"Da muss etwas passieren!" - Greifenstein Wölfe im Jagdfieber
Sorge in Greifenstein im Lahn-Dill-Kreis. Das bestätigte Wolfsrudel im Bezirk scheint verantwortlich für mehrere Riss-Angriffe.
Hessenforst bestätigt, dass ein Wolf oder Wölfe in neun Schafe des Outdoorzentrums Lahntal getötet haben. Weitere Risse in der Nähe werden derzeit untersucht.
FFH hat einen betroffenen Schafhalter im Outdoor-Zentrum Lahntal besucht und mit dem Wolfszentrum angesiedelt bei Hessenforst gesprochen und bereits früher über Wölfe in der Region berichtet. Wildkameras hatten bereits ein großes Wolfsrudel nachts aufzeichnen können. Nach dem neuen Bundesjagdgesetz ist es möglich, Wölfe unter strengen Auflagen zu entnehmen.
Schock im Outdoor-Zentrum
Outdoor-Zentrums-Betreiber Manfred Köhnen ist sichtlich mitgenommen. Zu FFH sagt er: “Das ist schon hart, wenn du deine Tiere da liegen siehst. Ich habe nix gegen den Wolf. Aber hier gerät etwas aus der Balance.”
Schafe können nicht mehr auf die Weide
Die Schafe waren auf einer eingezäunten Wiese in der Nähe des Outdoorzentrums, die aber laut Wolfszentrum nicht den strengen Kriterien für Herdenschutz entsprochen habe. Die Wölfe oder der Wolf hätten, so Tierhalter Köhnen, hätten ein Schaf gefressen und die anderen einfach getötet und liegengelassen. Drei Schafe überlebten den Angriff und sind nun in einem Stall mit kleinem Auslauf.
Tiere immer noch verängstigt
Beim Besuch der FFH-Reporterin wirken die Tiere panisch, rennen geduckt im Kreis und lassen sich vom Schafhalter nicht mehr wie früher anfassen. Tierfreund Köhnen ist ratlos und sagt: “So geht es hier vielen. Ein Gehege mit Dammwild hat schon zugemacht nach Wolfsangriffen, am alten Schwimmbadgelände gibt es keine Schafe mehr, die die Wiesen abfressen. Das kann man doch nicht immer weiter wegschweigen.”
Blutrausch oder Surplus-Killing?
Der Anblick der verängstigten Schafe macht Tierfreund Manfred Köhnen traurig. Er sagt: “Ich habe nichts gegen Wölfe. Aber es muss eine Balance geben. Die haben die Schafe noch nicht mal gefressen, sondern einfach nur getötet.”
Beliebt bei Familien und Ausflüglern
Sein kleiner Streichelzoo mit ein paar Ponys, Eseln, Schafen, Vögeln und wunderschönen Pfauen im Outdoorzentrum bei Allendorf ist besonders beliebt bei den Kindern. Auch Schulklassen verbringen hier an der Lahn Klassenfahrten in der Natur. Es gibt Kanufahrten und viele Tagesausflügler Ausflügler vom Ulstertalradweg. Alle kommen, um die Tiere zu streicheln, Zeit in der Natur zu verbringen und in der kleinen Gaststätte etwas zu trinken.
Hessenforst bestätigt Wolfsrisse
Hessenforst bestätigt, dass Wölfe die Tiere gerissen haben und kündigt weitere genetische Analysen an, um festzustellen “welches Individuum für die Risse verantwortlich ist.” Die Untersuchung führt das Labor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung durch.
Wolfsrudel in der Region etabliert
HIT RADIO FFH befragt Hessenforst zu den Angriffen, die die Behörde bestätigt. Allerdings habe es für die Schafherde keine "ausreichende Grundsicherung" gegeben. Im Territorium Greifenstein hat sich ein Wolfsrudel etabliert mit mindestens sechs Tieren. In der gleichen Region werden immer wieder größere Risse berichtet, einige davon bestätigt Hessenforst durch entnommene DNA-Proben. Ob einzelne Tiere oder ein Rudel für die Angriffe verantwortlich sind, werde noch untersucht.
Hessenforst zu den Angriffen
Das Wolfszentrum bezeichnet den Angriff als “Surplus Killing” Angriff, bei dem mehr Tiere getötet würden, als gefressen werden. Ausgelöst werde das Verhalten, weil die Beutetiere im eingezäunten Areale nicht flüchten könnten. Dadurch würde der Jagdinstinkt der Raubtiere immer wieder angeregt. Umgangssprachlich wird das ganze als Blutrausch bezeichnet.
Angriffe können sich wiederholen
Das Wolfszentrum sieht durchaus die Gefahr, dass sich solche Angriffe in Greifenstein wiederholen, da die Wölfe schnell lernten. Outdoor-Zentrum Manni Köhnen dazu: “Das ist jetzt für die eine Futterstelle hier.” Die Lösung von Hessenforst: Neuanschaffung und Optimierung von Zaunanlagen, hierzu gäbe es auch präventive Förderung.
Greifensteiner Wald bleibe Erholungsort
Daneben rät das Wolfszentrum Menschen bei einer unwahrscheinlichen aber möglichen Wolfsbegegnung ruhig zu bleiben und sich langsam zurückzuziehen und gegebenenfalls laut in die Hände zu klatschen. Allerdings sollten Hunde in Wolfsgebieten angeleint bleiben. Trotzdem bleibe der Wald ein Erholungsort und es gebe keinen Grund, ihn zu meiden.
Neues Bundesjagdgesetz
Nach dem neuen Bundesjagdgesetz, dürfen Wölfe unter strengen Auflagen gejagt werden - zum Beispiel wenn ein Regionales Bestandsmanagement vorliegt, wofür allerdings zunächst ein Managementplan aufgestellt werden müsse, so Hessenforst-Sprecher Moritz Frey auf FFH-Anfrage. Dass in der Region ein nachgewiesenes Wolfsrudel lebe, reiche allerdings nicht aus. Das Jagdgesetz wurde im Frühjahr verabschiedet, ist aber nicht angewendet worden. Die letzte Jagd auf einen Wolf soll in Hessen 1841 stattgefunden haben.
Ob das möglicherweise wachsende Wolfsrudel bei Greifenstein ein Fall für das neue Jagdgesetz werden könnte, wird die Zukunft zeigen.
Video des Landesjagdverbandes Hessen