Bewohnerinnen und Bewohner können jetzt an mehreren Terminen stundenweise in ihre Wohnungen, um ihr Hab und Gut abzuholen.
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Es ist zumindest ein Fortschritt: Die Bewohner des seit Monaten gesperrten, maroden Hochhauses “Im Erloch” in Babenhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg) können jetzt an mehreren Terminen stundenweise in ihre Wohnungen, um ihr Hab und Gut ausräumen zu können.
Die fast 200 Menschen mussten das Gebäude im vergangenen Juni Hals über Kopf verlassen, weil erst Fassadenteile, dann ein Fenster heruntergefallen waren.
Dichtes grünes Netz
Nun ist die Fassade gesichert: Ein dichtes grünes Netz umspannt das elfstöckige Gebäude und ermöglicht den Bewohnern, stundenweise zurückzukehren und Gegenstände aus ihren Wohnungen zu holen.
Bewohner: "Ich will einfach, dass das vorbei ist!"
FFH-Reporter Marc Wilhelm im Gespräch mit Bewohnern des maroden Hochhauses in Babenhausen. Viele wollen nur noch zum Ausräumen ihrer Wohnung hierher zurückkommen.
Wann waren Sie zum letzten Mal in der Wohnung? Vor sieben Monaten, August. Wir hatten sehr viel Glück. Wir haben zwar erst auch im Hotel gelebt, aber es hat sich rentiert, die lange Suche. Wir haben eine tolle Wohnung gefunden in Harreshausen. Die Nachbarschaft ist sehr hilfsbereit gewesen, wie mir ankam. Und wir fühlen uns da sehr wohl und bleiben auch dort. Ich will nur meine Sachen raus und weg. Ich will einfach, dass das vorbei ist. Ich will, dass diese Wohnung hier leer ist, nichts mehr von mir hier drin ist und ich mit dieser Wohnung nichts mehr zu tun habe. Und das, wenn ich was über das Erloch lese, dass ich dann denke so, ach du Scheiße, gut, dass ich da jetzt schon nicht mehr drin wohne. Weil man ja nicht weiß, wie es weitergeht.
Nach sieben Monaten durften die Menschen am Montag (23.2.) das Gebäude nach Monaten erstmals betreten, wenn auch nur kurzfristig. Die Kreisbauaufsicht bewertet das hochgezogene Netz für sicher und gab grünes Licht für das Betreten des Gebäudes.
In dem Hochhaus waren bis zum vergangenen Juni insgesamt 187 Menschen gemeldet.
Neues Zuhause gefunden
Die Bewohner, darunter auch viele Familien mit Kindern, wohnen seit vergangenem Sommer bei Freunden oder fanden auch inzwischen anderweitig ein neues Zuhause, wie sie im Gespräch mit HIT RADIO FFH berichteten.
Eigentümerbeirat: "Für die Brandschutzmaßnahmen brauchen wir noch ein bisschen Geld"
Holger Gröning vom Eigentümerbeirat des Hauses über den aktuellen Stand
Da ist jetzt ein Netz installiert worden, was eben dafür sorgt, dass wenn Teile herunterfallen, dass die zumindest keine Menschen gefährden. Und das ist jetzt umgesetzt worden in den letzten sechs, acht Wochen und damit kann man jetzt wieder kurzfristig rein. Die Stadt entscheidet, wann man hinein darf. Da wird eben dann kontrolliert, wer in das Gebäude hineingeht, dass wir erstens sicher sind, dass auch nur Menschen reingehen, die rein dürfen, also die Mieter oder Eigentümer sind. Also da wird ein Buch geführt, in welche Wohnung wollen die, wie viele Personen gehen rein. Wir müssen natürlich auch sicher sein, dass hinterher alle wieder draußen sind. Also erstmal sind wir sehr, sehr froh, dass wir zeitweise rein können. Das ist der erste große Schritt und wir sind eben in einer Situation, wo es viel um das Vertrauen der Eigentümerschaft geht, dass ein Wiedereinzug überhaupt möglich ist. Aber die Auflagen sind eben, dass Brandschutzmaßnahmen umgesetzt werden müssen, Brandschutzwände in den Treppenhäusern und die Absaugung. Und dafür brauchen wir erstmal noch ein bisschen Geld. Das sammeln wir aber im Moment ein.
Doch die Zukunft des Hochhauses bleibt weiter ungewiss. Für eine vollständige Wiedereröffnung muss der Brandschutz deutlich verbessert werden. Dafür fehlen jedoch aktuell noch mehrere Hunderttausend Euro, die von den Eigentümern aufgebracht werden müssen, wie uns deren Vertreter berichtet. Ein Umzug zurück in die Wohnungen ist derzeit deshalb noch nicht absehbar.