Offenbach: Manroland geht, Siemens bringt hunderte neue Jobs
Ende einer Ära in Offenbach - Manroland geht, Siemens bringt neue Jobs
Über 150 Jahre lang hat Manroland in Offenbach Druckmaschinen gebaut - Maschinen, die bei Zeitungen, Verlagen und Druckereien auf der ganzen Welt standen. Zum 1. Oktober ist endgültig Schluss. Ab Frühjahr 2027 baut Siemens auf dem Gelände Schaltanlagen. Doch was wird aus den Menschen, die Manroland bis zuletzt die Treue gehalten haben?
Manroland Sheetfed steckte schon länger in schwierigem Fahrwasser. Laut Muttergesellschaft Langley Holdings ist der weltweite Markt für Druckmaschinen in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen - allen voran in China, das früher rund 40 Prozent aller weltweit verkauften Neumaschinen abnahm und heute kaum noch kauft. Allein im Jahr 2025 schrieb Manroland Sheetfed Verluste von 43,2 Millionen Euro.
Kein Investor, kein Ausweg
Im März 2026 versuchte Langley Holdings, das Unternehmen durch eine gerichtlich begleitete Sanierung zu retten. Doch bereits am 16. April informierte die Geschäftsführung IG Metall und Betriebsrat in der ersten Verhandlungsrunde: Es gibt keinen Investor, das Fortführungskonzept ist gescheitert. 750 Menschen hatten zu Jahresbeginn noch beim Standort in Offenbach gearbeitet – die meisten sind inzwischen weg.
IG Metall: „Systematisch ausbluten gelassen"
Die Gewerkschaft erhob schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer. “Das Unternehmen wurde über die letzten Jahre systematisch ausbluten gelassen. Seit Jahren gab es keinerlei Investitionen”, erklärte Manuel Schmidt, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach. Für die Beschäftigten hatte die Gewerkschaft eine Transfergesellschaft gefordert, die bis heute nicht kam.
Das sagt der Betriebsrat
Dazu sagt Alexander Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Manroland: "Selbst kleinere Betriebe kriegen eine Transfergesellschaft für die Leute hin." Die Verantwortung sieht er beim Eigentümer: “Ein Milliardär hat das Geld, es liegt in der Holding”.
Siemens mietet Gelände
Wenige Monate nach dem Schließungsbeschluss folgte eine überraschende Wende. Am Standort von Manroland entsteht ein neues Zulieferwerk, das Bauteile für die Siemens-Schaltanlagen-Werke in Frankfurt-Fechenheim herstellen soll - nur sechs Kilometer entfernt, wo der Konzern seit mehr als 40 Jahren produziert. Schaltanlagen verteilen und regulieren den Strom - in Rechenzentren, Fabriken und Einrichtungen für die Elektromobilität.
700 neue Jobs bis 2030
Siemens investiert 300 Millionen Euro in ein neues Werk in Offenbach und den Ausbau seiner bestehenden Werke in Frankfurt. Die Bauarbeiten in Offenbach haben bereits im Juli 2026 begonnen, die Produktion soll im Frühjahr 2027 anlaufen. Bis 2030 sollen insgesamt rund 700 neue Arbeitsplätze entstehen, in Produktion, Logistik und Verwaltung.
Chanen für Manroland-Beschäftigte bei Siemens
Doch zwischen Manroland-Ende und Siemens-Start klafft eine Lücke - und die trifft die ehemaligen Beschäftigten hart. "Siemens zieht ja nicht jetzt ein, wo die Leute arbeitslos werden", sagt Roth im FFH-Interview. Eine automatische Übernahme der alten Belegschaft gibt es nicht. Wer bei Siemens arbeiten will, muss sich selbst bewerben. Siemens war jedoch bereits mit einem Infostand auf dem Betriebsgelände von Manroland, um Interesse zu wecken und die Beschäftigen zu informieren, wie sie sich bewerben können.
Schwere Jobsuche für ältere Mitarbeiter
Besonders betroffen sind ältere Beschäftigte. Wer 58 oder älter ist, hat auf dem Arbeitsmarkt laut Roth statistisch deutlich schlechtere Chancen - erst recht, wenn jahrzehntelange Erfahrung nicht durch Zertifikate oder Meisterpapiere belegt ist. Viele hätten sich über Jahrzehnte hochgearbeitet, ohne formalen Abschluss.
Einige arbeiten für Heidelberger Druckmaschinen
Immerhin: Rund 80 ehemalige Manroland-Mitarbeiter arbeiten nun für Heidelberger Druckmaschinen, die im Juni das weltweite Service- und Ersatzteilgeschäft von Manroland übernommen hatte.
Azubis: Abschluss gesichert
Für die Auszubildenden bei Manroland gab es zumindest eine gute Nachricht: Der Betriebsrat handelte aus, dass alle, die ihre Ausbildung im Sommer abschließen wollten, das noch regulär tun konnten. Sie wurden dafür einen weiteren Monat bezahlt.
Bewusst Industrie am Manroland-Standort
Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) hält die Siemens-Ansiedlung als Beweis für eine gezielte Flächenpolitik. Er hatte sich früh dafür eingesetzt, dass auf dem Manroland-Gelände kein reines Rechenzentrum entsteht - ein Szenario, das kaum nennenswerte Arbeitsplätze gebracht hätte. Betriebsrat Roth teilte mit, dass dieser Einsatz in der Belegschaft ankam: Als Schwenke auf einer Betriebsversammlung ankündigte, dafür zu kämpfen, habe es großen Applaus gegeben.
OB will sich weiter einsetzen
Für die betroffenen Mitarbeiter findet Schwenke deutliche Worte: "Die Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das ist natürlich total beklemmend - und das motiviert dann auch absolut wirklich alles, was man selbst tun kann, auch zu tun, damit die Menschen wieder eine Perspektive haben." Die Ansiedlung für Siemens sei eine sehr gute Nachricht für Offenbach und eine echte Chance für die Manroland-Mitarbeiter, auch wenn es keine Garantie auf einen Arbeitsplatz gibt.
Wie geht es weiter?
Derzeit arbeiten nach Angaben des Betriebsrates noch etwa 100 Beschäftigte auf dem Manroland-Gelände - vor allem für die Abwicklung und in neu gegründeten Tochtergesellschaften, über die der Betriebsrat kaum informiert worden sei. Wer sich für eine Stelle bei Siemens interessiert, kann sich bereits jetzt über das Siemens-Karriereportal bewerben. Einige Manrolandbeschäftigte haben dies bereits getan. Die Siemens-Produktion in Offenbach soll im Frühjahr 2027 starten.