Kein XXL-Rechenzentrum in Groß-Gerau: So lief die Abstimmung
Stadtparlament sagt "Nein" - Kein XXL-Rechenzentrum für Groß-Gerau
Doch kein Mega-Rechenzentrum in Groß-Gerau: Ein Investor kann seine geplante 2,5 Milliarden-Euro-Investition nicht umsetzen: Eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung hat das Großprojekt am Dienstagabend (3.2.) abgelehnt.
Es gab eine knapp 90-minütige, intensive und kontroverse Debatte. 14 Ja-Stimmen standen am Ende 18 Nein-Stimmen gegenüber.
Nur CDU und Kombi-FWG dafür
CDU (12) und Kombi-FWG (2) haben für die Ansiedlung des Rechenzentrums votiert, SPD (9), Grüne (5), FDP (2), Freie Wähler (1) und Linke (1) dagegen. Von 37 Stadtverordneten waren 32 anwesend. Das hat die Stadt mitgeteilt.
Anwohner: “Für Groß-Gerau die richtige Entscheidung”
Vor allem auch die direkten Anwohner der geplanten, mehr als 30 Meter hohen Gebäude hatten große Bauchschmerzen, jetzt atmen sie auf. Vertreter der Bürgerinitiative teilen uns auf Anfrage mit: “Aus unserer Sicht hätte die Diskussion viel früher stattfinden müssen. Nichtsdestotrotz sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, da es für Groß-Gerau die richtige Entscheidung darstellt.”
Wie geht es jetzt weiter?
Spannend wird nun, wie es weiter geht: Denn nach dem Negativ-Votum muss die Stadt mit dem Investor klären, was mit dem 20 Fußballfelder großen Gelände im Stadtteil Dornberg passieren soll – ohne Rechenzentrum.
Rhein-Main ist Rechenzentrums-Hotspot
In Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet gibt es bereits mehrere Rechenzentren, auch in Raunheim zum Beispiel. Die Rhein-Main-Region ist ein Hotspot für solche Rechenzentren. Und weitere werden gebraucht, denn Frankfurt ist einer der größten Internet-Knotenpunkte der Welt.
Massive Gebäudeblöcke
Aber die geplanten insgesamt fünf Gebäudeblöcke in Groß-Gerau wären jeweils erheblich massiver als die größten Hochhäuser der Stadt. Anwohner befürchteten deshalb im Gespräch mit HIT RADIO FFH eine Verunstaltung des Stadtbilds und fühlten sich wenig in den Entscheidungsprozess einbezogen. "Es soll alles schnell noch vor der Kommunalwahl durchgeprügelt werden", kritisierte etwa Wolfgang Zwer.
2,5 Milliarden Euro-Investition
Auch Bürgermeister Jörg Rüddenklau (SPD) sah das Projekt im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung im FFH-Gespräch durchaus skeptisch. Er zweifelte etwa an größeren Benefits für die Stadt durch neue Arbeitsplätze oder nennenswerte Gewerbesteuereinnahmen. Ein US-amerikanisches Unternehmen will nach eigenen Angaben etwa 2,5 Milliarden Euro in die neuen Gebäude stecken.
Umwelt- und Klimabelastungen
Im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung sprachen sich die Fraktionen der Grünen und der Linken in Groß-Gerau klar gegen das Projekt aus. Sie argumentierten mit einer erhöhten Umweltbelastung durch Hitze und Lärm. Die geplante Anlage würde extreme Energiemengen erfordern, die nur durch den Bau einer speziellen Stromleitung abgedeckt werden können. Auch die Nutzung der Abwärme werde kaum möglich sein. Die Gebäudehöhe wurde von den Kritikern als überdimensioniert angesehen.
Stattdessen Mix aus Wohnen und Gewerbe?
Die Linke betonte, dass der geplante Standort besser für Wohn- und Gewerbeprojekte genutzt werden könnte, die sozialer und nachhaltiger wären. „Eine solche Nutzung wäre städtebaulich verträglicher, sozial ausgewogener und stellt aus unserer Sicht die deutlich sinnvollere und zukunftsfähigere Entwicklungsperspektive für die Stadt Groß-Gerau und ihre Bürgerinnen und Bürger dar", so die Mitteilung.