Warum er jetzt ins Kloster geht - Hanau-OB Kaminsky hört nach 23 Jahren auf
Es ist das Ende einer Ära in Hanau: Claus Kaminsky (SPD), Hessens dienstältester Oberbürgermeister, verabschiedet sich zum 30. September in den Ruhestand. 23 Jahre lang hat der 66-Jährige die Brüder-Grimm-Stadt geprägt - erst als Bürgermeister ab 1995, seit 2003 dann als Oberbürgermeister. Im Interview mit FFH zieht er jetzt Bilanz.
Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit loszulassen? Kaminsky im FFH-Gespräch: "Ich gehe mit sehr guten Gefühlen. Alles, was ich leisten konnte, glaube ich, abgeliefert zu haben. Mehr war nicht drin. Ich bin mit mir da zufrieden, bin im Reinen. Für mich ist der Schlüsselbegriff für die Zukunft Freiheit."
Freiheit - vor allem von Terminzwängen, wie er sagt. Nicht nur das tun zu können, was er möchte, sondern auch das nicht mehr tun zu müssen, was ihm in der Vergangenheit schwergefallen ist.
Der schwerste Moment seiner Amtszeit
Nach seiner Amtszeit gefragt, bei der wohl kaum ein Ereignis so schwer wog wie der rassistisch motivierte Anschlag, wird Kaminsky ernst: "Der nachhaltigste und verstörendste Moment war schon der 19. Februar 2020, die Ermordung von neun jungen Leuten in dieser Stadt. Das hat die Stadtgesellschaft als Ganzes, das hat auch mich persönlich tief erschüttert. Innerhalb von ein paar wenigen Minuten verlierst du deine Liebsten. Und damit umzugehen, das war sicherlich so ziemlich das Schlimmste, was ich erlebt habe."
Rückzug vom Rückzug
Genau dieser Anschlag - neben der Corona-Pandemie - war für Kaminsky auch einer der Gründe, 2021 noch einmal anzutreten, obwohl familienintern eigentlich schon alles für einen Rückzug entschieden war. Sein Bild dafür: Ein Kapitän, der sein Schiff in stürmischer See nicht einfach verlässt.
Nach dem Abschied geht's ins Kloster
Und was macht ein Oberbürgermeister, der plötzlich Zeit hat? Kaminsky verrät im FFH-Interview seinen Plan: “Also, das Erste wird sein, in der ersten Oktoberwoche gehe ich ins Kloster zum Fasten. Da nehme ich billigend in Kauf, dass da sicherlich auch zwei, drei Kilo weggehen. Das tut mir nicht schlecht, aber noch wichtiger ist, den Kopf freizukriegen. Weil wenn Sie Oberbürgermeister einer Stadt sind, dann sind Sie das im Kopf im Grunde sieben Tage, 24 Stunden.”
Nachfolger kommt auch von der SPD
Am 5. September wird Kaminsky offiziell verabschiedet, sein letzter Arbeitstag ist der 30. September. Sein Nachfolger im Amt: Parteikollege Maximilian Bieri (SPD), der die Direktwahl im März für sich entschieden hat und sein Amt zum 1. Oktober antritt.