Große Dankbarkeit in Mittenaar - So haben die Voraus-Helfer Leben gerettet
Wenn es um Leben und Tod geht, zählt jede Sekunde. Doch gerade auf dem Land braucht der Rettungsdienst häufig einige Minuten, um zum Einsatzort zu gelangen. In der Feuerwehr Mittenaar im Lahn-Dill-Kreis gibt es deshalb seit genau einem Jahr die Voraus-Helfer. Sie sind im Notfall schneller vor Ort und konnten so Anfang Januar einem Mann das Leben retten.
Voller Dankbarkeit steht Klaus Dietrich am Dienstagabend im Feuerwehrgerätehaus in Mittenaar. Denn dass er diesen Tag gesund und munter im Kreise seiner Retter verbringen kann, ist nicht selbstverständlich: Am 5. Januar diesen Jahres wäre sein Leben nach einem Herzinfarkt beinahe zu Ende gewesen.
Plötzlich ohnmächtig
Auf der Heimfahrt aus Bad Endbach bemerkte er plötzlich Schwindel und starke Schmerzen. Kurze Zeit später sei er auf dem Beifahrersitz ohnmächtig geworden, berichtet Dietrich im FFH-Gespräch. “Ich hatte riesiges Glück, dass das genau hier in Mittenaar passiert ist, wo mir so schnell geholfen werden konnte", so der 73-Jährige Herborner.
Viele Sanitäter in der Feuerwehr
Denn in der kleinen Gemeinde östlich von Herborn wurde im März 2025 das Pilotprojekt der Voraus-Helfer ins Leben gerufen. Da viele Ehrenamtliche der Feuerwehr auch parallel eine Aubildung als Rettungssanitäter besitzen, entstand die Idee, diese Ressource für eine schnellere Notfallversorgung zu nutzen, erzählt Mit-Initiator Anton Frink am FFH-Mikro. Gerade auf dem Land ein riesiger Vorteil.
Meist schneller als der Rettungsdienst vor Ort
“Der Rettungsdienst braucht häufig die gesamte Hilfsfrist von 10 Minuten bis er am Einsatzort ist. Bei einem Herzstillstand treten aber schon nach drei bis fünf Minuten irreparable Schäden im Gehirn auf”, so der engagierte Feuerwehrmann. Die Voraus-Helfer, die direkt in den Ortsteilen von Mittenaar wohnen, können dagegen viel schneller vor Ort sein und Hilfe leisten.
Ehrenamt von großem Wert
“Wir überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens und helfen danach als zusätzliche Kräfte bei der weiteren Versorgung”, erläutert Frink das Konzept. Alles ehrenamtlich, versteht sich. Für Klaus Dietrich war dies die Rettung: Beim Absetzen des Notrufs wurde automatisch Voraushelfer Florian Springer mitalamiert.
Reanimation in Rekordzeit
Der war gerade in der Nähe, konnte als erster schon nach zweieinhalb Minuten an der Einsatzstelle sein und mit der Reanimation beginnen.Wenige Minuten später traf ein zweiter Voraus-Helfer mit dem Defibrillator aus dem Gerätehaus ein. Schon beim Abtransport mit dem Rettungswagen hatten die Helfer Dietrichs Kreislauf wieder stabilisiert.
Großer Dank an die Lebensretter
“Das hätte nicht besser laufen können”, erinnert sich Florian Springer voller Erleichterung an den Einsatz. “Die Nerds unter uns würden sagen, das war eine High-Performance-Reanimation”. Das sieht auch Klaus Dietrich so. Er ist deshalb noch einmal mit seiner Familie zur Feuerwehr Mittenaar gekommen, um sich bei seinen Lebensrettern zu bedanken. Auch für die Helfer selbst ein emotionales Wiedersehen.
Dietrich: “Besser irgendwas tun, als nichts tun”
Doch Dietrich hat noch etwas anderes im Sinn. Er er mit seiner Geschichte andere Menschen ermutigen, im Notfall erste Hilfe zu leisten. “Es ist immer besser, irgendwas zu tun, als nichts zu tun”, so sein Credo. Für das Voraus-Helfer-Projekt konnte er in der Politik zudem viele Mitstreiter gewinnen, sodass die Stadt Herborn jetzt ebenfalls ein solches Team ins Leben ruft.
Konzept wird ausgeweitet
In Mittenaar hat sich das Konzept nach einem Jahr auf jeden Fall bewährt und soll weiter ausgebaut werden, da sind sich alle
Verantwortlichen einig. 31 Einsätze, darunter sieben Reanimationen in einem Jahr zeigten, wie wichtig die Voraus-Helfer sind, betont Anton Frink. Der erste Schritt in die Zukunft: Ein eigenes Fahrzeug mit Notfall-Material wie einem Defibrillator, das die Feuerwehr nun stolz präsentieren konnte.