Gieß-Roboter in Fulda unterwegs - "Gießbert" wässert Gräber am Frauenberg
Nachts, wenn der Frauenberg-Friedhof in Fulda längst geschlossen ist, beginnt die Arbeit von Gießbert. Der Gieß-Roboter unterstützt Landschafts- und Grabpfleger Lukas Kümmel und sein Team bei der Pflege von fast 400 Gräbern.
Lautlos rollt der Roboter an den Gräbern vorbei und bewässert sie - vollkommen autonom. Was klingt wie Science-Fiction, ist in Fulda bereits Realität. Lukas Kümmel hat den Gieß-Roboter auf einer Messe gesehen und sich dafür entschieden, ihn bei seiner Arbeit einzusetzen. “In heißen Sommern kommen wir mit unserer Arbeit einfach nicht hinterher. Wir sind dann fast nur noch mit Gießen beschäftigt - dann müssen wir sogar sonntags arbeiten, damit die Pflanzen nicht kaputt gehen. Und da ist Gießbert eine enorme Hilfe”, sagt Kümmel im FFH-Interview.
Gießbert ist vor allem nachts unterwegs
Gießbert ist vor allem nachts unterwegs. Erstens stört er dann niemanden - es gibt aber noch mehr gute Gründe dafür. „Wir kommen aus der Tageshitze raus, wir haben keine Verdunstung mehr, und das Wasser hat mindestens 8 bis 10 Stunden Zeit, im Boden angenommen zu werden", erklärt Kümmel. Gegenüber dem händischen Gießen am Tag lässt sich so die Wassermenge um rund 50 Prozent reduzieren - bei gleichem oder besserem Ergebnis für die Pflanzen.
Gießbert tankt völlig selbständig Wasser
Der Gieß-Roboter fasst je nach Geländesteigung zwischen 215 und 240 Liter Wasser. Fest installierte Tankstationen auf dem Gelände fährt er eigenständig an - und kommuniziert dabei sogar seinen genauen Füllstand. Er tankt nicht einfach „leer oder voll", sondern regelt selbst, ob er von 80 auf 100 Prozent oder von 50 auf 100 Prozent auflädt.
20 bis 25 Arbeitsstunden werden pro Woche eingespart
Die Routen und Gießpunkte werden von den Mitarbeitenden per Fernbedienung eingemessen und eingepflegt. Rund 400 Pflegegräber auf dem Frauenbergfriedhof sollen so künftig versorgt werden - und damit etwa 20 bis 25 Arbeitsstunden pro Woche eingespart werden, die bisher für das händische Gießen aufgewendet wurden. Gießbert ist außerdem so programmiert, dass er genau weiß, wie viele Liter Wasser auf welches Grab müssen - je nach Bepflanzung und Größe.
Erster Gieß-Roboter seiner Art in Hessen
Der Weg zum Einsatz des Roboters war lang. Über ein Jahr dauerte es, bis Kümmel gemeinsam mit dem Grünflächenamt der Stadt Fulda die notwendige Rahmenvereinbarung abschließen konnte - als erster und bislang einziger Betrieb in ganz Hessen. Den entscheidenden Anstoß gaben die eigenen Mitarbeitenden: „Wir brauchen Unterstützung und wir finden einfach niemanden, der uns zuverlässig hilft", so Kümmel.
Kein Jobkiller - im Gegenteil
Die Sorge, der Roboter könnte Arbeitsplätze gefährden, weist Kümmel klar zurück. Grüne Berufe seien stark wetterabhängig, kaum planbar und im Sommer mit enormen Überstunden verbunden. „Ich habe selbst drei kleine Kinder und unsere Mitarbeitenden haben auch Kinder. Überstunden führen irgendwann dazu, dass man den Beruf wechselt." Gießbert soll genau das verhindern - und gleichzeitig zeigen, dass moderne Landschaftspflege weit mehr ist als Gummistiefel und Gießkanne. Kümmel hofft, damit auch mehr Nachwuchs für die grünen Berufe zu gewinnen.
Blick in die Zukunft
Kümmel denkt längst über den Friedhof hinaus. Stadtbäume in der Bahnhofstraße in Fulda, Staudenbeete, Rabatten - überall dort, wo Wasser knapper und wertvoller wird, könnte der Gieß-Roboter künftig helfen. „Wasser wird immer kostbarer. Es ist wichtig, wann wir es einsetzen und in welcher Menge", sagt er.