Die Gießen 46ers starten in ihre fünfte Saison in der ProA, der zweiten deutschen Basketball-Liga - gleich hinter der Bundesliga. Am Freitag, 25. September, eröffnen die Mittelhessen ab 20 Uhr in der Osthalle die komplette neue Spielzeit, wenn sie auf die Artland Dragons treffen.
Beide Teams des Auftakt-Matches gehörten letzte Saison zu den besten acht der Liga - ein echtes Duell zweier Top-Mannschaften zum Ligastart. Bei der Pressekonferenz vor dem Saisonstart wurde klar: Der Aufstieg bleibt das erklärte Ziel. Geschäftsführer Guido Heerstraß zu HIT RADIO FFH: "Das Saisonziel ist wieder, dass wir eigentlich um den Aufstieg zumindest mitspielen. Wir wollen ja in die Bundesliga aufsteigen und das hat sich auch nicht geändert."
Zweimal ganz knapp gescheitert
Die letzten beiden Spielzeiten waren für die Gießener Fans zum Verzweifeln: 2025 erreichten die 46ers das Playoff-Halbfinale, unterlagen dort jedoch Science City Jena. Im vierten und entscheidenden Spiel verloren die Hessen zuhause mit 95:97 - ein einziger Wurf hätte gereicht, um weiterzukommen. Und 2026 war erneut im Halbfinale Schluss - gegen die Kirchheim Knights, die die Serie klar mit 3:1 gewannen. Trainer Ignjatovic ordnet rückblickend am FFH-Mikrofon ein: “Es hat uns Frische gefehlt, es haben uns psychologische Momente gefehlt. Fazit war, dass uns am Ende ein bisschen die Athletik in der Mannschaft gefehlt hat.”
Geschäftsführer Heerstraß im FFH-Interview: "Vorfreude auf neue Saison ist riesengroß!"
Im Gespräch mit FFH-Reporter David Bücker stellt 46ers-Geschäftsführer Guido Heerstraß seine Saisonziele klar.
Das Saisonziel ist wieder, dass wir um den Aufstieg zumindest mitspielen. Wir wollen ja in die Bundesliga aufsteigen und das hat sich auch nicht geändert. Das haben wir letztes Jahr schon gehabt und dieses Jahr ist es auch wieder unser Saisonziel. Am Freitag kommen die Artland Dragons nach Gießen. Das ist ja nicht nur der Auftakt für die 46ers, sondern auch der Auftakt für die komplette Liga. Wie groß ist die persönliche Vorfreude? Die Vorfreude auf die neue Saison ist riesengroß. Wir haben ein gutes Team zusammen. Wir sind, glaube ich, das erste Mal in der Situation, dass wir auch den Ligastart eröffnen. Da freuen wir uns auch drauf. Verschiedene Ligavertreter werden anwesend sein. Und wir werden natürlich auch eine Gedenkminute an Ernie Butler haben, der ja vor letzter Woche verstorben ist. Genau, also eine ganze Bandbreite an Emotionen, die ihr da am Freitag in der Halle auf die Zuschauer wartet. Kommt denn da noch was an Veränderungen auf die Zuschauer zu? Mehr Zuschauerkapazität? Letztes Mal gab es ja die Probleme mit diesem Brandschutzvorhang. Wie ist da der aktuelle Stand? Gibt es eine Entwarnung? Ja, zunächst einmal hoffen wir natürlich auf einen regen Zuschauerzuspruch, auch weil aufgrund der angegebenen Dinge mit Ligastart und Gedenkminute für Ernie Butler, der ja ganz wesentlich dazu beigetragen hat, die erste deutsche Meisterschaft nach Gießen zu holen. Ja, der Rauchschutzvorhang ist wieder repariert. Wir haben also wieder volle Kapazität. Und insofern können wieder alle Plätze genutzt werden. Und wir hoffen, dass es auch in Anspruch genommen wird. Jetzt gibt es ja auch so ein paar Neuverpflichtungen, gerade auch aus US-amerikanischer Sicht, die ja schon so ein bisschen Aufstiegserfahrung mitbringen. Oder auch die Atmosphäre in Gießen schon auch aus der anderen Perspektive kennengelernt haben. Wie ist die Neu-Gesetz? Wie ist die neue Kadersituation? Ja, wir haben jetzt mit dem neuen Kader deutlich mehr Tempo im Spiel. Und wir haben einen ganz guten Mix gefunden aus meiner Sicht. Vor allen Dingen mit Chris Kater, der ja schon viermal aufgestiegen ist, also schon bewiesen hat, wie es geht. Und der auch dieses ehrgeizige Ziel hat, nochmal ein fünftes Mal aufzusteigen. Und er ist auch so ein bisschen der Zusammenhalt. Er weiß, wie es geht. Er spricht viel mit den Spielern. Das zusammen mit Robin Benzing, das ist schon ganz wichtig. Der kann auch die Spieler. Die Positionen bringen und zum Einsatz bringen, die dann auch Treffer für uns erzielen können.
Und jetzt wird's kurios: Der Spieler, der Gießen damals das Herz gebrochen hat, spielt ab sofort selbst für die 46ers! Zach Cooks war es, der 2025 im entscheidenden Spiel 30 Punkte machte und Gießen mit einem Last-Minute-Korb aus dem Rennen warf. Trainer Branislav “Frenki” Ignjatovic wollte ihn eigentlich schon damals holen: „Er entschied sich jedoch für Bonn. Nun bin ich sehr froh, dass wir endlich von seiner enormen Geschwindigkeit profitieren dürfen.“
Aufstiegs-Experte ist neu bei den Mittelhessen
Noch bekannter ist der zweite Neue: Chris Carter gilt in der Basketball-Szene fast schon als Glücksbringer für den Aufstieg - bereits mehrfach (Vechta 2018, Chemnitz 2020, Rostock 2022 und zuletzt mit Jena 2025) gelang ihm der Aufstieg in die BBL. „Ich bin nach Gießen gekommen, um meinen fünften Aufstieg zu feiern“, kündigt der New Yorker an und verspricht den Fans: „Ich wollte unbedingt, dass diese Anhänger irgendwann einmal mit zujubeln und nicht mich auspfeifen.“ Heerstraß im FFH-Gespräch über den Neuzugang: “Chris Carter hat schon viermal bewiesen, wie es geht. Er ist auch ein bisschen der Zusammenhalt - er spricht viel mit den Spielern.”
Der Rest des neuen US-Quartetts
Komplettiert wird das Quartett von Nigel Scantlebury, zuletzt bester Aufbauspieler der slowenischen Liga, und Nachwuchsspieler Alex Williams, der laut Trainer vor allem aus der Distanz brandgefährlich trifft. Sieben Spieler haben den Klub dafür verlassen - darunter auch der bisherige Topscorer Kyle Castlin. Zwei 17-Jährige aus der eigenen Jugendabteilung rücken dafür fest in den Profikader auf.
Trainer Ignjatovic im FFH-Interview: "Freitag gibt's keinen Basketball außer in Gießen."
Branislav "Frenki" Ignjatovic vor dem Saisonstart im Interview mit FFH-Reporter David Bücker über seine Vorhaben.
Erstmal gesund zu bleiben, mit meinen Jungs eine gute Saison zu spielen. Eine gute Saison bedeutet meistens mehr Siege als Niederlage. Mehr Siege als Niederlage bedeutet gleichzeitig eine gute Platzierung und oben mit mischen. Und am Ende, wenn du in die Playoffs stehst, dann ist eh alles offen und die Chance für den Aufstieg ist immer da. Nun, es wird in Gießen traditionell ja viel über den Aufstieg gesprochen. Wie ist die Perspektive auf den Aufstieg in der kommenden Spielzeit? Alles andere wäre falsch und dann hätten wir etwas ganz, ganz Großes falsch gemacht. Also ich glaube nicht, dass der eine Trainer auch in Zukunft darüber reden soll. Hauptsache die Klasse halten in der Zweitliga. Man muss oben mit mischen, man soll. Da verpflichtet uns die Geschichte und die Fans Tradition. Und ich bin froh, dass wir die wirklich vier Jahre und mir als Trainer tatsächlich immer oben mitgemischt haben und Chance auf den Aufstieg gehabt haben. Und da wird sich auch, glaube ich, in der absehbaren Zukunft nicht ändern. Die Standards, die die Liga stellt, die Basketball, Sport sich entwickelt, die sind am Ende sogar zweitrangig, weil du versuchst mit dem, was du hast, Maximum zu erreichen. Und ich glaube, wir sind die vier Jahre sehr, sehr nah an diese Maximum gekommen. Am Freitag steht erstmal das Eröffnungsspiel an, nicht nur für die 46ers, sondern ja auch für die gesamte Liga. Wie blickt man auf den Abend gegen die Adler Dragons? Also wir sind sehr gezwungen. Wir haben geerbt, dass die Liga uns ausgesucht hat als Spiel, das praktisch die Saison öffnet. Das erste Heimspiel mit mir als Trainer in Gießen zu Hause. Wir haben jedes Jahr auswärts gestartet, unangenehme Gegner. Aber ich glaube, egal gegen wen wir spielen sollten, der erste Spieltag ist immer speziell für alle Trainer und Spieler der Welt. Man spürt Nervosität, man muss das schnell abhaken, man muss versuchen, die beste Leistung zu bekommen. Man muss versuchen, abzurufen und am Ende zu gewinnen. Ich freue mich, wenn die Zuschauer zahlreich in die Halle kommen und genieße auch die Aufmerksamkeit von der ganzen Liga. Weil ich glaube, am Freitag gibt es keinen Basketballer außer in Gießen.
Ersten Härtetest gegen einen Bundesligisten verloren
Im DBB-Pokal bekam Gießen vor Liga-Saisonstart schon einmal die Grenzen aufgezeigt: Gegen die Niners Chemnitz aus der Bundesliga lag man zur Halbzeit sogar vorne, verlor am Ende aber knapp mit 70:77. Geschäftsführer Heerstraß nahm das Spiel trotzdem positiv wahr: “Wir haben da einen ganz tollen Kampf gezeigt, wobei der Coach zu Recht sagt, der Liga-Start ist dann eben doch nochmal was ganz Eigenes.”
Großes Ziel: Zurück in die Bundesliga
Die 46ers um Geschäftsführer Guido Heerstraß haben weiterhin die “Vision 2030” fest im Blick: Bis dahin soll Gießen wieder in der Bundesliga spielen - und dort sogar zu den zwölf besten Teams Deutschlands gehören. "Notwendig ist der Aufstieg auf keinen Fall, aber wir sind ein ambitionierter Standort und möchten gerne in die BBL", so Heerstraß. Ignjatovic sieht das ähnlich: "Alles andere wäre falsch und dann hätten wir etwas ganz, ganz Großes falsch gemacht. Man muss oben mitmischen, dazu verpflichten uns die Geschichte und die Fans."
Gute Nachricht für alle Fans
Wer am Freitag in die Osthalle will, kann jetzt wieder uneingeschränkt: Der zuletzt defekte Brandschutzvorhang ist repariert, die Halle steht wieder mit voller Kapazität zur Verfügung. Vor dem Spiel gibt's außerdem eine Gedenkminute für den vor Kurzem verstorbenen Ernie Butler, der maßgeblich zur ersten deutschen Meisterschaft der Gießener 1965 beigetragen hat.