Er trainiert zwei Fußball-Klubs - Morgens Leipzig, abends in Seligenstadt
“Ich glaube, man kann sagen, dass ich ein bisschen verrückt bin.” Nico Wegmann ist 30 Jahre alt und arbeitet bei zwei Fußball-Vereinen. Er ist Trainer der Sportfreunde Seligenstadt und Co-Trainer bei Lok Leipzig. Fast täglich pendelt er zwischen beiden Städten hin und her - rund 400 Kilometer.
Wie eine Woche bei ihm abläuft, hat Wegmann im Gespräch mit unserem Reporter schnell zusammengefasst: “Es gibt eigentlich nur Fußball und Zugfahren.” Ein gewöhnlicher Arbeitstag sieht dann so aus: Der 30-Jährige setzt sich frühmorgens in Seligenstadt in die Bahn, fährt nach Leipzig, trainiert mit Lok. Anschließend geht's auf demselben Weg wieder zurück - und abends steht er schon wieder mit den Sportfreunden auf dem Fußballplatz.
Videoanalyse in der Bahn
“Auf dem Hinweg mache ich dann schon noch mal die Augen zu”, erzählt Wegmann. Sehr viel mehr Zeit zum Ausruhen bleibt in der Bahn allerdings nicht. Stattdessen telefoniert er mit Spielern und Verantwortlichen, plant Training, betreibt Videoanalyse und bereitet den nächsten Spieltag vor.
“Erfolg ist kein Glück”
Seinem großen Ziel, irgendwann einmal Cheftrainer im Profifußball zu sein, ordnet Wegmann vieles unter. “Ich bin davon überzeugt, dass Erfolg kein Glück ist. Und wenn man ein realistisches Ziel hat, sollte man dem mit größtmöglichem Einsatz nachgehen.”
Zweifacher Aufstieg möglich
Er tut das nicht nur mit Einsatz, sondern auch mit Erfolg. Seligenstadt steht in der Verbandsliga auf Platz drei, Leipzig ist in der Regionalliga sogar Spitzenreiter. Nicht ausgeschlossen, dass der Fußballlehrer im Sommer einen zweifachen Aufstieg feiern darf.
Freundschaft zu Leipzig-Trainer
Seit Sommer 2024 führt Wegmann dieses Fußball-Doppelleben. Bereits zu Beginn des Jahres hatte er sein Engagement in Seligenstadt begonnen. Ein paar Monate später dann wurde Jochen Seitz, der Nico aus gemeinsamer Zeit in Aschaffenburg kennt und gut mit ihm befreundet ist, Trainer bei Lok Leipzig. Seitz bot Wegmann an, Teil des Trainerstabs zu werden - und so begann eine der außergewöhnlichsten Geschichten im deutschen Fußball.
Bahnfahren stresst ihn nicht
Unklar, wie lange Wegmann diesen Aufwand noch betreiben wird. Die Fußballwelt ist schnelllebig. Sonderlich gestresst vom langen Bahnfahren wirkt er allerdings nicht. “Klar könnte ich mich ärgern, wenn sich mal ein Zug verspätet oder ausfällt. Aber ich kann's eh nicht beeinflussen.” Immerhin: Zu spät kam er bislang noch nie.
Und so arbeitet Wegmann hart weiter, seinen Traum vom Profifußball fest im Blick. Sein Einsatz ist jetzt schon erstklassig.