Was dafür und dagegen spricht - Sollen Läden in Hessen sonntags öffnen?
Sollen Geschäfte auch sonntags öffnen dürfen? Darüber wird in Hessen mal wieder kontrovers debattiert. Der Handelsverband ist dafür, Gewerkschaften und Kirchen klar dagegen. Zwei Positionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
"Das Einkaufsverhalten hat sich grundlegend verändert." Das sagt Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbands Hessen. Sein Argument: Wer heute online shoppen will, tut das rund um die Uhr - an sieben Tagen die Woche. Während der stationäre Handel in Hessen weiter an starre Regelungen gebunden ist, verkaufen Amazon & Co. einfach weiter.
Sonntagseinkauf als Erlebnis
Vizepräsidentin Tatjana Steinbrenner ergänzt: Rund 60 Prozent der Menschen fahren immer noch wegen des Einkaufens in die Innenstadt - aber eben nicht nur dafür. Sie wollen ausgehen, gemeinsam essen, Freizeit erleben.
Genau das machen verkaufsoffene Sonntage möglich: Erlebnis statt reiner Pflichtbesorgung. Für die Innenstädte, Ortskerne und Stadtteilzentren in Hessen könnte das ein echtes Plus sein. Zumal der Bund angekündigt hat, dass Büchereien und Bäckereien ab dem kommenden Jahr sonntags länger öffnen dürfen.
Teilnahme ist freiwillig
Ruths betont dabei ausdrücklich: Es gehe nicht darum, jeden Sonntag zu aufzumachen. Sondern darum, Kommunen und Unternehmen mehr Spielraum zu geben. Bislang sind verkaufsoffene Sonntage in Hessen nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Und: Die Teilnahme der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll freiwillig bleiben.
Sonntag ein “gesellschaftlicher Ruhepol”
"Wir würden nichts gewinnen - und tausende Leute ihren freien Tag opfern." So klar formuliert es Sebastian Alt von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Die KAB ist Mitglied der Allianz für den freien Sonntag - und lehnt verkaufsoffene Sonntage grundsätzlich ab.
Alts zentrales Argument: Tausende Beschäftigte im Handel würden ihren letzten gesicherten freien Tag in der Woche verlieren. Der Sonntag sei mehr als ein freier Tag. Er sei ein gesellschaftlicher Ruhepol - für Familie, Ehrenamt, Vereine, Glauben, für jeden persönlich.
Schwierigkeiten für kleinere Läden
Und der Vergleich mit dem Online-Handel? Den lässt Alt nicht gelten. Amazon bearbeite sonntags keine Bestellungen, liefere nicht aus. Wer sonntags bestelle, warte bis Montag. Der oft genannte Wettbewerbsdruck durch das Internet sei in diesem Punkt also zumindest übertrieben.
Noch ein Punkt, der Alt wichtig ist: Nicht große Handelsketten hätten ein Problem mit Sonntagsöffnungen - die könnten sich das leisten. Aber kleine, inhabergeführte Geschäfte würden in einem Verdrängungswettbewerb den Kürzeren ziehen.