Milchpreis stark gesunken - Hessens Landwirte kämpfen um die Existenz
Hessische Milchbauern stecken gerade doppelt in der Krise: Der Preis für ihre Milch ist in wenigen Monaten drastisch gefallen - und gleichzeitig treiben gestiegene Diesel- und Düngerkosten die Betriebsausgaben in die Höhe. Für viele Betriebe geht es mittlerweile um die Existenz.
Volker Lein, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Vogelsberg, hält selbst Milchkühe und erlebt die Krise hautnah. Sein Urteil fällt deutlich aus: „Die Lage bei dem Milchpreis ist momentan eine Katastrophe für den Milchviehhalter." Seit Oktober vergangenen Jahres sei der Milchpreis von 48 Cent pro Liter auf momentan 31 Cent gesunken, berichtet der Landwirt im FFH-Gespräch.
Milchüberschuss und Kritik am Handel
Der Grund für den Preisverfall liegt in einem leichten Überangebot: Deutschlandweit wurden zuletzt rund fünf Prozent mehr Milch produziert als üblich. “Und das nutzt der Handel direkt gnadenlos aus, um die Preise so dramatisch zu drücken”, sagt Lein, der in Bleidenrod (Homberg/Ohm) neben dem Milchbetrieb eine Fläche von gut 340 ha bewirtschaftet und damit breit aufgestellt ist. Für viele seiner Kollegen könne die aktuelle Krise aber existenzbedrohend sein.
Dauerbelastung durch Dünger- und Dieselpreise
Denn während die Einnahmen sinken, steigen an anderer Stelle die Ausgaben. Der Iran-Krieg hat die Dieselpreise in die Höhe getrieben. Dazu kommt: Die Düngerpreise sind um rund 50 Prozent gestiegen - und auf Dünger kann Lein nicht verzichten. „Das verschärft die Krise extrem", sagt er. Die Folge: Einige Kollegen denken bereits ernsthaft darüber nach, die Milchproduktion aufzugeben. Lein bringt die Lage nüchtern auf den Punkt: „Das ist wie in jedem anderen Beruf auch - man muss neben der Freude am Beruf auch Geld verdienen."
Leise Hoffnung auf den Herbst
Ganz aufgeben will Lein trotzdem nicht. Er sieht kleine Lichtblicke: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf dem Milchmarkt zeichnet sich eine leichte Besserung ab." Allerdings: Über den Sommer hinaus müssen die Bauern wohl noch mit den niedrigen Preisen leben. Erst Richtung Herbst könnte der sogenannte Spot-Milchmarkt einen Anstieg um einige Cent bringen. „Wie das ausgehen wird, wissen wir nicht. Das ist natürlich ein Stück weit Hoffnung", so Lein.
Gleichzeitig richtet er einen klaren Appell an die Politik: Neben besseren Milchpreisen brauche es dringend Entlastung bei Energie und Dünger - „und da setzen wir auf die Bundesregierung, die hoffentlich bald mal ins Handeln kommt."