Hessens Weinbranche setzt im Grauburgunder-Boom auf Riesling
Trotz Grauburgunder-Boom - Hessens Weinbranche setzt auf Riesling
Mitten im bundesweiten Boom der weißen Rebsorte Grauburgunder will Hessen verstärkt auf den Anbau von Riesling-Trauben setzen. "Ich kenne keine andere Rebsorte, die so vielseitig ist wie der Riesling", sagte Weinbauminister und Winzersohn Ingmar Jung (CDU) der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden.
Bei jeder einzelnen Lage schmecke dieser Weißwein etwas anders. In Hessens zwei Anbaugebieten Rheingau und Hessische Bergstraße ist Riesling jeweils die vorherrschende Rebsorte.
Riesling und Klimawandel
Zugleich kommt laut Jung gerade der Riesling mit dem Klimawandel gut zurecht. In den großen Weinjahrgängen 1959, 1971 und 1976 mit sehr warmen Sommern seien gerade Riesling-Weine besonders überzeugend geraten. Mit Blick auf das Vorurteil, diese Rebsorte könne auch sauer sein, ergänzte der Weinbauminister: "Mit den höheren Temperaturen im Klimawandel wird der Riesling breiter und die Säure harmonischer."
Zugleich gelte es auch beim Riesling, bei seiner Vermarktung die Bedeutung der Herkunft mehr hervorzuheben. Die Zeiten von Qualitätskriterien vornehmlich auf Basis des Zuckergehalts zum Erntezeitpunkt seien vorbei. Statt Großlagen wollten Weinkäuferinnen und Weinkäufer auf dem Etikett zunehmend sehen, von welchen Weinbergen ein Riesling komme.
Weltruhm vor eineinhalb Jahrhunderten
Auch der Rheingauer Weinbaupräsident Peter Seyffardt sagte: "Wir müssen den Riesling in seiner Vielfalt und Varianz besser kommunizieren. Riesling kann modern, jung und stylish sowie klassisch und gereift sein." Vor eineinhalb Jahrhunderten habe dieser weltweit als eine der besten Rebsorten der Welt gegolten.
Noch heute sei der Riesling stark im deutschen Export, "aber im schrumpfenden Inlandsmarkt und im Grauburgunder-Boom müssen wir im Marketing nachlegen und sein Image wieder auf das Niveau heben, das er einmal hatte", ergänzte Seyffardt.
Viel Importware in Deutschland
Generell ist es laut Seyffardt bedauernswert, dass in Deutschland nur zwei von fünf verkauften Weinflaschen von heimischen Winzern stammen - alles andere ist Importware. "In unserem Nachbarland Österreich dagegen liegt die heimische Quote fast bei 80 Prozent", ergänzte der Martinsthaler Winzer. Hier müsse die deutsche Weinbranche besser werden - inklusive einer intensivierten touristischen Vermarktung ihrer Anbaugebiete und Kulturlandschaften als ganzheitliches Erlebnis wie etwa im Rheingau und an der Bergstraße in Hessen.
Weinbaukrise
Steigende Kosten, weniger Konsum, Gesundheitsbewusstsein, Überproduktion und internationale Konkurrenz setzen Deutschlands Winzer unter Druck - längst ist von einer Weinbaukrise die Rede. Im November 2025 hat Minister Jung im Kloster Eberbach im Rheingau zum ersten Treffen aller Amtskollegen und Amtskolleginnen der Bundesländer mit Weinbau eingeladen - mit dem Ziel, die Branche zu stärken und ihre Sichtbarkeit zu verbessern.
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