Landratswahl im SEK - Vier Kandidaten, zwei große Themen
Am Sonntag wählt der Schwalm-Eder-Kreis einen neuen Landrat oder eine neue Landrätin. Vier Kandidaten wollen auf Winfried Becker folgen. Im Wahlkampf geht es vor allem ums Geld – und um die Krankenhäuser.
Landrat Winfried Becker (SPD) tritt bei der Wahl am 8. November nicht mehr an. Um seine Nachfolge bewerben sich Anna-Maria Bischof (CDU), Rosalie Bock (Freie Wähler), Luca Fritsch (SPD) und Sebastian Schackert (unabhängig). FDP, AfD, Die Linke und die FWG Schwalm-Eder haben keine eigenen Kandidaten aufgestellt.
29. November mögliche Stichwahl
Erreicht am Sonntag niemand die absolute Mehrheit, gibt es am 29. November eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten. Gewählt wird in 318 Wahlbezirken. Bei der letzten Landratswahl 2021 waren knapp 146.000 Menschen wahlberechtigt.
Die Kandidaten
Anna-Maria Bischof (CDU) ist Juristin, Kreisvorsitzende der CDU und ehemalige Generalsekretärin der hessischen CDU. Rosalie Bock (Freie Wähler) ist selbstständige Floristmeisterin aus Neukirchen (Knüll). Sie sitzt im Kreistag und im Magistrat ihrer Stadt. Luca Fritsch (SPD) ist Betriebswirt und Bürgermeister von Willingshausen. Sebastian Schackert ist Lehrer aus Homberg (Efze). Er ist Mitglied der Linken, tritt aber unabhängig von seiner Partei an.
Die leere Kreiskasse
Dem Schwalm-Eder-Kreis fehlen im aktuellen Haushalt 21 Millionen Euro. Bei einer Diskussionsrunde der HNA in Homberg betonten alle vier Kandidaten, dass der Spielraum zum Sparen klein ist. Einig sind sie sich in einer Forderung: Wer Aufgaben vorgibt, muss sie auch bezahlen – gemeint sind Bund und Land.
Thema Krankenhäuser und Geburtshilfe
Nach dem Aus der Geburtshilfe in Schwalmstadt schließen, ist das Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar die einzige Geburtsklinik im Kreis – dort macht die Geburtshilfe nach Angaben der HNA rund 900.000 Euro Defizit im Jahr. Das die Ärztliche Versorgung auf dem Land wichtig ist, sind sich alle einig. Jedoch gibt es unterschiedliche Ansätze.
Was unterscheidet die Kandidaten?
Bei den Kreisfinanzen liegen die vier Bewerber nah beieinander – die Unterschiede zeigen sich vor allem beim Profil und beim Thema Krankenhäuser. Fritsch setzt auf seine Erfahrung als Bürgermeister und will den Kreis als Partner der Städte und Gemeinden aufstellen; die Lösung für die Kliniken sieht er vor allem beim Land.
Bischof will als Landrätin in Wiesbaden und Berlin für die Interessen des Kreises kämpfen und setzt bei der Geburtshilfe auf ein Fördermodell des Landes – einen Blankoscheck aus der Kreiskasse schließt sie aus. Schwerpunkte liegen zudem auf zusätzlichem Rettungsdienst und Katastrophenschutz.
Bock tritt als Unternehmerin mit dem Versprechen an, die Kreisverwaltung schneller, digitaler und bürgernäher zu machen.
Den größten Unterschied markiert Schackert: Er will, dass der Kreis bei der Gesundheitsversorgung selbst wieder mehr Verantwortung übernimmt – bis hin zu einem möglichen Einstieg bei den Kliniken. Fritsch und Bischof kommen außerdem beide aus der SPD-CDU-Koalition, die den Kreis derzeit regiert; Bock und Schackert treten von außerhalb dieses Bündnisses an.