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Kerosin für Urlaubsflieger könnte knapp werden

Urlaub in Gefahr? - Kerosin für Flieger könnte knapp werden

Flugzeugbetankung am Flughafen
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Knappheit bei Kerosin könnte das Fliegen teurer machen.

Geht dem Luftverkehr zur Reise-Saison im Sommer der Treibstoff aus? Laut Luftverkehrsverband spitzt sich die Lage zu. Für Passagiere wird es auf jeden Fall teurer.

Geht dem Luftverkehr zur Reisesaison im Sommer der Treibstoff aus? Die Airlines prüfen bereits einzelne Verbindungen, der Luftverkehrsverband in Berlin schlägt Alarm: Schon bald könne der fehlende Kerosin-Nachschub durch die Straße von Hormus zu Engpässen in Europa und Deutschland führen. Denn ein großer Teil der Importe stammt aus dem Nahen Osten, zahlreiche Öl-Anlagen im Krisengebiet sind zerstört.

"Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen", warnt der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands BDL, Joachim Lang. Laut einer Umfrage der "Bild-Zeitung" prüfen die Airlines zwar ihre Verbindungen und entwerfen Krisen-Szenarien. Konkrete Absagen von Ferienflügen gab es bislang aber nicht.

Flugtickets werden teurer

Sicher sind hingegen steigende Ticketpreise. Flüge nach Südostasien oder Australien sind allein wegen des kriegsbedingten Ausfalls der Luftdrehkreuze in den Arabischen Emiraten bereits deutlich teurer geworden. Der Ökonom Gabriel Felbermayr erwartet allgemein deutlich höhere Kosten für Flugreisende. "Die Ticketpreise werden stark steigen, damit wird die Nachfrage nach Flugdienstleistungen zurückgehen", sagte der "Wirtschaftsweise" im Interview beim Deutschlandfunk. Das bleibe nicht ohne Folgen: Wenn die Nachfrage sinke, tue das auch das Angebot: Einzelne Flugverbindungen könnten entfallen, weil sie sich nicht mehr rechnen.

Tiefer Einschnitt bei der Lufthansa

Einen ersten tiefen Schnitt hat die Lufthansa gesetzt, beschleunigt durch die heftigen Streiks ihres fliegenden Personals, die am Freitag erneut hunderte Abflüge ausfielen ließen. Das sofortige Grounding der Regionaltochter Lufthansa Cityline nimmt 27 Maschinen mit meist ungünstigen Verbrauchswerten aus dem Verkehr, was natürlich Lücken im Zulieferverkehr zu den Drehkreuzen Frankfurt und München hinterlässt. Die streikende Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) prophezeit erhebliche operative und wirtschaftliche Schäden für das Unternehmen.

Betankung eines Eurowings-Flugzeugs
© Christoph Schmidt/dpa

Die Kerosinpreise haben sich seit Beginn des Krieges mehr als verdoppelt.

Zuerst hat sich die Kerosin-Krise an asiatischen Flughäfen gezeigt, die schon vor Wochen keine zusätzlichen Flüge mehr angenommen haben. Ob und wann sich die Versorgungslage in Europa zuspitzt, hängt laut BDL maßgeblich von der Dauer des Iran-Kriegs ab. Selbst bei einem kurzfristigen Ende werde sich die Lage auf den Energiemärkten aber nur langsam entspannen. Die Preise für Kerosin haben sich seit Beginn des Krieges mehr als verdoppelt. 

Der Verband verweist auf Energieexperten, denen zufolge am Persischen Golf mehr als 80 Anlagen teils schwer beschädigt seien. "Die Mineralölwirtschaft geht davon aus, dass noch für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar sind", sagt Lang. Das allein verschärft den Wettbewerb um die verbleibenden Mengen. 

Ersatz für Importe aus Nahost gesucht

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte Kerosin in Teilen Europas wegen der Lage in der Straße von Hormus in den nächsten Wochen knapp werden. "Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen", hieß es von der in Paris ansässigen IEA. Dies hänge davon ab, wie viel der eingebüßten Lieferungen aus dem Mittleren Osten Länder durch andere Importe wettmachen könnten. Bislang seien 75 Prozent der europäischen Kerosin-Nettoimporte aus dem Mittleren Osten gekommen.

DHL-Tanklager am Flughafen Leipzig/Halle
© Jan Woitas/dpa

Es gibt eine erhebliche Abhängigkeit von der Produktion auf der arabischen Halbinsel.

Ersatz-Kerosin kommt bislang vor allem aus den USA, so der BDL. Die Lieferungen könnten allerdings bislang nur rund die Hälfte der ausfallenden Mengen ersetzen. Es drohten niedrige Bestände und ein enger Markt mit weiter steigenden Preisen über den Sommer hinaus. 

Die EU-Kommission sieht bislang keine Hinweise auf systemische Kraftstoffengpässe, die zu weitreichenden Flugausfällen führen würden. Der Markt sei bislang mit der angespannten Lage zurechtgekommen. Man beobachte die Lage sehr genau, sagt eine Sprecherin Brüssel. Sollte die Situation in der Straße von Hormus anhalten, bereite sich die EU auf koordinierte Maßnahmen vor.

Produktion deutscher Raffinerien

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Energex Partners ist die Produktion von Flugzeugtreibstoff in Europa einschließlich Großbritannien von 2019 auf 2024 um ein Viertel geschrumpft. Auch in Deutschland wurden Kapazitäten zur entsprechenden Verarbeitung von Rohöl abgebaut. Eine erhebliche Abhängigkeit von der Produktion auf der arabischen Halbinsel sei entstanden.

Der BDL verweist auf Zahlen des Energieverbands en2x, nach denen 2024 von den rund 9 Millionen Tonnen in Deutschland abgesetzten Kerosins rund 5,9 Millionen Tonnen importiert wurden. In deutschen Raffinerien seien 4,8 Millionen Tonnen hergestellt worden, von denen noch 1,6 Millionen Tonnen exportiert worden seien.

Freigabe von Reserven gefordert

An konkreten Gegenmaßnahmen schlägt der Verband wie auch der europäische Airlineverband "A4E" eine enge staatliche Überwachung der vorhandenen Kerosin-Mengen vor. Zudem sollten nationale und europäische Reserven freigegeben werden. Helfen könnten zusätzliche Durchleitungsrechte für die sogenannte Nato-Pipeline, um die Flughäfen in Frankfurt, Köln, München und Zürich besser versorgen zu können.

Weniger Schutz für Passagiere?

Die Branche will zudem in der Krise von Steuern und Abgaben entlastet werden. Ein Vorschlag würde dabei zulasten der Passagiere gehen. Der BDL will erreichen, dass Flugausfälle oder Verspätungen aus Spritmangel als "außergewöhnliche Umstände" bewertet werden, bei denen dann keine Entschädigungen nach der EU-Passagierrechtsverordnung gezahlt werden müssten.

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