Gießen: Streit um Alkohol im Vereinsheim - Pächter gekündigt
Kein Alkohol im Vereinsheim - Gießen: Pächter von Tennisclub gekündigt
Beim Tennisclub Rot-Weiß in Gießen ist ein Konflikt um den Alkoholausschank im Vereinsheim aus dem Ruder gelaufen. Die neuen Pächter Bayram und Isabell Dalkilic wollten mit einem alkoholfreien Konzept an den Start gehen. Doch unter anderem das wurde nun zum Auslöser einer fristlosen Kündigung.
Eigentlich wollten die neuen Pächter an diesem Wochenende regulär eröffnen. Kurz davor hat der Verein dem Ehepaar jedoch fristlos gekündigt. Wie TCRW-Vorsitzender Fred Ostermeyer HIT RADIO FFH gegenüber bestätigt, kann die Pächterseite bis zum 20. Mai Widerspruch gegen die fristlose Kündigung einreichen. Das Ehepaar, das drei Kinder hat, soll Ladenlokal samt angrenzender Wohnung räumen. Hier zeige sich der Verein “kompromissbereit” im Hinblick auf den Zeitpunkt.
Pächter wollten bewusst keinen Alkohol anbieten
Nach Angaben von Isabell Dalkilic war von Anfang an klar, dass das Paar kein Bier, keinen Wein und keine Spirituosen ausschenken will. „Wir verkaufen keinen Alkohol“, habe man in Gesprächen mit Vereinsvertretern mehrfach gesagt. Das gastronomische Konzept der Dalkilics stammt vom Gießener Wochenmarkt, wo sie mit ostanatolischen Gerichten erfolgreich sind. Alkohol passe dazu aus ihrer Sicht nicht. Die Pächterin betont außerdem, man wolle einen familienfreundlichen Ort schaffen. Spekulationen, die Entscheidung hänge mit dem muslimischen Glauben des Paares zusammen, weist sie zurück.
Verein “belogen und betrogen”
Der Verein sieht das grundlegend anders. In der Kündigung heißt es laut Medienberichten, es sei „völlig ausgeschlossen“, in einem Vereinsheim eines Sportvereins keinen Alkohol auszuschenken. Damit ist der Kern des Streits klar: Die Pächter berufen sich auf ihr Konzept, der Verein auf das klassische Verständnis eines Vereinsheims. Eine Einigung sei “kaum noch möglich”, so Ostermeyer im FFH-Gespräch. Der Verein sei “belogen und betrogen” worden - auf die Wahlfreiheit der Getränke sei bei der Unterzeichnung des Pachtvertrags unter Zeugen gepocht worden. Auch den Gerichtsweg über Gießen hinaus schließt der Vereinsvertreter auf FFH-Nachfrage nicht aus.
Bereits investiert und umgebaut - aber ohne Genehmigung
Die Dalkilics haben nach eigenen Angaben bereits viel Arbeit in das Lokal gesteckt, so berichtete auch die Gießener Allgemeine. Sie verlegten neue Fliesen, bauten eine Trennwand ein und errichteten eine neue Theke. Die alte Theke sei marode gewesen. Den Vorwurf, eine Bierleitung entfernt zu haben, weist die Pächterin zurück. Diese sei lediglich gekürzt und abgedeckt worden und könne wieder freigelegt werden. Der Vereinsvorsitzende bemängelt gegenüber FFH aber, dass für die baulichen Veränderungen keine Genehmigung vorgelegen habe.
Kompromiss bislang ohne Erfolg
Als Kompromiss könne sich das Ehepaar vorstellen, Bier und Wein außerhalb des Lokals in einer separaten Bude auszuschenken. Für den Verein reicht das nicht - bei dem Häuschen handelt es sich laut Ostermeyer um den Ort der Turnierleitung bei Events auf dem Tennisgelände.