Hotel mit erheblichen Mängeln - Gäste in Frankfurt müssen plötzlich raus
Asbest und fehlender Brandschutz: Von jetzt auf gleich wird das Hotel Crowne Plaza in Frankfurt-Niederrad dichtgemacht. Die NGG kritisiert das Vorgehen des Betreibers scharf.
Wegen "erheblicher Mängel am Gebäude" hat der Betreiber das bei Messegästen beliebte Hotel Crowne Plaza im Frankfurter Stadtteil Niederrad kurzfristig geschlossen. "Trotz intensiver Bemühungen konnte mit dem verantwortlichen Eigentümer keine Einigung über zwingend notwendige Sanierungsmaßnahmen erzielt werden", teilte die in Hamburg ansässige Novum Hospitality mit. Es gehe unter anderem um Brandschutz, die Befestigung von Fassadenelementen, die Betriebssicherheit der Aufzüge "sowie den sicheren Umgang mit vorhandenen asbesthaltigen Baustoffen".
Novum: “Kein ausreichender Versicherungsschutz”
Grundlage der Entscheidung sei auch, dass der bestehende Versicherungsschutz aufgrund der Mängel nicht mehr ausreiche. "Ohne einen ausreichenden Versicherungsschutz lässt sich aus Sicht von Novum ein weiterer Hotelbetrieb nicht mehr verlässlich gewährleisten."
Scharfe Kritik der Gewerkschaft
Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wurden die Beschäftigten erst kurz vor der Räumung des Hotels am Montag um 11 Uhr informiert. Die Hotelgäste seien "kurzerhand mit Bussen in anderen Hotels in der Stadt untergebracht" worden, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.
Betriebsrat hat Hausverbot
Der Betriebsrat hat demnach zuvor keinerlei Informationen zur Schließung erhalten. Der Betriebsratsvorsitzende sowie seine Stellvertreterin seien fristlos entlassen und mit einem Hausverbot belegt worden, teilte die NGG mit. Die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien freigestellt worden.
"Wer ausgerechnet die gewählten Interessenvertreter der Beschäftigten fristlos entlässt und zugleich die Belegschaft vor vollendete Tatsachen stellt, tritt die Mitbestimmung und das Betriebsverfassungsgesetz mit Füßen", kritisierte Anna Langensiepen, Gewerkschaftssekretärin der NGG Region Rhein-Main.
Betreiber: Suchen Lösungen für Tarif-Mitarbeiter
Auf Nachfragen zu den Vorwürfen der Gewerkschaft reagierte Novum Hospitality zunächst nicht. In der Mitteilung schreibt der Hotelbetreiber, "hinsichtlich der Zukunft der tarifbeschäftigten Mitarbeitenden" befinde sich das Unternehmen "in konstruktivem Austausch mit der zuständigen Beschäftigtenvertretung". Ziel sei es, "gemeinsam verantwortungsvolle Lösungen für alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu finden".
Novum Hospitality betreibt mehr als 150 Hotels an 60 Standorten in Europa und ist damit nach eigenen Angaben eine der größten inhabergeführten Hotelgruppen Europas.