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Hessen will Referendariat für Lehrer verkürzen

Reform der Lehrerausbildung - Hessen will Referendariat verkürzen

Lehramt
© Julian Stratenschulte/dpa

Hessen plant eine Reform des Referendariats. (Symbolbild)

18 Monate Referendariat statt 21, mehr eigenverantwortlicher Unterricht: Hessen will die Ausbildung der Lehrerschaft neu organisieren. Warum Vertreter der Landtags-Opposition um die Qualität fürchten.

Hessen will seine Lehrkräfteausbildung mit einem kürzeren Referendariat und mehr Eigenverantwortung reformieren - was von der Landtagsopposition kritisch gesehen wird. Der Bildungsexperte der Grünen-Fraktion, Daniel May, kritisierte, dass die Qualität der Ausbildung und die Attraktivität des Lehrkräfteberufs abnehme. Es gehe der Landesregierung darum, Löcher in der Unterrichtsversorgung zu stopfen. 

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Moritz Promny, gab zu bedenken, dass schneller nicht automatisch besser sei. "Wenn wir dieselbe Ausbildung in weniger Zeit organisieren, verdichten wir sie natürlich auch." Dies dürfe nicht dazu führen, dass sich der Druck auf die Referendarinnen und Referendare weiter erhöhe, sagte Promny. Lehrkräftemangel sei eines der größten Probleme der Schulen. Wenn nach dem Referendariat keine passende Stelle vorhanden sei, dann helfe aber auch der schnellere Abschluss nicht. 

AfD-Opposition sieht "Verkürzungs- und Verdichtungsreform"

"Bei der von der schwarz-roten Landesregierung betriebenen sogenannten Fortentwicklung der Lehrkräftebildung handelt es sich in Wahrheit um eine Verkürzungs- und Verdichtungsreform", sagte der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Heiko Scholz. "Weniger Zeit, mehr Inhalte, mehr eigenverantwortlicher Unterricht - und das verkauft uns die Landesregierung als Qualitätssteigerung." Wer den Lehrerberuf wirklich attraktiver machen wolle, müsse die Schulen von Bürokratie entlasten. 

Referendariat soll drei Monate kürzer werden

Der Gesetzentwurf der schwarz-roten Regierungskoalition sieht vor, dass die praktische Phase der Lehrerausbildung nach dem Studium (Referendariat) von 21 auf 18 Monate verkürzt wird. Die Nachwuchs-Pädagogen können demnach künftig rascher eigenverantwortlich unterrichten - und erreichen auch früher die Besoldungsgruppe A 13. In Deutschlands Wettbewerb um gut ausgebildete Lehrkräfte wäre ihr früherer Berufsstart laut Gesetzentwurf ein Vorteil für den Standort Hessen und seine Schulen.

Mehr eigenverantwortlicher Unterricht

Überdies soll anstelle der heutigen modularen Struktur des Referendariats mit einer Kette unterschiedlicher Ausbildungsschritte eine neue durchgehende Struktur eine "Qualitätssteigerung" erzielen. Die Zahl der Unterrichtsbesuche von Ausbildern, die Referendare langwierig vorbereiten müssen, soll sinken. Die Stundenzahl des eigenverantwortlichen Unterrichts soll von maximal 12 auf 14 bis 16 Stunden erhöht werden.

"Die Novellierung ist die Antwort auf eine sich wandelnde Schule und macht die Lehrkräftebildung individueller, praxisorientierter, kompakter und somit zeitgemäß", sagte Kultusminister Armin Schwarz (CDU). Er kündigte für Oktober eine mündliche Anhörung an. Teilnehmen würden unter anderem Lehrkräfteverbände, Universitäten und weitere Fachleute aus der Schulpraxis.

Gewerkschaft befürchtet sinkende Ausbildungsqualität

Die Bildungsgewerkschaft GEW Hessen kritisiert die Reformpläne. Die geplante Verkürzung des Referendariats um drei Monate liefe auf eine schlechtere Qualität der Ausbildung hinaus. Das Gleiche wäre laut GEW der Fall bei der vorgesehenen Erhöhung des eigenverantwortlichen Unterrichts auf bis zu 16 Stunden pro Woche in der Hauptphase des Referendariats. Umfragen zeigten bereits jetzt eine sehr hohe Belastung der angehenden Lehrkräfte.

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