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Die Eisheiligen sind nicht mehr die Eisheiligen

Stimmt doch gar nicht mehr! - Dr. Martin Gudd: Die Eisheiligen kommen!?

© dpa

Mit Absicht vereist: Ein aus aufgesprühtem Wasser entstehender Eispanzer kann empfindliche Obstblüten vor Kälte schützen. Foto aus dem März 2020.

Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die "kalte Sophie" - das sind die Männer und die Frau, deren Namenstage sich vom 11. bis 15. Mai auf dem Kalender finden -  die Eisheiligen.An diesen Tagen sollen sich nach alten Bauernregeln die letzten Nachtfröste des Jahres ereignen können. Überstehen die Bäume des wackeren Landmanns diese Tage, gelten seine empfindlichen Früchte als sicher vor zu viel Kälte - denn nach den Eisheiligen soll es nicht mehr unter 0 Grad gehen.

Dieses Jahr sind die Eisheiligen harmlos. Die Tage werden zwar nach dem ultrakurzen Sommereinbruch vom Sonntag wieder kühler - bleiben aber deutlich auf Abstand von der 0-Grad-Grenze. Das aktuelle Hessenwetter.

Und wenn man es genau nimmt, finden die "richtigen" Eisheiligen eigentlich auch erst später im Mai zwischen dem 21. und 25. Mai statt.

Auf diese Tage fielen nämlich früher die Namenstage der besagten Heiligen. Durch eine Kalenderreform im 16. Jahrhundert wurden 10 ganze Tage einfach übersprungen.1582 folgte auf dem Kalender auf Donnerstag, den 4. Oktober gleich Freitag, der 15. Oktober. Und unsere fünf Eisheiligen rutschten 10 Tage im Kalender nach vorne.

Ob diese eigentlich "richtigen" Eisheiligen in diesem Jahr kalt werden - das kann man noch nicht sagen. Ach so, und nicht vergessen: Im Juni kommt dann noch die sogenannte "Schafskälte". Aber das ist eine andere Geschichte.

Kalenderreform und die Heiligen

  • Die sogenannte "Gregorianische Kalenderreform" im Jahr 1582 sorgte dafür, dass der tatsächliche astronomische Frühlingsbeginn wieder auf den 21. März fiel. Durch eine unpräzise Schaltjahrregelung hatten sich über die Jahrhunderte das Kalenderdatum seit Kaiser Augustus um ganze 10 Tage verschoben.
  • Zahlreiche "Bauernregeln" drehen sich um die "Eisheiligen":
    - Pankraz, Servaz, Bonifaz - machen erst dem Sommer Platz.
    - Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis die Sophie vorüber ist.
    - Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein.
    - Pankraz und Servaz sind böse Brüder - was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
    - Pflanze nie vor der Kalten Sophie.
  • Mamertus ( um 477 in Vienne, Gallien) war Bischof und wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Er führte die Bittprozessionen an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt ein.
  • Der heilige Pankratius (* um 290 in Phrygien; um 304 in Rom) war ein römischer Märtyrer der frühen christlichen Kirche. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Der alles Beherrschende".
  • Servatius (* vermutlich in Armenien;  13. Mai 384 in Maastricht) ist als Schutzheiliger interessanterweise gerade für Frostschäden zuständig, hilft aber auch gegen Fußleiden, Rheuma und Rattenplagen.
  • Bonifatius von Tarsus war ein römischer, altkirchlicher Märtyrer, der um 306 n. Chr. in Tarsus getötet wurde. Nicht zu verwechseln mit dem Fuldaer Bonifatius. Der nannte sich zwar nach dem Märtyrer, hieß aber erstmal Winfried.
  • Sophia von Rom starb während der Diokletianischen Christenverfolgung um 304 als Märtyrin.
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