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Höhere Semesterbeiträge sorgen für Unmut in Rheinland-Pfalz

Studierende in Rheinland-Pfalz - Belastung durch höhere Semesterbeiträge

Studenten
© Thomas Frey/dpa

Im Wintersemester 2026/27 steigen die Semestergebühren erneut. (Archivbild)

Studierende müssen teils über 100 Euro mehr bezahlen als 2024. Vor allem das Semesterticket verursacht immense Kosten. Wie sich das auswirkt.

Die Entwicklung der Semesterbeiträge dürfte zahlreiche Studierende in Rheinland-Pfalz umtreiben, denn die kennt in letzter Zeit nur eine Richtung: nach oben. Zum Wintersemester 2026/27 gab es weitere Erhöhungen. Nach Angaben der Hochschulen im Land liegt das zum Großteil am höheren Preis des Deutschland-Semestertickets. 

Studierende zahlen für das Ticket 40 Prozent weniger, als das herkömmliche Deutschlandticket kostet. Nachdem der Preis des Tickets Anfang des Jahres auf 63 Euro monatlich angehoben wurde, steigt nun auch der Preis für Studierende - statt 208,80 Euro zahlen sie inzwischen 226,80 Euro pro Semester. 

Seit 2024 gibt es das Deutschland-Semesterticket. Seitdem sind die Semesterbeiträge deutlich gestiegen: an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), der größten Uni des Landes, beispielsweise von 305,55 Euro auf 366,90 Euro - ein Plus von einem Fünftel. Die Universität Koblenz erhöhte ihren Beitrag innerhalb der zwei Jahre um mehr als 100 Euro - von 238,10 Euro auf 350,30 Euro. 381,80 Euro statt 300,40 Euro sind es an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) in Kaiserslautern. 

Unmut aus der Studierendenschaft

Gestiegene Semesterbeiträge bedeuteten steigende Belastungen, sagte Paul Busch vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der RPTU Kaiserslautern. "Wir würden uns wünschen, dass die Erhöhungen nicht notwendig sind." 2024 hätten 97,8 Prozent der Studierenden der Einführung des Deutschland-Semestertickets im Solidarmodell zugestimmt. Seitdem sei der Preis allerdings um über 50 Euro von 176,40 auf 226,80 Euro gestiegen. 

Um nachhaltige studentische Mobilität langfristig zu gewährleisten, brauche es politische Lösungen - etwa eine individuell abbestellbare Ticketalternative in Form eines vergünstigten Studierenden- und Auszubildendentickets. "Die Landesregierung in unserem Bundesland zeigt dafür momentan leider keinen politischen Willen", bemängelte Busch. Auch der Asta der JGU in Mainz wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Politik, etwa durch ein verbilligtes Deutschland-Semesterticket.

Studentenwohnheim
© Michael Brandt/dpa

Auch andere Dinge werden teurer, etwa ein Platz in einem Wohnheim. (Archivbild)

Nicht nur das Semesterticket erhöht die Beiträge

Die Semesterbeiträge setzen sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Neben dem Semesterticket zählen etwa der Beitrag für den Asta oder das Studierendenwerk dazu. Letzterer finanziert unter anderem Mensa, Wohnheimplätze oder Beratungsangebote mit.

Erstmals seit dem Sommersemester 2014 erhöht etwa das Studierendenwerk Koblenz zum Wintersemester 2026/27 seinen Sozialbeitrag um 15 Euro. Grund hierfür seien Mehrkosten für Personal sowie laufende Betriebsausgaben unter anderem für Lebensmittel und Energie. Diese müsse das Studierendenwerk selbst tragen - ohne Zuschuss des Landes. 

Der Asta an der RPTU habe seinen Anteil am Semesterbeitrag um 20 Euro erhöhen müssen, erklärte Busch. Gründe hierfür: rückläufige Studierendenzahlen und die Inflation. In Mainz profitiert der Asta nach eigenen Angaben nicht vom erhöhten Semesterbeitrag. Die Mehrkosten würden ausschließlich in das Deutschland-Semesterticket fließen. 

Aufstockung der Essenszuschüsse?

Sie müssten einsparen und vorhandenes Geld besser verteilen, berichteten Nele Hölscher und Michelle Müller vom Studierendenausschuss in Mainz. "Grundsätzlich wollen wir den Anteil an den Asta nach Möglichkeit nicht oder in der Zukunft nur gering anheben." Das langfristige Ziel: die Studierenden nicht weiter belasten, Angebote und Services trotzdem weiter garantieren können. 

Paul Busch an der RPTU sieht die Politik auch beim Landeszuschuss für Studierendenessen in der Pflicht. Der sei seit 2016 nur leicht gestiegen, trotz allgemeiner Preissteigerungen. Mit zusätzlichen Mitteln könne die Landesregierung Abhilfe schaffen. 

Das Wissenschaftsministerium verwies darauf, dass die Essenszuschüsse für Studierendenwerke 2025/26 um 150.000 Euro auf 5,8 Millionen Euro erhöht worden seien. Auch in Zukunft setze sich die Landesregierung für eine weitere Aufstockung ein. Das Ziel: allgemeine Preissteigerungen abfedern und verhindern, dass diese vollständig an Studierende weitergegeben werden. 

Campus Johannes Gutenberg-Universität in Mainz
© Jennifer Brückner/dpa

Finanzielle Sorgen begleiten so manchen Gang zum Campus. (Archivbild)

Hilfe aus der Studierendenschaft

Regelmäßig gehen beim Mainzer Asta Anträge von Studierenden auf finanzielle Unterstützung ein, wie der Ausschuss berichtete. Beim Arbeitsbereich für Soziales können Studierende, die unverschuldet in eine Notlage geraten sind, Darlehen oder Zuschüsse beantragen. In bestimmten Fällen erstatte oder bezuschusse der Arbeitsbereich für Verkehr auch das Semesterticket. 

In Kaiserslautern würden sich Studierende ebenfalls wegen finanzieller Probleme an den Asta wenden, sagte Busch. Man vermittele Unterstützungsangebote und verleihe im Notfall zinslose Sozialdarlehen. "Kurzfristig nicht in der Lage zu sein, den Semesterbeitrag zu begleichen, könnte ein Grund für die Auszahlung des Darlehens sein." 

Jedoch entstünden finanzielle Probleme nicht allein durch den Semesterbeitrag, betonten Hölscher und Müller in Mainz. Vor allem höhere Lebenshaltungskosten und Mieten belasteten die Studierenden. Zudem zeichne sich ab, dass viele von ihnen ihr Leben nicht ausschließlich mit Bafög bezahlen könnten.

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