Leichtathletik-EM in Birmingham - Hessen mit starkem Aufgebot
Wenn am Montag im Alexander Stadium in Birmingham die Leichtathletik-Europameisterschaften beginnen, richtet sich der Blick aus hessischer Sicht auf ein bemerkenswert starkes Aufgebot. Bis Sonntag, 16. August, kämpfen dort Europas Beste um Medaillen, Finals und Topplatzierungen.
Für Hessen ist die EM dabei mehr als nur ein internationales Schaufenster: Mit 20 Athletinnen und Athleten aus hessischen Vereinen sowie fünf weiteren Starterinnen und Startern vom Bundesstützpunkt Frankfurt ist das Bundesland in Birmingham so prominent vertreten wie lange nicht.
Große Erwartungen
Der Hessische Leichtathletik-Verband blickt deshalb mit großer Erwartung auf die Titelkämpfe. Die hessische Mannschaft ist breit aufgestellt: Wurf, Sprint, Hürden, Mehrkampf, Gehen und Mittelstrecke sind besetzt. Gleichzeitig zeigt der überregionale Vergleich, dass Hessens Rolle vor allem die des gefährlichen Herausforderers ist. Die ganz großen deutschen Goldhoffnungen liegen eher bei anderen DLV-Stars. Für die Hessinnen und Hessen geht es damit in erster Linie um Finalteilnahmen, Endkampfplätze und mögliche Überraschungen - auch wenn einzelne Namen durchaus Podestpotenzial mitbringen.
Merlin Hummel führt Hessens Hoffnungsträger an
Wenn es um die größten hessischen Chancen in Birmingham geht, führt kaum ein Weg an Merlin Hummel vorbei. Der Hammerwerfer reist mit einer Saisonbestleistung von 81,27 Metern zur EM und gehört damit klar zu den auffälligsten hessischen Namen im deutschen Team. Der Vizeweltmeister von 2025 startet für Eintracht Frankfurt.
Auch Marius Karges im Diskuswurf zählt zu den Athleten, die aus Hessen heraus besondere Aufmerksamkeit verdienen. Er gehört zum Kreis derjenigen, denen ein starkes EM-Ergebnis zuzutrauen ist, selbst wenn er im nationalen Vergleich nicht auf einer Stufe mit den prominentesten deutschen Goldkandidaten geführt wird.
Ähnliches gilt für Aileen Kuhn, Sören Klose und Samantha Borutta, die die hessische Qualität in den Wurfdisziplinen zusätzlich unterstreichen. Borutta wurde bei den deutschen Titelkämpfen im Hammerwurf vor zwei Wochen in Bochum Vizemeisterin.
Sprint und Hürden: Staffelchancen mit hessischer Beteiligung
Ein zweiter hessischer Schwerpunkt liegt im Sprintbereich. Mit Rebekka Haase, Chelsea Kadiri, Heiko Gussmann und Kevin Kranz ist Hessen auch in jenen Disziplinen vertreten, in denen Deutschland eher auf Überraschungen und Staffelstärke hofft als auf klare Einzel-Favoritenrollen. Gerade in den 4x100-Meter-Staffeln könnte die hessische Beteiligung wichtig werden. Für die Einzelrennen ist die internationale Konkurrenz enorm dicht, doch in den Staffeln steigt die deutsche und damit auch die hessische Perspektive auf ein Spitzenresultat deutlich.
Über die Stadionrunde mit Hürden ruhen die Hoffnungen auf Eileen Demes und Owe Fischer-Breiholz. Beide haben sich für Birmingham qualifiziert und starten in einer Disziplin, die im deutschen Team stark besetzt ist. Eine Medaille wäre aus hessischer Sicht eine Überraschung, ein starkes Rennen mit Halbfinal- oder Finalambitionen aber durchaus ein realistisches Ziel.
Gesa Krause will nachlegen
Die Dillenburgerin Gesa Krause will nach ihrem Deutschen Meistertitel in Bochum über die 3.000 Meter Hindernis auch international ein Zeichen setzen. Die 34-Jährige hatte in Bochum beeindruckend den Titel gewonnen.
Mehrkampf, Mittelstrecke und Gehen: viele Chancen auf gute Platzierungen
Im Mehrkampf vertreten Amadeus Gräber im Zehnkampf und Vanessa Grimm im Siebenkampf die hessischen Farben. Beide gehen nicht als Topfavoriten in die Titelkämpfe, können aber bei einem stabilen Wettkampf ein starkes Resultat im erweiterten Vorderfeld erzielen. Auch Grimm bringt das Potenzial mit, sich in einem hochwertigen Feld gut zu behaupten.
Über 800 Meter will Smilla Kolbe für ein Ausrufezeichen sorgen. In den Laufdisziplinen stellt Deutschland zwar vor allem in anderen Wettbewerben seine aussichtsreichsten Medaillenkandidaten, doch Hessen bringt auch hier Athletinnen und Athleten mit, die mit einem guten Rennen in Richtung persönliche Bestleistung und starke EM-Platzierung laufen können. Das gilt ebenfalls für die hessischen Geher Christopher Linke, Johannes Frenzl und Bianca Maria Dittrich, die in Birmingham in einem erweiterten EM-Programm antreten.