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DIW sieht Wirtschaft vor Trendwende - Prognosen erhöht

Konjunktur - DIW sieht Wirtschaft vor Trendwende

Container werden im Osthafen entladen
© Andreas Arnold/dpa

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft hellen sich auf. (Archivbild)

Starke Exporte und Robustheit trotz Ölpreisschock: Die deutsche Wirtschaft schlägt sich besser als gedacht. DIW und Bundesbank werden beim Blick nach vorn optimistischer. Doch es gibt auch Warnungen.

Nach Jahren der Flaute hellen sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft immer mehr auf. Nicht zuletzt wegen starker Exporte erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) deutlich mehr Wachstum in den kommenden beiden Jahren. Nach einer starken ersten Jahreshälfte dürfte die deutsche Wirtschaft 2026 um 1,2 Prozent zulegen, teilte das DIW in Berlin mit. Für 2027 rechnen die Wirtschaftsforscher mit einer Rate von 1,0 Prozent, für 2028 mit 0,7 Prozent. 

Damit hat das Institut seine Prognose von Juni mehr als verdoppelt, als nur ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent für dieses Jahr erwartet wurde. Grund sei nicht nur der überraschend starke Außenhandel, auch falle der Energiepreisschock wegen des Iran-Kriegs geringer aus als befürchtet. 

"Die deutsche Wirtschaft steht vor einer möglichen Trendwende zu stärkerem Wachstum in den kommenden zwei Jahren", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Die Konjunkturdynamik sei vor allem der öffentlichen Hand zu verdanken. "Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gehen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück." Neben steigenden Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Rente stützen höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.

Bundesbank ebenfalls optimistischer

Auch nach Einschätzung der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft 2026 deutlich stärker wachsen als bisher prognostiziert. Auf Grundlage der ersten beiden Quartale sei Deutschland "auf dem besten Weg, in diesem Jahr etwa ein Prozent zu erreichen, was deutlich besser ist als unsere Prognose vom Juni", sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel der französischen Zeitung "Le Monde". Im Juni hatte die Bundesbank für das laufende Jahr preis- und kalenderbereinigt 0,5 Prozent Plus vorhergesagt. 

Das Wachstum sei zwar nach wie vor nicht sehr hoch, stellte Nagel fest. Die Exportzahlen seien jedoch zuletzt recht solide gewesen, die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe zufriedenstellend. 

Indikatoren drehen nach oben

In den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,4 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent zugelegt. Dabei bekam die Wirtschaft Rückenwind von den deutschen Exporten, die im Juni Rekordwerte erreichten. 

Schon im Schlussquartal 2025 war die deutsche Wirtschaft gewachsen. Ein Wachstum von einem Prozent dieses Jahr wäre zwar noch kein fulminanter Aufschwung, aber deutlich mehr als die 0,2 Prozent Plus 2025 nach zwei Jahren mit schrumpfender Wirtschaft. Eine bessere Stimmung in der Wirtschaft signalisiert auch der Ifo-Geschäftsklima-Index, der im August den vierten Monat in Folge stieg.

"Anlass zu vorsichtigem Optimismus"

Die Erholung bleibt aus Sicht des DIW aber fragil. "Die privaten Investitionen reichen weiterhin nicht aus, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken", sagte Fratzscher. Auch blieben die globalen Unsicherheiten erheblich. "Eine Eskalation im Nahen Osten oder neue Handelskonflikte könnten die Erholung erneut bremsen." Dennoch gebe es Anlass "zu vorsichtigem Optimismus".

Zuletzt erhöhten immer mehr Ökonomen ihre Prognosen. "Die deutsche Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen", meint DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. 

Im dritten Quartal erwartet das DIW aber nur eine Stagnation der Wirtschaft, da teure Energiepreise und das Niedrigwasser etwa die Chemie- und Metallindustrie belasteten. Vor allem die hohen Gaspreise blieben ein Risiko für den Winter.

Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank
© Sebastian Gollnow/dpa

Ein Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung wäre unverantwortlich und extrem gefährlich, mahnt Bundesbank-Präsident Joachim Nagel.

Bundesbank-Präsident: Euro-Ausstieg wäre extrem gefährlich

Zugleich warnte Bundesbank-Präsident Nagel vor dem Erstarken populistischer Parteien. Angesprochen auf den Aufstieg der AfD in Deutschland sagte er: "Es gibt Menschen in Deutschland, die vorgeben, Patrioten zu sein, und gleichzeitig vorschlagen, den Euro aufzugeben. Ich muss daran erinnern, dass Deutschland dank der Einheitswährung enormen Wohlstand erlangt hat - genau wie Frankreich und die gesamte Währungsunion."

Ein Schritt in Richtung ihrer Auflösung wäre unverantwortlich und extrem gefährlich, und das Ergebnis wäre kontraproduktiv, sagte Nagel. "Ich bin aufrichtig besorgt, dass Menschen in Deutschland - und anderswo - einen solchen Weg in Betracht ziehen."

Deutsche-Bank-Chef: Abschottung löst keine Probleme

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnte wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ebenfalls vor dem Aufstieg populistischer Parteien. "Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben", sagte Sewing beim "Handelsblatt-Bankengipfel" in Frankfurt. "Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit."

"Handelsblatt"-Bankentagung 2026
© Florian Wiegand/dpa

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Abschottung und Nationalismus lösen keine Probleme.

Sewing betonte mit Blick auf die AfD, er halte den Weg einer Partei, die Abschottung und Nationalismus möchte, für absolut falsch für Deutschland. Ein Ausstieg aus dem Euro wäre "Gift für den deutschen Wohlstand". Der Manager warnte: "Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme." Ohne Wachstum würden Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer.

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