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> Nächste Pharma-Firma will Stellen in Marburg abbauen
04.02.2026, 12:23 Uhr
Pharma-Standort Marburg -
Auch CSL Behring will nun Stellen abbauen
© dpa
Das Marburger Schloss. Die Universitätsstadt fürchtet um die hier angesiedelte Pharma-Branche.
Der Pharma-Standort Marburg gerät weiter unter Druck. Offensichtlich will auch CSL Behring nun Stellen abbauen.
Auf FFH-Anfrage bestätigt Behring aber lediglich eine strategische Neuausrichtung im Konzern und bittet um Geduld. Auch andere Pharma-Firmen bauen in Marburg derzeit Stellen ab, wie FFH berichtete.
Bis zu 350 Arbeitsplätze auf der Kippe
Nächste Woche soll es eine Betriebsversammlung geben. Anne Weinschenk von IGBCE-Mittelhessen sagt im FFH-Interview: “Wir stehen noch ganz am Anfang.” Möglicherweise stünden 10-15 Prozent der Arbeitsplätze in Marburg bei CSL Behring auf der Kippe, also bis zu 350 aus allen Arbeitsbereichen.
Weinschenk: "Ich verstehe nicht, was das soll"
Anne Weinschenk, Leiterin IGBCE Mittelhessen, hat kein Verständnis für den angekündigten Stellenabbau.
Automatisch erstellte Abschrift des Audios:
Also der Standort ist sehr profitabel, also da wird Geld verdient und da werden wichtige Medikamente hergestellt, die fast keiner sonst weltweit herstellt. Also da hängen auch Patienten hinten dran, die die Medikamente brauchen. Und ich habe das Unternehmen bisher auch immer so eingeschätzt, dass sie sich dieser Verantwortung auch bewusst sind und auch das weiterführen wollen. Und deswegen alleine schon verstehe ich nicht, was jetzt diese Ankündigung soll mit dem Personalabbau. Der ganze Industriepark da in Marburg, der Pharma-Standort, ist jetzt schon zerrüttet und ängstlich und völlig unsicher. Und so eine Botschaft ist auch nicht anständig, den Arbeitnehmern hier so vor den Latz zu knallen. Das müssen wir hier aber erstmal Leute abbauen, weil die Konzernspitze das einfach von uns will, ohne plausible Begründung.
Droht in Marburg ein weiterer Stellenabbau bei den Pharma-Firmen - gar ein…
"Standort ist profitabel"
“Ich habe dafür keine Verständnis,” so die Gewerkschafterin, denn der Standort sei profitabel und stelle seltene und dringend benötigte Medikamente her. Sie sieht den Pharma-Standort Marburg massiv unter Druck. “Es ist nicht anständig, den Kolleginnen und Kollegen einfach so vor den Latz zu knallen, dass man mal Stellen abbaue, weil es die Konzernspitze wolle.” Auch in Marburg sei es längst nicht mehr so, dass Arbeitnehmer in Pharma-Firmen hier von der Ausbildung bis zur Rente Beschäftigung finden würden.
Ludwig: "Die Chancen am Standort sehen nicht rosig aus"
CSL Innovation-Betriebsrat Sascha Ludwig über die Jobsuche seine Kollegen.
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Einige haben sich in der Region umgeschaut, auch in Richtung Rhein-Main-Gebiet, andere auch weiter weg. Die Chancen sehen natürlich hier direkt am Standort nicht ganz so rosig aus, weil mehr oder weniger der gesamte Standort natürlich von Stellenabbaumaßnahmen geplagt ist. Es ist nicht komplett aussichtslos, es gibt schon noch Vereinzelstellen, aber natürlich nicht in der Menge.
Forschungscampus schon in Auflösung
In Auflösung befindet sich bereits CSL Innovation, also der Forschungscampus. 500 Arbeitsplätze gehen hier verloren. Betriebsrat Sascha Ludwig erzählt im FFH-Gespräche, das viele Kollegen auch im Rhein-Main-Gebiet nun auf Jobsuche seien. Der Standort Marburg biete nicht ausreichend Arbeitsmöglichkeiten für die zum Teil hochqualifizierten Fachkräfte. Auch die Pharma-Firmen Biontech und Nexelis bauen derzeit Pharma-Arbeitsplätze in Marburg ab.