Unternehmensschließungen 2025 - Firmensterben so wie seit 20 Jahren nicht
Fast 190.000 Betriebe sind aus dem Markt verschwunden in Deutschland. In einigen Branchen stiegen die Zahlen rasant. Auch immer mehr gesunde Firmen geben auf, das hat das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim festgestellt.
Teure Energie, Fachkräftemangel, fehlende Nachfolge: 187.744 Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr aufgegeben und damit so viele wie seit fast 20 Jahren nicht.
10 Prozent mehr als im Vorjahr
Laut ZEW und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr die Zahl um knapp zehn Prozent, in allen Branchen. Bei einer gemeinsamen Analyse der beiden Institutionen wurden die Zahlen der Vorjahre auf erweiterter Basis neu berechnet. Mehr Unternehmensschließungen bundesweit verzeichnete die Zeitreihe zuletzt im Jahr 2007. Den zweiten Anstieg gab es dann 2025.
Viele Gastwirte geben auf
“Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft”, sagt der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Besonders stark im Gastgewerbe: 2025 machten etwa 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen dicht, 15 Prozent mehr als 2024.
Niedriger Steuersatz keine Hilfe
“Der im Vergleich zu anderen Branchen niedrigere Mehrwertsteuersatz, den die Bundesregierung zur Unterstützung des Gastgewerbes eingeführt hat, konnte offenbar die prekäre Situation in dieser Branche nicht abmildern”, heißt es in der Analyse. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Gastronomie in Deutschland ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Speisen.
Arztpraxen machen nicht nur auf dem Land dicht
Im Gesundheitswesen gibt es nach wie vor keine Veränderung. Die Zahl der Schließungen in diesem Bereich ist mit knapp 11.000 mittlerweile etwa doppelt so hoch wie im Jahr 2008. Das sind rund 5.500 Arztpraxen. Grund dafür sind Ärzte die in den Ruhestand gehen und niemanden finden, der ihre Praxis fortführt.
Deutsche Wirtschaft in der “Krisenzange”
In der Industrie traf es etwa 11.000 Betriebe und damit zehn Prozent mehr als vor Jahresende. Creditreform-Experte Hantzsch hatte mit Blick auf steigende Insolvenzzahlen von einer “Krisenzange” gesprochen, die die deutsche Wirtschaft “von zwei Seiten packt und schädigt”: einerseits geopolitische Verwerfungen wie der Iran-Krieg oder die US-Zölle, andererseits hohe Energiepreise und viel Bürokratie im Inland.
Hauptursache ist der Ruhestand
Nur 13 Prozent der fast 190.000 Unternehmensschließungen im vergangenen Jahr waren insolvenzbedingt, während die Mehrheit geräuschlos erfolgte. Hauptursache für freiwillige Schließungen ist mit fast einem Drittel der altersbedingte Ruhestand ohne Nachfolge, was einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu früheren Jahren darstellt.