelangt durch eine Röhre ins Gebäude, dort ist ein größeres Entnahmebecken. Das Lahnwasser wird im Vorfeld gefiltert, Schwebepartikel werden rausgenommen, Störstoffe werden rausgenommen und werden dann mit drei Tauchpumpen, wird das Wasser auf die Wärmepumpen gefördert. Und dort findet dann die Wärmeübertragung statt. Mit unserem Kältemittel, was wir hier im Einsatz haben und so findet dann die Wärmeauskopplung statt. Und diese Wärme kann dann direkt hier in Gießen genutzt werden? Genau, die wird ins Fernwärmenetz eingespeist. Wir haben hier einen sehr guten Knotenpunkt, können in vier Richtungen die Wärme verteilen und somit in den Sommermonaten eigentlich auch die ganze Innenstadt mit erreichen. Welche Auswirkungen hat das denn dann auf die Lahn am Ende, wenn da die Wärme jetzt entnommen wird? Wir kühlen das Wasser so um drei bis fünf Kelvin aus. Das ist gut für das Ökosystem. Kaltes Wasser bindet mehr Nährstoffe, bindet mehr Sauerstoff. Das heißt für die Flora, Fauna ist das ein positiver Nebeneffekt.
© HIT RADIO FFH
Geschäftsführer Heiko Schmitt (links) mit Hessens Wirtschaftsminister Mansoori.
Versorgung für Jahrzehnte gesichert
Damit sichert das neue Kraftwerk eine besonders umweltfreundliche Wärmeversorgung. Denn die Wärme des Flusswassers ist jederzeit und kostenlos verfügbar. “Die Lahn prägt unsere Stadt. Heute bekommt sie eine neue Aufgabe”, freut sich Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher über das Vorzeigeprojekt. “Das ist ein echtes Zukunftsprojekt und gibt uns für Jahrzehnte Versorgungssicherheit”, so der Rathauschef.
Auch die Lahn profitiert
Doch nicht nur für die Stadt, auch für die Lahn selbst bringt die Anlage Vorteile: Denn weil das Wasser um einige Grad abgekühlt wurde, kann es zurück in der Lahn mehr Nährstoffe und Sauerstoff binden, erklärt Geschäftsführer Heiko Schmitt am FFH-Mikro. Gut für das gesamte Ökoystem am Gewässer, das unter dem Klimawandel besonders leidet.
Vorbild für andere Kommunen in Hessen
Der Klimawandel und immer weiter steigende Kosten stellen Kommunen in Hessen in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen. Deshalb ist das “PowerLahn”-Flusskraftwerk in Gießen Vorbild für viele andere Städte und Gemeinden. Die Planungen für weitere Flusskraftwerke in Hessen laufen bereits.