Drei-Prozent-Liga - Mehr Männer in hessischen Kitas
Der Männeranteil unter den Erzieherinnen und Erziehern in hessischen Kindertagesstätten hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt: auf knapp acht Prozent. Erzieher Marco Reith aus Fulda erklärt, was hinter dem Wandel steckt - und warum der Job mehr Männer verdient.
Von drei auf acht Prozent: Was steckt dahinter?
Der Anstieg ist kein Zufall. Marco Reith, Erzieher in der Kita Fantasia in Fulda-Harmerz, sieht vor allem die Einführung der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) als Hauptgrund: „Das ist keine rein schulische Erzieherausbildung mehr, sondern sie ist dual und mit der Praxis stark verknüpft." Gerade für Quereinsteiger sei das attraktiv - weil die Ausbildung vergütet wird und für viele Männer damit überhaupt erst finanziell machbar ist.
Gewandeltes Rollenbild als Türöffner
Neben der neuen Ausbildungsform spielt auch ein gesellschaftlicher Wandel eine Rolle. „Das gesellschaftliche Bild von Männlichkeit und Vaterschaft hat sich stark verändert", sagt Reith. Für viele Männer sei es heute selbstverständlicher geworden, auch im Elementarbereich zu arbeiten und sich dort zu verwirklichen.
Männliche Vorbilder - warum sie wichtig sind
Dass Männer in Kitas arbeiten, ist aus Reiths Sicht nicht nur schön, sondern notwendig: „Aus psychologischer, pädagogischer und gesellschaftlicher Sicht ist es äußerst sinnvoll." Kinder erleben so, dass Frauen und Männer gleichberechtigte Fürsorge- und Bezugspersonen sein können - und entwickeln ein offenes, vorurteilsfreies Bild von Geschlechterrollen. Besonders für Jungen in bestimmten Entwicklungsphasen sei der Kontakt zu männlichen Bezugspersonen wichtig. Und: Viele Kinder wachsen heute in Einelternfamilien auf oder sehen ihre Väter kaum. „Gerade da sind männliche Erzieher eine verlässliche männliche Identifikationsfigur im Alltag", so Reith.
Ein Job, der kein Tag wie der andere ist
Wer glaubt, Erzieher sei ein eintöniger Beruf, irrt. „Man sitzt nicht acht Stunden am Schreibtisch", sagt Marco Reith. Im Kita-Alltag sei man gleichzeitig Entdecker, Mutmacher, Konfliktlöser, Künstler, Sportler und Forscher. Ob Hochbeete bauen, physikalische Experimente, Fußball oder Musik - eigene Hobbys und Stärken lassen sich direkt in den Berufsalltag einbringen. „Das ist in kaum einem anderen Berufsfeld möglich." Hinzu komme das Bewusstsein, etwas Bleibendes zu schaffen: „Man prägt die wichtigsten Lebensphasen von Kindern. Man legt ein Fundament für Sozialverhalten, Selbstbewusstsein und Bildung."
Aufstieg möglich
Auch Karrieremöglichkeiten biete der Beruf: Vom Erzieher zur stellvertretenden Leitung bis zur Kita-Leitung ist ein schneller Aufstieg möglich. Wer neugierig geworden ist, kann sich direkt an die Drei-Prozent-Liga wenden.