Neues System in Main-Kinzig - Unwetter-Schäden digital melden
Wenn bei Starkregen der Keller vollläuft oder ein Baum auf dem Radweg liegt, soll künftig nicht mehr zwangsläufig die 112 klingeln müssen. Der Main-Kinzig-Kreis hat dafür das neue digitale Meldesystem “KeinNotfall” gestartet.
Bei schweren Unwettern laufen in der Integrierten Leitstelle in Gelnhausen normalerweise in kürzester Zeit enorm viele Notrufe auf. Michael Tumbrägel, stellvertretender Sachgebietsleiter der Leitstelle, beschreibt die Größenordnung bei einem typischen Unwetterereignis am FFH-Mikro: „In dem Fall von einem großen Unwetter gehen so circa 200 Anrufe pro Stunde ein." Diese Anrufe müssen alle persönlich entgegengenommen werden - von den Kolleginnen und Kollegen an den zwölf verfügbaren Plätzen der Leitstelle.
Neues Tool soll Leitungen freihalten
Genau hier setzt das neue Angebot „KeinNotfall" an. Tumbrägel erklärt: „Das Tool KeinNotfall hilft uns dann dabei, das etwas zu entlasten." Zwar gebe es bei digital eingehenden Meldungen zunächst keine Möglichkeit für Rückfragen, doch das mitgeschickte Bildmaterial helfe der Leitstelle dabei, die Lage einzuschätzen: Sei auf dem Foto etwas zu sehen, was doch als Notfall eingestuft werden müsse, könne man die meldende Person über die hinterlegte Telefonnummer zurückrufen und die Priorität entsprechend anpassen.
So funktioniert die Meldung
Ausbildungsleiter Manuel Hack, der die Einführung und Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgestaltet hat, betont die einfache Bedienung des Systems. Bürgerinnen und Bürger erhalten bei einer Freischaltung einen Link über die Warn-Apps, über den eine Meldung abgegeben werden kann. „Das Ganze ist sehr intuitiv", so Hack im FFH-Interview. Nutzerinnen und Nutzer werden durch das Menü geführt und können der Leitstelle direkt Bildmaterial mitschicken, was die Einsatz-Priorisierung erleichtert.
Baum auf Radweg kann über “Kein Notfall” gemeldet werden
Als Beispiel für eine typische „KeinNotfall"-Meldung nennt Hack einen umgestürzten Baum auf einem Radweg: „Das ist jetzt keine hohe Priorität. Das reicht auch noch, wenn wir da jetzt dann kommen, wenn wir die wirklich kritischen Einsatzstellen abgearbeitet haben." Für echte Notfälle wie bewusstlose Personen oder Brände bleibt die 112 der richtige Weg - Hack rät im Zweifel immer zum Griff zum Telefon.
Freischaltung nur in Ausnahmesituationen
Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amts für Gesundheit und Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises, erläutert, wann das System überhaupt aktiv geschaltet wird. Grundsätzlich gehe es darum, echte Notfälle schneller behandeln zu können: „Deswegen finden wir das so gut, dass wir in diesen Ausnahmesituationen das zusätzliche System dann noch mit freischalten können."
System entlastet Leitstelle
Immer dann, wenn eine Ausnahmesituation wie ein Unwetter vorliege - das idealerweise bereits im Vorfeld über eine Warn-App angekündigt wurde - verschickt die Leitstelle über dieselbe Warn-App einen Link zu „KeinNotfall". Wer möchte, kann dann eine geringfügigere Schadensmeldung digital abgeben. „Und damit kann dann jeder, der so eine geringfügigere Notfallmeldung abgeben möchte, sich dann in unser System freischalten und damit die Notrufbearbeitung für die kritischen Fälle freihalten und uns alle entlasten", so Lenz.
Woher die Software kommt
„KeinNotfall" wurde ursprünglich im Raum Oldenburg entwickelt und kommt bereits verbreitet in Niedersachsen sowie in der Stadt Essen zum Einsatz. Der Main-Kinzig-Kreis ist nach Angaben der Pressemitteilung die erste Gebietskörperschaft in Hessen, die die Software nutzt. Entwickelt wurde sie von der Firma BTC aus Oldenburg, mit der der Kreis nun zusammenarbeitet.
112 bleibt natürlich der zentrale Weg
Wichtig für alle Bürgerinnen und Bürger: Der Notruf 112 bleibt der zentrale Weg für akute Notfälle wie medizinische Notlagen, Unfälle oder Brände. „KeinNotfall" wird nur anlassbezogen bei größeren Unwetterlagen über die bekannten Warn-Apps freigeschaltet und ist als zusätzlicher Meldeweg für kleinere, nicht lebensbedrohliche Schäden gedacht. Wer unsicher ist, ob eine Situation ein echter Notfall ist, sollte im Zweifel immer die 112 wählen.