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Nachrichten > Top-Meldungen >

Himalaya-Sturzflut: Über 500 Tote, deutsche Familie gerettet

28.08.2026, 21:30 Uhr

Lage im Katastrophengebiet - Himalaya-Sturzflut: Über 500 Tote, deutsche Familie gerettet

Jan-Philipp Repp

Redakteur
Jan-Philipp Repp

© Rajesh Kumar Singh/AP/dpa

Die Sturzflut hat entlang eines Flusslaufs schwere Schäden angerichtet.

© Sulav Shrestha/XinHua/dpa

Augenzeugen berichteten, dass ganze Dörfer weggespült wurden.

© Rajesh Kumar Singh/AP/dpa

Überlebende wurden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht.

© Sulav Shrestha/XinHua/dpa

Ganze Dörfer wurden von der Flutwelle zerstört.

© Jigme Dorje/XinHua/dpa

Experten sehen die Enge des Tals als Grund für die hohe Geschwindigkeit der Sturzflut.

© Rajesh Kumar Singh/AP/dpa

Die Armee brachte zahlreiche Menschen mit Hubschraubern in Sicherheit.

/

Nach der Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der Toten. Noch immer werden rund 2.500 Menschen vermisst - aber eine deutsche Familie ist in Sicherheit. Nun droht eine weitere Gefahr in der Region.

Eine deutsche Familie wird im Katastrophengebiet im Himalaya gerettet, gleichzeitig ist die Zahl der Toten nach der verheerenden Sturzflut auf mehr als 500 Menschen gestiegen. Vermisst werden in der bei Touristen beliebten Gebirgsregion zwischen China und Nepal 1.924 Personen, darunter 517 Ausländer, wie die nepalesischen Behörden am Freitag mitteilten. Die Gefahr für Menschen und Rettungskräfte bleibt extrem hoch. 

In Nepal stieg die Zahl der Toten am Freitag auf 579, viele von ihnen sind noch nicht identifiziert. Vor einem staatlichen Krankenhaus in Kathmandu hingen Fotos von Todesopfern, die Angehörigen die Identifizierung erleichtern sollten. Auf chinesischer Seite in Tibet wurden bislang 5 Tote und 558 Vermisste gemeldet. Chinas Ministerpräsident Li Qiang, den Staatschef Xi Jinping ins Krisengebiet geschickt hatte, sprach von "vielen Todesopfern", wie die Staatsnachrichtenagentur Xinhua schrieb.

Bundeskanzler Friedrich Merz übermittelte beiden Ländern sein Mitgefühl. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und allen Menschen, die durch die Katastrophe ihr Zuhause verloren haben. Den Verletzten wünsche ich eine rasche und vollständige Genesung", schrieb Merz in einem Kondolenztelegramm an den Ministerpräsidenten von Nepal, Balendra Shah. In dem Schreiben an Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping drückte Merz ebenfalls seine große Bestürzung angesichts des Ausmaßes des Unglücks aus.

Sturzflut in  Nepal
© Dar Yasin/AP/dpa

Fotos von Todesopfern sollten Angehörigen die Identifizierung erleichtern.

"Wir haben die Flutwelle gesehen"

Derweil konnte eine vierköpfige deutsche Familie von der Armee in Nepal in Sicherheit gebracht werden. Sie wurde mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht. 

Seine Familie sei nach einer Trekking-Tour bei Verwandten in der Nähe des Ortes Trishuli Bazar gewesen, als die Flut sie überraschte, erzählte der Vater Manuel Münch im Camp der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben die Flutwelle gesehen und sind dann mit allem, was wir hatten, den Hügel hinaufgerannt", sagte der 37-Jährige der dpa. "Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben", ist Münch überzeugt. Die Familie aus dem Berchtesgadener Land wollte so bald wie möglich in die Hauptstadt Kathmandu weiterreisen.

Münch ist mit einer Nepalesin verheiratet, und die Familie besucht das Himalaya-Land regelmäßig mit seinen Kindern. Dieses Mal wollte sie eigentlich eine kleine Trekking-Tour in Langtang machen, die sie aber vorzeitig abbrach. 

Sturzflut im Himalaya
© Dirk Godder/dpa

Manuel Münch wurde mit seiner Familie gerettet.

Nach der Sturzflut am Mittwoch war nach mehreren Deutschen in Nepal gesucht worden. In Berlin erklärte das Auswärtige Amt, dass nach Erkenntnissen der Bundesregierung eine hohe einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger vermisst werde. Das Ministerium bemühe sich unter Hochdruck um Aufklärung, sagte ein Sprecher. Nach Angaben der nepalesischen Behörden von Freitag wurden in Nepal bisher 4.451 Personen gerettet, darunter 129 Ausländer.

Angst vor neuer Flutwelle

Wie hoch die Gefahr in dem Gebiet weiterhin ist, zeigte sich an einem neu entstandenen See oberhalb des Grenzpostens Gyirong. Seit Donnerstag stieg dort der Wasserspiegel, nachdem sich infolge der Katastrophe ein natürlicher Damm gebildet hatte. Sollte der Damm brechen, droht eine weitere Sturzflut.

Sturzflut im Himalaya
© Li Jian/XinHua/dpa

Ein neuer Stausee besorgt die Behörden in China und Nepal.

Chinas Rettungskräfte, die sich durch Geröll und unwegsames Gelände zu dem schwer verwüsteten Grenzposten vorkämpften, stellten ihre Arbeiten aus Sicherheitsgründen vorübergehend ein. Wasser floss laut chinesischen Angaben wie befürchtet aus dem See ab. Kurze Zeit später reagierten die Behörden in Nepal. Die Polizei schlug mit einer Warnung auf der Plattform X Alarm und forderte Einsatzkräfte vorsichtshalber auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Spektakuläre Rettung von zwei Arbeitern

Dramatisch waren auch die Aufnahmen einer spektakulären Rettung in Nepal. Dort hatte die Armee zwei mit Schlamm überzogene Arbeiter lebend aus einem Tunnel an einem Wasserkraftwerk gezogen. Auf dem Rücken wurden die Männer zu einem Hubschrauber getragen, wie ein Video zeigte. 

Die Armee verwies auf sehr gefährliche Bedingungen im Katastrophengebiet. Entlang des Flusses Trishuli, durch den sich in der Region die Sturzflut ergoss, stehen mehrere Staudämme, an denen Menschen vermisst wurden. 

Mindestens 17.000 Kinder benötigen humanitäre Hilfe

Die Internationale Rotkreuz-Föderation (IFRK) schätzt, dass mindestens 93.000 Menschen von der Katastrophe betroffen sind. Darunter seien nicht nur Verletzte, sondern etwa auch die ehemaligen Bewohner der Tausenden zerstörten Häuser, sagte der IFRK-Vertreter in Nepal, David Fisher. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef benötigen mindestens 17.000 Kinder dringend humanitäre Hilfe. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drückte bei X "all jenen, die von den verheerenden Sturzfluten betroffen sind" ihr Mitgefühl aus, die Europäische Union stellte zwei Millionen Euro humanitärer Soforthilfe bereit.

Sturzflut in  Nepal
© Niranjan Shrestha/AP/dpa

Im Gebiet Devighat wurden Hilfsgüter verteilt.

Vier vermisste Deutsche waren Pilger

Gesucht wurde derweil nach weiteren deutschen Staatsangehörigen. Vier im Grenzgebiet vermisste Deutsche gehörten zu einer Gruppe von ausländischen Pilgern, wie jetzt bekannt wurde. Sie waren auf dem Rückweg von einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash und zum Manasarovar-See in Tibet, als der Kontakt zu ihnen abriss, wie die nepalesische Reiseagentur Trekkers' Society mitteilte. 

Von den insgesamt 77 Reisenden und den 15 nepalesischen Begleitern der Gruppe fehlt seit der verheerenden Sturzflut von Mittwoch jede Spur. Den Angaben zufolge sollte die Gruppe am Morgen des 26. August die Grenze nach Nepal überqueren. Zu dem Zeitpunkt raste die Flut aus Wasser, Geröll und Eis durch die Region. Seitdem ist unklar, wo sich die Pilger befinden und ob sie die Katastrophe überlebt haben. 

Sturzflut in  Nepal
© Niranjan Shrestha/AP/dpa

Eine schwangere Frau sollte mit dem Hubschrauber nach Kathmandu geflogen werden.

Bei den vier vermissten Deutschen handele es sich um zwei Männer und zwei Frauen, sagte Anish Bhujel, Manager der in Kathmandu ansässigen Trekkers' Society. Die anderen Reisenden stammen demnach aus mehr als zehn Ländern, darunter aus den USA, Großbritannien, Australien, Spanien, Südafrika, Israel und Kanada. Begleitet wurde die Gruppe zudem von 15 nepalesischen Guides und Fahrern.

Bergsteiger Messner: "Furchtbare Tragödie"

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner sieht als einen Grund für die Katastrophe den Klimawandel, der Gletscher und Permafrost im Himalaya destabilisiere. Der "Wirtschaftswoche" sagte Messner: "Was wir gerade in Nepal und an der Grenze zu Tibet erleben, ist eine furchtbare Tragödie. Gleichzeitig halte ich es für wichtig, ein solches Ereignis nicht vorschnell auf eine einzige Ursache zu reduzieren." Der Himalaya sei geologisch und geografisch seit jeher anfällig. Die Folgen solcher Ereignisse würden schwerer, weil die Täler dichter besiedelt seien.

Können solche Flutwellen vorhergesagt werden?

Experten zufolge soll ein Gletscherabbruch das Unglück ausgelöst haben - was eine gewaltige Eis- und Gerölllawine ausgelöst habe. Wie aber lassen sich Menschen vor solchen Katastrophen schützen? Es gebe bereits Konzepte für automatisierte Frühwarnsysteme, erklärte Niels Hovius vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung - auch für riesige Gebirgsregionen wie Himalaya, Karakorum und Anden.

Dabei sollen speziell auf oberflächliche Erschütterungen ausgerichtete Seismometer Ereignisse wie Felsstürze, Gletscherabbrüche - und auch Sturzfluten - registrieren und genau lokalisieren. Mit einer präzisen Verortung ließe sich anhand der bereits vorhandenen topographischen Modelle der Verlauf von Flutwellen vorhersagen.

Für die aktuelle Sturzflut im Himalaya war die Vorlaufzeit aber extrem kurz: Laut Hovius lagen zwischen dem Gletscherabbruch und dem Eintreffen der Flutwelle an der tibetisch-nepalesischen Grenzstation Gyirong keine zehn Minuten. Doch für Orte weiter flussabwärts sei die Zeitspanne wesentlich länger - oft bis zu einer Stunde. "Das würde reichen, damit Menschen Schutz suchen könnten."

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