Plantagen im Kreis Groß-Gerau - Hitze lässt Weihnachtsbäume vertrocknen
Die extreme Sommerhitze hat auf den Weihnachtsbaum-Plantagen im Kreis Groß-Gerau deutliche Spuren hinterlassen. Weil es im Sommer wochenlang zu trocken war mit Temperaturen teils um die 40 Grad, sind viele junge Tannen schlichtweg vertrocknet.
Für das anstehende Weihnachtsfest gibt es von den Erzeugern aber Entwarnung - auch weil sie insgesamt mehrere zehntausend Bäume in ihren Schonungen stehen haben.
Hitze schädigt Kulturen
Etwa auf den Feldern rund um Ginsheim (Kreis Groß-Gerau) haben die Pflanzen laut Weihnachtsbaumplantagen-Inhaber Rudi Hillebrand stark unter der Dürre gelitten. Die extrem trockenen und sandigen Böden in der Region tun ihr Übriges: Sie speichern das Wasser schlechter.
Hohe Ausfälle, etwas höhere Preise
Besonders die frischen Triebe der Tannen seien der Sonne zum Opfer gefallen. Wenn die Bäume einmal anfangen abzusterben, könne man sie kaum noch retten, so Rudi Hillebrand im Gespräch vor Ort mit HIT RADIO FFH. Auf einer Fläche, die wir gemeinsam besuchen, rechnet der Ginsheimer mit Weihnachtsbaum-Ernteausfällen von 30 bis 40 Prozent. Als eine Folge werde er den Baum-Preis im Advent pro laufendem Meter etwas erhöhen müssen, sagt er.
Kurze Wurzeln als ein Problem
Betroffen sind den Angaben zufolge vor allem die jüngeren Bäume. Im Gegensatz zu ausgewachsenen Nordmanntannen reichen ihre Wurzeln nicht tief genug in die Erde, um an die rettenden Wasserreserven zu gelangen. Im oberen Bodenbereich war die Erde schlichtweg knochentrocken.
Unkraut als Schattenspender
Auf einer Weihnachtsbaum-Plantage im Groß-Gerauer Stadtteil Dornheim treffe ich Hillebrands Kollegen Jörg Schneider. Auch er bestätigt die Hitzeschäden und den Stress seiner Nordmanntannen. Um seine Bäume vor der direkten Sonne zu schützen, ließ er zudem ganz bewusst vor dem Beginn der Verkaufssaison im Advent das Unkraut und das Gras zwischen den Reihen stehen. Das spende im Wurzelbereich immerhin etwas Schatten. Allerdings sagt Jörg Schneider auch: “Ich bin schon seit 1983 im Geschäft, aber solche Schäden habe ich noch nie erlebt.”
Spätfolgen in der Zukunft
Auch der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger bestätigt diese regionalen Schäden. Wie sich die Hitze langfristig auswirkt, lasse sich allerdings noch nicht genau abschätzen. Ausfälle bei den Jungpflanzen dürften sich laut Verband erst so richtig in etwa sieben bis acht Jahren bemerkbar machen, wenn die Bäume eigentlich erntereif wären.
Beruhigend: Genügend Bäume für das Fest
Für das kommende Fest gibt es aber eine gute Nachricht. Ausgewachsene Nordmanntannen haben den Sommer laut Verband in der Regel deutlich besser überstanden. “In einigen Regionen Deutschlands blieb seit Mai jeder Niederschlag aus, erstaunlicherweise sieht die Situation nur etwa 30 Kilometer weiter mancherorts dann schon wieder ganz anders aus. Wenige Kilometer machen also große Unterschiede aus.” Engpässe drohen den Angaben zufolge nicht. Das bestätigen mir auch beide Weihnachtsbaum-Experten aus Südhessen, die zusammen deutlich mehr als 50.000 Tannen im Bestand haben: “Jeder wird einen schönen Baum finden.”