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> Soldaten aus Schwarzenborn in Litauen - so geht es ihnen
07.05.2026, 05:18 Uhr
Aus Hessen zur NATO-Ostflanke -
Schwarzenborner Soldaten im FFH-Gespräch
© Bundeswehr
Soldaten aus Schwarzenborn sind derzeit in Litauen stationiert - sie sind Teil einer Abschreckungsmaßnahme an der NATO-Ostflanke.
Rund 400 Soldaten aus Schwarzenborn in Nordhessen sind derzeit an der NATO-Ostflanke in Litauen stationiert. Sie sind Teil einer Abschreckungsmaßnahme. Wie geht es ihnen vor Ort? Unsere FFH-Reporterin hat mit einigen gesprochen.
Erstmals stationiert die Bundeswehr dauerhaft eine Brigade in Litauen. Auch rund 400 Soldaten des Jägerbataillons 1 aus Schwarzenborn im Schwalm-Eder-Kreis sind derzeit vor Ort - und haben aktuell die Führung der sogenannten Multinational Battlegroup Lithuania übernommen, die Teil der neuen Brigade in Litauen ist. Die Soldatinnen und Soldaten der Battlegroup tragen für jeweils sechs Monate zur Abschreckung bei, bevor sie von einer neuen Rotation abgelöst werden, so die Bundeswehr.
Ortsschild von Schwarzenborn hängt in Litauen
An das rund 1.500 Kilometer entfernte Schwarzenborn erinnert vor Ort in Litauen aktuell ein aufgehängtes Ortsschild. “Das ist eine Tradition innerhalb der Bundeswehr, dass wir immer dann, wenn wir für eine längere Zeit ins Ausland verlegen, von unseren Garnisonsstädten ein Ortsschild überreicht bekommen”, erklärt Oberstleutnant Sebastian Hagen im FFH-Interview. Er ist Kommandeur der Multinational Battlegroup Lithuania in Rukla - und auch der Kommandeur des Schwarzenborner Jägerbataillons. Das Schild soll Verbundenheit mit der Garnisonsstadt zeigen und wird später wieder mitgenommen - “und dann hängt das meistens in den Traditionsräumen oder an den Fluren der Bataillone, um an diese Zeit hier im Ausland zu erinnern.”
Wie sieht der Alltag in Litauen aus?
Die meiste Zeit verbringen die Soldaten mit Übung und Ausbildung, so Oberstleutnant Sebastian Hagen. “Der große Vorteil, direkt hier vor Ort zu sein, ist - wir brauchen keine große Vorlauf-Zeit. Wir könnten im Extremfall sofort bereitstehen. Und in unseren Übungen und Ausbildungen, die wir hier vor Ort machen, können wir uns auch schon direkt mit dem Auftrag und dem Gelände vertraut machen, um das es dann im Ernstfall tatsächlich gehen würde.”
Oberstleutnant Hagen: "Wir hatten Durschnittstemperaturen erreicht von -30 Grad"
Oberstleutnant Sebastian Hagen erklärt, welche Herausforderungen es für die Soldaten in Litauen gibt.
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Ja, als wir im Februar hier unseren Auftrag begonnen hatten, sind wir in den Rest eines, seit Jahrzehnten muss man sagen, sehr harten Winters in Litauen gekommen. Also wir hatten hier Durchschnittstemperaturen erreicht von minus 30 Grad. Das ist natürlich für Material und Mensch nochmal eine andere Herausforderung, als das in Nordhessen im Kühlgebirge vielleicht manchmal der Fall ist. Tatsächlich haben Menschen Material aber bewiesen, dass das funktioniert. Es kommt zu ganz praktischen Herausforderungen. Sie müssen darauf achten, dass sie den sogenannten Winterdiesel, also den Treibstoff für diese Temperaturen haben. Wir haben den Soldaten tatsächlich auch ein Wintertraining hier zukommen lassen, also dass sich alle nochmal daran gewöhnt haben, wie geht man eigentlich damit um, wenn man da mal minus 30 Grad auch draußen schlafen muss, draußen kämpfen muss. Das waren Herausforderungen am Anfang, die die Truppe aber aus meiner Sicht sehr gut gemeistert hat. Und ansonsten gibt es hier weniger Herausforderungen als Möglichkeiten. Litauen ist ein Land, was die Sicherheitslage sehr, sehr ernst nimmt. Mit einer Grenze im Südwesten zum russischen Oblast Kaliningrad, im Osten zu Belarus. Das nimmt man hier alles nochmal ein bisschen ernsthafter wahr. Und tatsächlich investiert aber Litauen wahnsinnig viel in Verteidigung, aber auch in Übungsmöglichkeiten für internationale Kräfte. Das heißt, die Übungsplätze, die es hier gibt, die Übungsmöglichkeiten auch im scharfen Schuss zu üben. Das ist schon auf sehr, sehr hohem Niveau.
“Man kennt seinen Job”
Für Hauptgefreite Laila ist es das erste Mal, dass sie mit der Bundeswehr im Ausland ist. Wie geht sie damit um, Teil einer Abschreckungsmaßnahme zu sein? “Einerseits hat man das natürlich im Kopf, weil man ist immer noch als Soldat hier, man kennt seinen Job und man weiß auch, was der Auftrag ist, wenn man hier ist”, erklärt sie im FFH-Interview. Dadurch, dass die täglichen Abläufe aber denen in Deutschland sehr ähnlich seien, rücke das in den Hintergrund. “Man kommt damit vom Kopf her auf jeden Fall gut zurecht.” Schwieriger sei es ihrer Meinung nach, das gewohnte Umfeld zu verlassen.
Angehörige und Ahle Wurscht fehlen
Was vermissen die Soldaten aus Schwarzenborn in Litauen am meisten? Im FFH-Interview berichten sie von Freunden und Familie, die fehlen. Aber auch die Landschaft mit ein paar Bergen zu Hause fehle - und natürlich Ahle Wurscht.
Was vermissen die Nordhessen in Litauen?
Die Nordhessen erzählen, dass sie neben ihren Angehörigen die Natur rund um Schwarzenborn, Ahle Wurscht und Leichtigkeit vermissen.
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Ich würde sagen, dass wir doch ein paar kleinere Berge, würde ich es jetzt mal nennen, auch haben. Weil ich bin wirklich gerne auch draußen unterwegs und viel wandern, laufen, Sport machen. Gerne auch im Winter, wenn es passt, in Willingen oder Winterberg mal Skifahren. Also es gibt hier, mit gutem Gewissen könnte man vielleicht sagen, einen kleinen Hügel, auf dem man auch Skifahren kann. Aber ja, das ist dann doch nicht so wie zu Hause. Was es hier vor Ort in Küche leider nicht gibt, ist eine ordentliche Ahle Wurscht aus Hessen. Aber auch da ist der Versorgungsweg gewährleistet. Die Landschaft ist hier in Litauen schon, wie kann man es jetzt schön ausdrücken, anders. Ja, und ja, Waldeck-Frankenberg ist auf jeden Fall schöner. Von der Natur her, das vermisse ich schon immer, besonders jetzt im Frühling oder wenn der Sommer kommt. In Litauen ist es schon sehr flach, hier fehlen so ein paar Berge. Und natürlich auch meine Familie, meine Nichte, meine Neffen, meine Brüder, die zu Hause auf mich warten. Zum einen, dass man rausfährt und einfach Sachen unternehmen kann an Orten, die man vielleicht kennt. Oder einfach mal mit Freunden sich verabredet und rausfährt. Man hat natürlich in der Regel keinen Soldat, einfach ein Auto hier, wo man einstellen kann und einfach losfahren kann. Das vermisst man natürlich schon so ein bisschen. Die Leichtigkeit in seiner Freizeit, aber ansonsten hat man hier genug Angebote, wo man sich beschäftigen kann. Sei es Sport oder auch Städtetrips, die angeboten werden. Also man kriegt die Zeit auf jeden Fall gut rum, aber man vermisst schon die Leichtigkeit und die Spontanität, die man von zu Hause kennt auf seinem Umfeld.
© Bundeswehr
Bis zu -30 Grad hatte es in Litauen.
10 Prozent haben Angehörige dabei
In der Masse pendeln die Soldaten von Litauen zu ihren Familien nach Deutschland. Einige Soldaten haben aber auch das Angebot wahrgenommen, Angehörige mit nach Litauen zu bringen. “Etwa 50 Familien sind hier vor Ort”, erklärt Hauptmann Ramon im FFH-Gespräch. Etwa 10 Prozent des Personals, das derzeit vor Ort sei, sei in Begleitung von Angehörigen oder Familie.
Deutsche Community in Litauen
In Litauen selbst habe sich eine deutsche Community entwickelt, weil sich die Familien gegenseitig helfen und gemeinsam ihre Freizeit verbringen, so Hauptmann Ramon.
Hauptmann: "Es ist schon eine kleine Kampfgemeinschaft"
Hauptmann Ramon erzählt, wie sich in Litauen eine deutsche Community entwickelt hat.
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Man kann es so sagen, dass wir eine deutsche Community sind. Vilnius ist natürlich auch vom Stadtkern her gar nicht so groß. Dadurch wohnt man natürlich schon sehr nah beieinander. Die Anzahl der deutschen Soldaten steigt, die Anzahl der Familien steigt. Man weiß dann schon, ach, gegenüber oder zwei Straßen weiter wohnt Familie A, wohnt Familie B. Wir wohnen schon eng zusammen, kann man behaupten. Und es gibt ja auch regelmäßig Veranstaltungen, wo wir uns von der Brigade treffen, wo wir Ausflüge auch veranstalten mit den Familien. Und es ist schon eine kleine Kampfgemeinschaft, kann man so sagen, die deutsche Community. Aber natürlich auch, weil sich die Familien oder auch die Ehepartner gegenseitig helfen. Es gibt gewisse Gruppen, die sich regelmäßig treffen, wo es Austausch gibt, wo sich gegenseitig Hilfe angeboten wird oder auch Unterstützung. Wo Erfahrungen geteilt werden. Ja, genau.
Größter Unterschied: Digitalisierung
Hauptmann Ramon ist gemeinsam mit seiner Frau Isabell in Litauen, die in der Bundeswehr-Verwaltung für die Wohnungsfürsorge zuständig ist. Sie vermittelt Soldaten und ihren Angehörigen Wohnungen. Was sie an Litauen am meisten überrascht hat, ist das Thema Digitalisierung, erzählt sie im FFH-Interview. “Man braucht hier vor Ort eine große Anzahl an Apps, damit man am öffentlichen Leben, am öffentlichen Nahverkehr teilnehmen kann. Das würde ich sagen, ist tatsächlich der größte Unterschied, wie fortschrittlich und digital wir hier sind.” In Funklöchern sei sie bislang in Litauen auch noch nicht gelandet.
Litauer dankbar für den Einsatz
Was Isabell besonders auffällt: die große Dankbarkeit der Litauer. Das bestätigt auch Oberstleutnant Sebastian Hagen. “Nicht nur als deutscher Soldat, auch als internationaler Soldat können Sie quasi nicht in Uniform die Kaserne verlassen und irgendeine litauische Ortschaft oder Stadt betreten, ohne dass Menschen auf Sie zukommen und Ihnen dafür danken, dass Sie hier sind.” Das fast ausschließlich positive Feedback der Litauer stärke die Motivation enorm.
Isabell: Es ist ganz überwiegend positiv, wie wir hier aufgenommen werden"
Isabell erzählt, dass die Dankbarkeit der Litauer deutlich spürbar sei.
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Da vergeht, sag ich mal, keine Woche, wo nicht jemand freudestrahlend auf uns zukommt und sagt, thank you for your service oder welcome here. Und manchmal jetzt auch, wenn man mit den Dienstwagen durch die Stadt fährt, wissen jetzt die Leute schon, ah, okay, Y-Kennzeichen, das ist die Bundeswehr, da kommt es auch schon mal vor, dass einem zugewunken wird. Also es ist wirklich ganz, ganz überwiegend sehr positiv, wie wir hier aufgenommen werden.