Lilien-Trainer im FFH-Podcast - Kohfeldt glaubt an "gute neue Saison"
Darmstadt 98 ist mitten in der Vorbereitung - und Trainer Florian Kohfeldt strahlt eine Energie aus, die man kaum übersehen kann. Im FFH-Sporttalk sprach er direkt vom Trainingsplatz in Bad Wörishofen über den großen Kaderumbruch, seine Ziele für die neue Saison und verriet dabei auch, warum er auf seiner eigenen Hochzeit nicht getanzt hat.
Bad Wörishofen hat seine ganz eigene Trainingslager-Atmosphäre. Direkt neben dem Platz liegt ein kleiner Flughafen - und alle paar Minuten rauscht eine Cessna in Bodennähe vorbei. Für Kohfeldt kein Problem mehr, auch wenn er beim ersten Besuch noch anders reagiert hat: „Letztes Jahr habe ich mich einmal kurz auf den Boden geworfen, weil ich dachte, jetzt ist es vorbei." Inzwischen haben sich Trainer und Spieler daran gewöhnt - die Neuzugänge noch nicht ganz. Neben dem Lärm von oben läuft das Trainingslager aber nach Plan: Doppeleinheiten, Videoanalysen, Einzelgespräche mit allen 29 Spielern. Kohfeldts Arbeitstag endet an einem solchen Tag gegen halb elf Uhr abends.
Umbruch war Bedingung - und Kohfeldt wollte es genau so
Nach einer starken Saison mit Platz 5 in der 2. Bundesliga hat Darmstadt 98 seinen Kader grundlegend verändert. Viele Leistungsträger sind weg - und das war für Kohfeldt beim Thema Vertragsverlängerung sogar Voraussetzung: „Es war sogar Bedingung. Für mich war unglaublich wichtig, dass etwas weitergeht. Dass es nicht irgendwie darum geht, was zu verwalten."
Der 42-Jährige ist überzeugt, dass der Verein nun die richtige Größe gefunden hat: „Wir haben jetzt die ideale Größe. Jetzt geht es darum, die PS auf die Straße zu bringen - da gibt es auch keine Ausreden mehr." Ein klares Statement, das auch an die eigene Mannschaft gerichtet ist.
Neue Spieler, neue Intensität
Im Trainingslager macht sich der Umbruch bereits positiv bemerkbar. Kohfeldt beobachtet, wie die Mannschaft zusammenwächst - trotz oder gerade wegen der vielen neuen Gesichter: „Man merkt, dass die Intensität grundsätzlich noch höher ist als letztes Jahr. Das hat mit einem neuen Konkurrenzkampf zu tun, der auf faktisch jeder Position da ist."
Einen Neuzugang hebt Kohfeldt besonders hervor: Lance Duijvestijn habe vom ersten Training an gezeigt, mit welcher Qualität und Konstanz er sich einbringt. Gleichzeitig betont der Trainer, dass auch gestandene Zweitliga-Profis wie Chris Lanner oder Flo Kleinhansl gezielt für Stabilität und Spielintelligenz verpflichtet wurden - Positionen, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft weniger Aufmerksamkeit bekommen als die Offensivrollen.
„Ich habe noch nie so wohl in einem Staff gefühlt"
Ein zentrales Thema für Kohfeldt ist die Kultur innerhalb seines Trainerteams. Er beschreibt ein Prinzip des spielerzentrierten Denkens: Statt einem Athletiktrainer für 24 Spieler ist bei Darmstadt 98 jeder Athletiktrainer für nur sieben Spieler zuständig. Das Ergebnis, so Kohfeldt, ist ein Staff, in dem sich jeder verantwortlich fühlt - für Niederlagen wie für Erfolge.
„Wenn wir gewinnen, ist es mein ganz großes Bestreben zu sagen: Das ist euer Erfolg, nicht meiner." Und weiter: „Ich habe noch nie so wohl in einem Staff gefühlt wie hier."
Aufstieg? „Das lassen wir auf jeden Fall weg"
Die Frage nach dem Aufstieg beantwortet Kohfeldt unmissverständlich. Darmstadt hat in diesem Sommer enorm viel verloren: rund 50 Scorer-Punkte und mindestens fünf prägende Spieler, darunter Fraser, Isak Lidberg (jetzt Gladbach), Marco Richter und Kilian Corredor. „Wir müssen erst nachweisen, dass diese Qualität wieder da ist."
Das Ziel für die neue Saison ist klarer definiert: Stabilität in der Liga, weitere Spielerentwicklung - und die Begeisterung der Fans aufrechterhalten. „4-0 gegen Lautern, 4-0 gegen Schalke - das waren Heimspiele, die begeistert haben. Dieses Band wieder zu prägen, ist mit das größte Ziel für mich."
Kinder gewinnen lassen? „Macht überhaupt keinen Sinn"
Kohfeldt ist bekannt dafür, immer gewinnen zu wollen - und das gilt offenbar auch zu Hause. Auf die Frage, ob er seinen Kindern beim Spielen auch mal den Sieg gönnt, antwortet er trocken: „Natürlich nicht. Macht überhaupt keinen Sinn." Und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Es ist ein viel schöneres Gefühl für sie, wenn sie mich dann ehrlich schlagen - was inzwischen durchaus mal vorkommt."
Apropos Rhythmus und Rituale: Vor jedem Spiel gibt es Spaghetti Bolognese - das ist gesetzt. Und die letzte dreiviertel Stunde auf dem Hotelzimmer vor der Ansprache ist für Kohfeldt unverzichtbar. Auf seiner eigenen Hochzeit hingegen hat er sich gedrückt: „Da gab es gar andere wichtige Themen, aber getanzt... nein, nein, nein."
Klopp auf der Weihnachtsfeier fragen
Dass Kohfeldt selbst schon auf Bundesliga-Niveau und in der Champions League gearbeitet hat, lässt er nicht unerwähnt - aber er relativiert es sofort: „Momentan bin ich unfassbar glücklich da, wo ich bin. Jetzt gibt es keinen anderen Ort, den ich mir vorstellen kann, wo ich richtiger bin als hier."
Und Jürgen Klopp als Bundestrainer - ein möglicher Nachfolger irgendwann? Kohfeldt, der die selbe Berater-Agentur wie Jürgen Klopp hat, winkt lächelnd ab: „Das kann der Kloppo jetzt mal ganz in Ruhe machen. Ich werde ihn dann mal auf der Weihnachtsfeier fragen, wie die Lage so ist.
Drei Gründe für eine starke Saison
Am Ende des Gesprächs nennt Kohfeldt drei Gründe, warum Darmstadt 98 in der kommenden Saison die letzte noch übertreffen kann: Erstens eine intensivere Mannschaft auf dem Platz. Zweitens ein Team, das noch auf der Suche nach seinen Rollen ist - und deshalb hungrig. Und drittens die Mischung aus hochprofessionellen Strukturen und dem familiären Zusammensein, das diesen Verein so besonders macht.