Milliardenprojekt in Groß-Gerau - XXL-Rechenzentrum stößt auf Widerstand
In Groß-Gerau könnte bald ein neues und gigantisches IT-Rechenzentrum entstehen. Die Stadtverordneten sollen am Dienstag (3.2., 19 Uhr) darüber einen Grundsatzbeschluss fassen.
Das Projekt wird von den Investoren als Chance gesehen, stößt aber auf erheblichen Widerstand bei Anwohnern und Teilen der Stadtpolitik. Besonders die geplanten, mehr als 30 Meter hohen Gebäude im Stadtteil Dornberg sind ein Kritikpunkt. In Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet gibt es bereits mehrere Rechenzentren, auch in Raunheim zum Beispiel. Die Rhein-Main-Region ist ein Hotspot für solche Rechenzentren. Ein paar stehen schon, weitere werden gebraucht, denn Frankfurt ist einer der größten Internet-Knotenpunkte der Welt.
Massive Gebäudeblöcke
Aber die geplanten insgesamt fünf Gebäudeblöcke in Groß-Gerau wären jeweils erheblich massiver als die größten Hochhäuser der Stadt. Anwohner befürchten deshalb im Gespräch mit HIT RADIO FFH eine Verunstaltung des Stadtbilds und fühlen sich bisher wenig in den Entscheidungsprozess einbezogen. "Es soll alles schnell noch vor der Kommunalwahl durchgeprügelt werden", kritisiert etwa Wolfgang Zwehr. Auch Bürgermeister Jörg Rüddenklau (SPD) sieht das Projekt im FFH-Gespräch durchaus skeptisch. Er zweifelt etwa an größeren Benefits für die Stadt durch neue Arbeitsplätze oder nennenswerte Gewerbesteuereinnahmen. Ein US-amerikanisches Unternehmen will nach eigenen Angaben etwa 2,5 Milliarden Euro in die neuen Gebäude stecken.
Umwelt- und Klimabelastungen
Im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung sprechen sich die Fraktionen der Grünen und der Linken in Groß-Gerau klar gegen das Projekt aus. Sie argumentieren mit einer erhöhten Umweltbelastung durch Hitze und Lärm. Die geplante Anlage würde extreme Energiemengen erfordern, die nur durch den Bau einer speziellen Stromleitung abgedeckt werden können. Auch die Nutzung der Abwärme werde kaum möglich sein. Die Gebäudehöhe wird von den Kritikern als überdimensioniert angesehen.
Stattdessen Mix aus Wohnen und Gewerbe?
Die Linke betont, dass der geplante Standort besser für Wohn- und Gewerbeprojekte genutzt werden könnte, die sozialer und nachhaltiger wären. „Eine solche Nutzung wäre städtebaulich verträglicher, sozial ausgewogener und stellt aus unserer Sicht die deutlich sinnvollere und zukunftsfähigere Entwicklungsperspektive für die Stadt Groß-Gerau und ihre Bürgerinnen und Bürger dar", so die Mitteilung.