Hype im Fußball-Oberhaus - Darum kommt man schwer an Buli-Tickets
Die Stadien sind voll, die Bundesliga meldet immer wieder Zuschauerrekorde. Warum der Boom für viele Fans zunehmend zum Problem wird.
Es gab Zeiten im deutschen Fußball, da war das Stadion nur bei einem Bundesligisten regelmäßig ausverkauft: Bayer Leverkusen. 22.500 Fans pilgerten in schöner Regelmäßigkeit in die kompakte BayArena, in der damals noch Deutschlands Ausnahmefußballer Michael Ballack oder Brasiliens Abwehrturbo Lucio kickten. Diese Zeiten sind - in jeglicher Hinsicht - längst vorbei.
Denn Bundesliga-Tickets sind zu einem begehrten und gefragten Gut geworden. Nach dem Corona-Knick, als Maßnahmen gegen die Pandemie für leere Stadien sorgten, vermeldet die Bundesliga Jahr für Jahr Rekordzahlen von den Zuschauertribünen.
21,4 Millionen Eintrittskarten wurden in der abgelaufenen Spielzeit für Bundesliga und 2. Bundesliga abgesetzt - eine Bestmarke. Von den 18 Bundesligisten kamen nach Verbandsangaben 16 Clubs auf eine Auslastung von mehr als 90 Prozent. Das heißt: Bei vielen Spielen sind reguläre Einzeltickets nur noch schwer zu bekommen.
Bei vielen Bundesligisten gehen die verfügbaren Tageskarten zunächst an Mitglieder, nachdem Dauerkarten verkauft oder verlängert worden sind. Erst danach kommen letzte Karten in den freien Verkauf - wenn überhaupt.
Bei welchen Vereinen ist es besonders schwierig?
Besonders schwierig ist der Zugang zu Bundesliga-Tickets für Nicht-Mitglieder bei Union Berlin, dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart. Bei Union werden die Bundesliga-Tickets zunächst unter den Mitgliedern verlost, ein freier Verkauf findet nach Vereinsangaben faktisch nie statt. Auch beim FC Bayern ist die Nachfrage enorm: Für das Heimspiel gegen Borussia Dortmund gingen nach Angaben von Münchens Vorstandschef Jan-Christian Dreesen 330.000 Bestellungen ein, für stark nachgefragte Spiele werden die Tickets im Losverfahren vergeben. Beim VfB erfolgt der Tageskartenverkauf zunächst exklusiv für Mitglieder, bei einem Großteil der Bundesliga-Heimspiele gibt es anschließend keinen freien Verkauf.
Ähnlich schwierig ist der Zugang beim Hamburger SV und dem FC Schalke 04. Bei der TSG Hoffenheim gehen bei Topspielen allerdings teilweise noch 1.000 bis 2.000 Tickets in den freien Verkauf. Eine Sonderrolle nimmt Aufsteiger SV Elversberg ein: Wegen des Stadionumbaus stehen derzeit nicht einmal 10.000 Plätze zur Verfügung.
Warum machen Vereine das?
Dauerkarten und Mitgliedschaften bringen den Clubs nicht nur zusätzliche Einnahmen. Sie schaffen Planungssicherheit, stärken die Bindung und bieten bei hoher Nachfrage einen bevorzugten Zugang zu Tickets. Viele Vereine haben ihre Mitgliederzahlen seit der Corona-Pandemie deutlich gesteigert. Nicht nur Bayern, Dortmund und Schalke haben inzwischen mehr Mitglieder als Plätze im Stadion, sondern auch Clubs wie Freiburg oder Leverkusen.
"Mitgliedschaften sind weit mehr als ein Produkt. Sie sind ein zentrales strategisches Instrument zur Markenstärkung, Fanbindung und Monetarisierung", sagte Branchenexperte Claus Horstmann dem "Kicker". Horstmann hat früher in der Geschäftsführung des 1. FC Köln gearbeitet.
Was sagen Fans dazu?
Die Faninteressenvertretung "Unsere Kurve" begrüßt die Vorteile für Vereinsmitglieder, die so am Vereinsleben mitwirken können. "Die Mitglieder machen den Verein aus. Es ist daher nur folgerichtig, dass Vereinsmitglieder beim Ticketzugang bevorzugt behandelt werden", sagte Armin Popp der dpa. "Der deutsche Fußball ist von seinen Vereinen und seinen Mitgliedern geprägt. Diese Wurzeln dürfen auch bei großer Ticketnachfrage nicht gekappt werden."
Eine Möglichkeit für Fans in stark ausgelasteten Stadien an Tickets zu kommen, ist der Zweitmarkt vieler Vereine. Dort können etwa Dauerkarteninhaber ihren Platz freigeben, wenn sie nicht selbst zum Spiel kommen. "Bei den vereinseigenen Zweitmärkten hat sich viel Positives getan. Fast alle Vereine bis in die 3. Liga bieten mittlerweile gute Plattformen an, um Karten fair weiterzugeben und dem Schwarzmarkt den Nährboden zu entziehen", sagte Jost Peter von "Unsere Kurve".
Er schlägt zudem vor: "Wer in der Bundesliga keine Karte bekommt, sollte zudem den Blick weiten: Von der 3. Liga bis in die Regionalligen gibt es flächendeckend nahbaren Fußball, gute Kartenverfügbarkeit an der Tageskasse und ein echtes Stadionerlebnis direkt um die Ecke."
Was sagen Experten?
Die hohe Nachfrage nach Bundesliga-Tickets ist für die Clubs zunächst ein Zeichen ihrer Attraktivität. Sportökonom Dominik Schreyer von der WHU in Düsseldorf warnt allerdings davor, die Auslastung allein als Maßstab zu nehmen. Langfristig sei auch entscheidend, "ob die verkauften Plätze tatsächlich besetzt sind" und wer Zugang zum Stadion bekomme. Das System aus Dauerkarten und Mitglieder-Vorverkauf sei wirtschaftlich nachvollziehbar, könne aber zur Zugangshürde für neue Fans werden. Die Mitgliedschaft werde dann "gewissermaßen zu einer Art Zugangsgebühr", meint der Professor.
Im internationalen Vergleich sind Bundesliga-Tickets vergleichsweise günstig. Während die Preise hierzulande weitgehend unabhängig von der Nachfrage festgelegt werden, sind im US-Sport dynamische Preismodelle verbreitet. Langfristig bestehe laut Schreyer das Risiko, "dass sich das Publikum immer weniger erneuert", wenn jüngere Fans oder Gelegenheitsbesucher kaum noch Chancen auf Tickets hätten. Die Vereine müssten deshalb Erlöse und Zugänglichkeit miteinander verbinden.
Bei welchen Clubs gibt es noch Chancen auf Tickets?
Bei einigen Bundesliga-Clubs gibt es regelmäßig Möglichkeiten für Nicht-Mitglieder: Werder Bremen lässt Restkarten nach dem Mitgliederverkauf in den freien Verkauf und bietet eine offizielle Ticketbörse an, beim FC Augsburg stehen grundsätzlich rund 10.000 Tageskarten pro Heimspiel zur Verfügung. Auch Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und der SC Freiburg verweisen auf freie Verkaufsphasen oder offizielle Zweitmärkte, wobei der Zugang vom jeweiligen Spiel und der Nachfrage abhängt.