Worum es in dem Fall geht - Fahndung nach FAZ-Journalist in Russland
Ein deutscher Journalist ist in Russland zur Fahndung ausgeschrieben worden. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") teilte mit, dass ihr Balkan-Korrespondent namentlich in der Fahndungsdatenbank des russischen Innenministeriums eingetragen sei.
Als Grund für die Suche werde ein Strafverfahren angegeben. Dem Journalisten werde nach russischen Angaben unter anderem „Anstiftung zum Hass“ vorgeworfen.
Hintergrund: Interview mit Selenskyj
Anlass für die Maßnahme der russischen Behörden ist eine Frage, die der "FAZ"-Journalist dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor knapp zwei Wochen bei dessen Besuch in der serbischen Hauptstadt Belgrad gestellt hatte. Die Frage sei missverständlich formuliert gewesen, erklärte die "FAZ". "Wir haben dies klargestellt und die Formulierung bedauert", heißt es weiter.
FAZ betont Pressefreiheit
Die Zeitung sah in der Fahndung einen "Einschüchterungsversuch gegenüber einem deutschen Journalisten und der freien Presse". Die "FAZ" weise diesen Versuch zurück, unabhängige Berichterstattung durch strafrechtliche Drohungen zu behindern. "Die Pressefreiheit ist nicht verhandelbar", schließt die "FAZ". "Sie gilt auch dann, wenn Fragen oder Berichte Kritik auslösen."
Was der Journalist gefragt haben soll
Nach russischem Recht drohen dem "FAZ"-Journalisten bis zu sechs Jahre Haft. Er hatte nach Angaben der russischen Staatsagentur Tass Selenskyj gefragt, was europäische Länder tun könnten, um "dazu beizutragen, dass mehr Russen getötet werden". Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete diese Aufrufe zur Tötung von Russen als unzulässig und kriminell.
Am vergangenen Wochenende hatte das russische Außenministerium den Journalisten scharf kritisiert. Es bezeichnete ihn unter anderem als "braunen Propagandisten" und warf ihm vor, Russen zu entmenschlichen und Hass gegen Russland zu legitimieren. Zudem bezeichnete das Ministerium die Äußerung des Journalisten als "revanchistisch" und kritisierte, dass die Frage im Westen nicht verurteilt worden sei.