Huskies-Hallensprecher bei FFH - Sven Breiter: "Einfach jetzt mal hoch!"
Es gibt Sportorte, die schon leer noch voller Geschichten sind: Die Eishalle in Kassel ist so ein Ort. Gerade noch bebt sie unter dem Lärm von mehr als 5.000 Menschen, Sekunden später fällt eine fast unwirkliche Stille über das Eis. Genau in dieser besonderen Atmosphäre hat Sonja Pahl im FFH-Sporttalk mit einem Mann gesprochen, der diese Halle seit Jahren prägt wie kaum ein anderer: Sven Breiter, Hallensprecher und Fanbeauftragter der Kassel Huskies.
Einer, der nicht einfach nur Spiele ansagt. Einer, der Stimmungen spürt, Menschen mitreißt, Hoffnungen trägt - und all das seit fast zwei Jahrzehnten.
„Du musst alle mitnehmen“
Wer Sven Breiter zuhört, merkt sofort: Hallensprecher zu sein bedeutet für ihn weit mehr als Ansagen zu machen. Es geht um Instinkt, Timing und darum, den richtigen Ton für Tausende Menschen zu finden: „Du musst eben alle mitnehmen.“ Denn in Kassel sitzen nicht nur Hardcore-Fans auf den Rängen, sondern auch viele, die vielleicht zum Event kommen. Doch genau darin liegt für Breiter die Herausforderung - und die Kunst: „Du musst die Situation richtig einschätzen und dann musst du sagen: jetzt los, auf geht’s, und jetzt stehen wir mal alle auf und geben ein bisschen Vollgas.“ Wenn das gelingt, wird aus einer Halle ein Hexenkessel. Und aus Zuschauern wird eine Gemeinschaft.
Wenn die Stimme zum Werkzeug der Hoffnung wird
Breiter weiß genau, wie sehr sich die Stimmung auf dem Eis und auf den Tribünen gegenseitig beeinflussen kann. Läuft es bei der Mannschaft, trägt das Eis die Energie nach oben. Läuft es nicht, muss manchmal die Tribüne helfen. „Dann musst du irgendwie versuchen, die Fans nochmal so ein bisschen zu pushen, dass es sich vielleicht mal von der Tribüne aufs Eis überschwappt.“ Diese Empathie für Spielverläufe, für Körpersprache, für Stimmungen - sie ist es, die Sven Breiter in Kassel so besonders macht. Er kennt die Spieler, liest ihre Gesichter, spürt ihre Unsicherheit und ihren Hunger. Über Huskies-Urgestein Marco Müller sagt er: „Dem schaust du ins Gesicht, da weißt du ganz genau, was läuft oder was Phase ist.“
Hallensprecher mit vollem Körpereinsatz
Es gibt in diesem Gespräch herrlich verrückte Momente - und sie zeigen, mit wie viel Herzblut Breiter seinen Job lebt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Auftritt vor der Mannschaft in der Kabine. „Ich war so ein bisschen heiß halt, heiß wie Frittenfett. Dann habe ich halt mein Pullover ausgezogen und habe dann mein T-Shirt, was unten drunter war, in der Mitte durchgerupft und habe gesagt: So, und jetzt holt euch das Ding.“ Man kann sich diese Szene lebhaft vorstellen: laut, wild, emotional, vielleicht ein bisschen wahnsinnig - aber genau das ist Eishockey in Kassel eben auch. Nicht geschniegelt. Nicht geschniegelt höflich. Sondern roh, ehrlich, leidenschaftlich.
Huskies-Fans: leidensfähig, treu, unzerstörbar
Vielleicht am bewegendsten spricht Sven Breiter über die Menschen, die diesen Verein tragen. Die Fans der Kassel Huskies haben viel erlebt: Aufstiege, Abstiege, Insolvenzen, Gerichtsverfahren, Neustarts. Und sie sind trotzdem geblieben. „Wir sind schon sehr, sehr leidensfähig gewesen.“ Es ist ein Satz, der in Kassel wohl jeder sofort versteht. Und Breiter führt ihn mit einer Geschichte fort, die zeigt, was diesen Klub im Innersten ausmacht. Als die Huskies ganz unten in der Hessenliga neu anfangen mussten, wollten selbst dort Tausende dabei sein: „Da draußen stehen gefühlt noch 2.000, 3.000 Leute, die hier rein wollen. Die Halle ist schon voll.“, erinnert er sich. Diese Liebe ist nicht vom Erfolg abhängig. Sie ist tiefer. Trotziger. Treuer: „Egal, ob man Hessenliga, Oberliga, Zweite Liga, Erste Liga spielt - du hast immer so 2000, 2500 Leute, die sind immer da.“ Das ist die eigentliche Stärke der Huskies. Nicht nur auf dem Eis. Sondern auf den Rängen und in den Herzen.
„Wir haben es einfach verdient“
Und dann ist da natürlich die alles entscheidende Frage: Kann es in diesem Jahr endlich klappen mit dem Aufstieg? Breiter formuliert es ohne Überheblichkeit, aber mit großer Sehnsucht: „Wir haben es einfach verdient mal. Einfach mal hoch - und dann schauen wir mal, wie es weitergeht.“ Er spricht über die Konstanz der vergangenen Jahre, über Finalteilnahmen, über knapp verpasste Chancen. Nicht bitter, sondern mit der Hoffnung eines Menschen, der gelernt hat, dass im Sport nichts selbstverständlich ist. Vor dem Start in die Playoff-Finals nun gegen Krefeld sagt er: „Die müssen, wir wollen." Außerdem: „Wir haben unwahrscheinlich viel Leidensfähigkeit hier in Kassel. Wir haben auch Leidenschaft. Die werden wir jetzt im Finale rauskitzeln.“