Ernte ist in Gefahr - Dieses Insekt bedroht Hessens Landwirte
Ein winziger Schädling treibt Hessens Landwirte derzeit in die Verzweiflung. Die Schilf-Glasflügelzikade sorgt auf den Äckern für massive Ernteausfälle bei Kartoffeln und Zuckerrüben. Für viele Höfe bedeutet das bereits jetzt einen Kampf um die wirtschaftliche Existenz.
Besonders hart trifft es zum Beispiel Landwirt Johannes Böhm aus Otzberg (Kreis Darmstadt-Dieburg). Der Schädling bedrohe den Fortbestand seines traditionsreichen Familienbetriebs. Den Kartoffelanbau hat er laut eigenen Angaben bereits fast aufgegeben. Der Landwirt im Gespräch mit HIT RADIO FFH: “Die Zikade ist für uns existenzbedrohlich.”
Gummikartoffeln und kranke Rüben
Das nur etwa ein Zentimeter große Insekt überträgt gefährliche Bakterien auf die Pflanzen. Bei Kartoffeln führt dies laut Forschungsinstituten dazu, dass die Knollen weich, klein und regelrecht gummiartig werden. Zudem steigt der Zuckergehalt in der Knolle. Für die Herstellung von Pommes oder Chips sind die Kartoffeln dann unbrauchbar, da sie beim Frittieren dunkel und fleckig werden. Bei Zuckerrüben sinkt hingegen der Ertrag, und die Pflanzen neigen schneller zur Fäulnis. Auf manchen Flächen kommt es laut Hessischem Bauernverband zu einem Totalausfall.
Klimawandel begünstigt Ausbreitung
Ursprünglich war die Zikade vor allem an Schilf und Uferpflanzen heimisch. Seit einigen Jahren breitet sie sich jedoch rasant auf den landwirtschaftlichen Flächen aus. Warme, trockene Sommer und milde Winter begünstigen laut Experten die Vermehrung des Insekts erheblich. Bei steigenden Temperaturen wachsen die Tiere schneller heran, sodass mittlerweile sogar zwei Generationen pro Jahr auftreten können.
Bislang keine Patentlösung in Sicht
Eine wirksame Methode gegen den Schädling gibt es aktuell nicht. Da die Larven im Boden leben und überwintern, entziehen sie sich herkömmlichen und bisher in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmitteln. „Wir haben noch keine Patentlösung gegen die Zikade“, sagt auch Karsten Schmal, der Präsident des Hessischen Bauernverbands, im Gespräch mit HIT RADIO FFH.
Schädling bleibt Risiko
Forschende suchen nun fieberhaft nach neuen Wegen. Am Julius Kühn-Institut wird etwa untersucht, ob sich die Zikaden durch Vibrationssignale verwirren und von der Paarung abhalten lassen. Auch an resistenten Sorten wird gearbeitet. Bis diese auf den Markt kommen, bleibt das Insekt für die Landwirte allerdings ein unkalkulierbares wirtschaftliches Risiko.