Wegen neuem Bundesgesetz - Kliniken warnen vor Krankenhaussterben
Die Krankenhaus-Chefs in Osthessen schlagen Alarm: Ein neues Bundesgesetz gefährdet laut den Verantwortlichen die medizinische Versorgung in der gesamten Region. Wegen drastischer Sparpläne drohe ein ungesteuertes Kliniksterben.
Für diesen Appell haben sich die Spitzen des Klinikums Fulda, des Klinikverbundes Hersfeld-Rotenburg, der Vinzenz Gruppe Fulda und des Krankenhauses Eichhof in Lauterbach zusammengetan. Ein solcher Schulterschluss sei in der Region bislang einmalig. Grund für die massive Sorge ist das geplante Spargesetz der Bundesregierung, das sogenannte “GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz”.
Hälfte der Kliniken vor dem Aus
Schon jetzt stecken den Angaben zufolge 91 Prozent der deutschen Krankenhäuser in schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mit den neuen Sparmaßnahmen werde die Zahl der insolvenzgefährdeten Häuser im nächsten Jahr auf 30 Prozent steigen, heißt es von der Vinzenz Gruppe Fulda. Bis zum Jahr 2030 könnte es demnach sogar die Hälfte aller Kliniken treffen.
Fehlende Millionen und viel Bürokratie
Die Gründe für die Misere sind vielfältig: Tariflohnsteigerungen und die Inflation werden laut den Klinik-Chefs nicht mehr voll refinanziert, zudem fehle es bundesweit an Milliarden für Investitionen. Gleichzeitig ersticke man in bürokratischen Vorgaben. So müsse man teure Geräte und Strukturen per Gesetz komplett doppelt vorhalten, wenn zwei Häuser desselben Trägers mehr als zwei Kilometer auseinanderliegen. Synergien zu nutzen, werde aktiv untersagt.
Patienten strömen in die Notaufnahme
Das Gesetz sieht offenbar auch bei niedergelassenen Ärzten Einsparungen vor, was die Krankenhäuser direkt zu spüren bekommen. Wenn Patienten keinen Termin beim Facharzt erhalten, weichen sie oft auf die ohnehin defizitären Notaufnahmen aus. Am Klinikum Fulda rechnet man in diesem Jahr mit rund 65.000 Notfallkontakten – fast eine Verdopplung im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie.
Forderung nach echtem Neustart
Um eine akute Unterversorgung in der Region abzuwenden, fordern die osthessischen Krankenhäuser eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzes. Der verlässliche Ausgleich von Kostensteigerungen und der Abbau von bürokratischen Blockaden müssten höchste Priorität haben. Man sei absolut bereit für Reformen, brauche dafür aber die finanzielle Luft zum Atmen, betonen die Verantwortlichen unisono. Die Krankenhäuser haben sich der Kampagne der Hessischen Krankenhausgesellschaft, #HESSENVERSORGTNOCH, angeschlossen.