Ferienwerkstatt in Gießen - Acht Jugendliche schreiben eigene Songs
Einmal im Leben den eigenen Song schreiben - für acht Jugendliche in Gießen wird dieser Traum gerade Wirklichkeit. Eine Woche lang tüfteln sie am Stadttheater an Texten, Reimen und Melodien für ihre ganz persönlichen Songs.
Im Rahmen der Ferienaktion "SongLab" treffen sich acht Jugendliche zwischen 14 und 22 Jahren jeden Tag der ersten Herbstferienwoche von 10 bis 13 Uhr am Stadttheater Gießen. Geleitet wird der Workshop von Musiktheaterpädagogin Franziska de Gilde. "Songlab ist sozusagen eine Werkstatt, in der Songs entstehen", beschreibt sie das Angebot, das sich an alle ab 14 Jahren richtet.
Wie geht das mit den Reimen?
Unterstützt wird sie von Levent Kelleli, der am Haus als Schauspieler engagiert ist und nebenberuflich als Rapper auftritt. Er half den Teilnehmenden vor allem bei einer Frage, die viele zunächst überforderte: Wie findet man überhaupt die richtigen Reime für einen eigenen Song?
Vom eigenen Thema zur Mindmap
Am ersten Tag stand für alle dieselbe Aufgabe an: ein Thema finden, das einem selbst wichtig ist. Herausgekommen sind ganz unterschiedliche Ansätze - von Freundschaft und Familie bis zu Konflikten mit den Eltern. Aus den gefundenen Begriffen entstand jeweils eine Mindmap als Grundlage für den eigenen Songtext.
Auch ungewöhnlichere Inspirationsquellen waren dabei: Ein Teilnehmer ließ sich von einem Manga zu seinem Song inspirieren, ein anderer von der Perspektive eines Films. Erst wenn der Text einigermaßen steht, kommen laut de Gilde die musikalischen Ideen dazu.
Vom Groove zur fertigen Melodie
Am Klavier und E-Piano probierten die Jugendlichen verschiedene Stilrichtungen aus - von Electronic Dance Music über klassischen Rock-Pop bis zu Hip-Hop-Grooves. Dabei orientierten sie sich auch an bestehenden Songs, um zu hören, welche Harmonien dort verwendet werden. Eine Akkordfolge erwies sich dabei als besonders beliebt: "Da findet man ganz viel in bestehenden Pop-Stücken", erklärt de Gilde.
Einen einheitlichen Weg zum fertigen Song gibt es dabei nicht. Während manche Teilnehmenden zuerst den Text und dann die Melodie entwickelten, setzten sich andere direkt ans Instrument, weil sie bestimmte Töne inspirierten - der Text entstand bei ihnen erst danach.
Jeder sein eigenes Werk
Anders als man vermuten könnte, arbeitet die Gruppe nicht gemeinsam an einem Stück. "Alle haben ja unterschiedliche Geschmäcker, unterschiedliche Ideen", so de Gilde. Das zeigte sich schon zu Beginn des Workshops, als die Jugendlichen ihre Lieblingssongs vorstellten - die Auswahl hätte unterschiedlicher kaum ausfallen können.
Ob am Ende doch noch ein gemeinsamer Song entsteht, ließ die Workshop-Leiterin offen. Aktuell feilt aber jeder und jede an einem eigenen, persönlichen Stück.
Bühne frei am Freitag
Am Freitag ist es dann so weit: Beim Werkstattkonzert präsentieren die Jugendlichen ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit. Wie weit die einzelnen Songs bis dahin gediehen sind, bleibt eine Überraschung. "Vielleicht hört man ein Intro. Vielleicht hört man einen Chorus. Vielleicht hört man einen ganzen Song. Vielleicht auch nur eine musikalische Idee", fasst de Gilde zusammen. Interessierte können sich das Abschlusskonzert im Stadttheater Gießen ansehen und miterleben, was aus einer Woche Songwriting-Werkstatt geworden ist.