Kurz nach der Wiedereröffnung - Pächterin der Kissinger Hütte springt ab
Erst groß gefeiert, dann gleich wieder zu, und jetzt hört auch die Pächterin auf. Beverly Borg hat auf Facebook angekündigt, dass sie und ihre Familie die Kissinger Hütte verlassen. „Wir sind als Pächter raus“, schreibt sie. Erst am 22. Oktober, also vor wenigen Tagen, wurde auf der Hütte mit mehreren hundert Menschen die Wiedereröffnung gefeiert. Gleich danach wurde die Hütte wieder geschlossen, weil noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen waren.
Der Rhönklub habe vor allem den Einweihungstermin am 22.10.2026 gehalten, nicht aber einen Termin, ab dem wieder Gäste bewirtet werden können, schreibt Borg. Küche, Fassade, Terrasse, Zimmer und Lüftung seien noch nicht fertig. „Eigentlich ist da oben noch Baustelle“. Selbst am Tag ihres Posts vom 27.10. seien morgens vier Gewerke vor Ort gewesen.
6.545 Euro Pacht, über 60.000 Euro investiert
Bei einer Pacht von 6.545 Euro brutto könne man es nicht „erst mal anlaufen lassen“. Die Pächter müssen die komplette Ausstattung stellen. Allein die Kaffeemaschine habe 17.000 Euro gekostet, die Kasse 15.000 Euro. Insgesamt seien bereits weit über 60.000 Euro ausgegeben worden.
„Ein Hotel statt einer Hütte“
Das Gebäude sei schön, aber unpraktisch. Aus der alten Hütte sei ein „Hotel“ geworden. Für Kronleuchter, teure Lampen und einen Bildschirm sei Geld da gewesen, die Behinderten-WCs seien dagegen nur nach Mindestvorschrift gebaut. Wünsche der Pächter, etwa nach einem Getränkeautomaten, seien abgelehnt worden: „Wir sind keine Autobahnraststätte.“ Dann schreibt Borg: “Beim heutigen Termin wurde uns dann mitgeteilt das nichts verändert wird, dafür haben wir jetzt gewartet?” Offensichtlich hat das das Fass für die junge Frau zum Überlaufen gebracht. Sie hoffe in den nächsten Tagen auf den Aufhebungsvertrag.
Rhönklub: „Für die nächsten 100 Jahre gebaut“
Der Rhönklub Bad Kissingen bestätigt den Rückzug. Borg habe am 27. Oktober mitgeteilt, dass sie nicht mehr als Pächterin zur Verfügung stehe. „Der Rhönklub akzeptiert diese Entscheidung“, heißt es in der Stellungnahme der Vorstandschaft. Auf die Vorwürfe geht der Verein inhaltlich nicht ein. Architekten, Fachplaner und der Klub hätten die Darstellung in den sozialen Medien „mit Unverständnis“ zur Kenntnis genommen. Man werde sich dazu aber nicht äußern. Zur Einweihung und zum 150-jährigen Vereinsjubiläum habe es dagegen „durchweg positive Resonanz“ gegeben.
Tag der Offenen Tür im Dezember
Wie es weitergeht, steht schon fest. An einem Sonntag im Dezember soll es einen Tag der offenen Tür mit Bewirtung geben, mit „Maxi-Event“. Dann soll die Hütte „in ihrer vollen Funktionalität“ gezeigt werden. Der Klub betont: „Die Kissinger Hütte wurde für die nächsten 100 Jahre gebaut, nicht für die Vergangenheit.“ Neue Pächter werden gesucht. Bewerbungen nimmt der Rhönklub unter vorstand@rhoenklub-badkissingen.de entgegen.