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Junge Menschen finden oft nur befristete Jobs

Ergebnisse aus Mikrozensus - Junge Menschen finden oft nur befristete Jobs

Ein junger Mann räumt Bücher in ein Regal ein
© Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn

Vor allem junge Leute nehmen notgedrungen befristete Jobs an. (Symbolbild)

Der Anteil befristeter Jobs geht zurück. Es trifft aber weiterhin vor allem Menschen am Anfang ihres Berufslebens. Gegen den geplanten Ausbau der Befristungsmöglichkeiten hat sich Widerstand formiert.

Befristete Arbeitsverträge werden in Deutschland weiterhin vor allem mit jungen Menschen abgeschlossen. In der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren waren vergangenes Jahr 18,3 Prozent der Erwerbspersonen befristet beschäftigt, wie das Statistische Bundesamt auf Grundlage des Mikrozensus 2025 berichtet. Das ist fast jeder und jede Fünfte. Die ebenfalls befristeten Ausbildungsverhältnisse sind hier nicht berücksichtigt. 

Der Anteil bei den jungen Menschen ist mehr als dreimal so hoch wie bei sämtlichen Erwerbstätigen mit einem Anteil von 6 Prozent befristeter Jobs. Das entspricht bundesweit rund 2,2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. In der höchsten Altersklasse von 55 bis 65 Jahren sind nur noch 2,8 Prozent befristet angestellt, nur noch gut jeder 35. 

"Atypische Beschäftigung" geht zurück

Damit sind die Jobs auf Zeit am deutschen Arbeitsmarkt insgesamt rückläufig. 2015 hatte ihr Anteil noch 7 Prozent betragen. Insgesamt arbeiteten laut Bundesamt 2025 rund 6,4 Millionen Menschen in sogenannten "atypischen" Beschäftigungsformen wie Befristung, Minijob, kurzer Teilzeit oder Zeitarbeit. Das entsprach wie schon im Vorjahr 17,2 Prozent der Kernerwerbstätigen. Langfristig ist dieser Anteil nach Destatis-Angaben rückläufig. 2015 hatte er noch 20,8 Prozent betragen. 

Freiwillig macht das kaum wer

Freiwillig geht kaum jemand einen befristeten Job ein. Lediglich 2,7 Prozent der befristet Beschäftigten gaben an, sich bewusst für diese Vertragsform entschieden zu haben. Mehr als die Hälfte der Befristungen hatte zudem eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Besonders weit verbreitet sind Befristungen im Bildungssektor mit den Universitäten und einem Anteil von 11,2 Prozent. Auch im Gastgewerbe gibt es mit 8,8 Prozent mehr Zeitverträge als in der Gesamtwirtschaft. 

Arbeitsmarkt
© Patrick Pleul/dpa

Viele Jobs entsprechen nicht mehr dem klassischen Vollzeitmodell. (Symbolbild)

Der Vize-Vorsitzende des DGB, Stefan Körzell, macht auf mögliche Nachteile befristeter Arbeitsverhältnisse aufmerksam. Er sagt: "Wer befristet arbeitet, lebt mit großer Unsicherheit: Es fällt schwer, das eigene Leben zu gestalten und die eigenen Interessen im Arbeitsverhältnis durchzusetzen." Ein unbefristeter Vertrag sei für viele die Voraussetzung, einen Mietvertrag abzuschließen, eine Familie zu gründen oder sich weiterzubilden und langfristig an ihr Unternehmen zu binden. 

Gegen längere Befristungen ohne Sachgrund

Körzell wandte sich erneut gegen Pläne der Regierungskoalition, die sogenannten sachgrundlosen Befristungen auf bis zu 48 Monate zu verlängern. Sie müssten stattdessen ersatzlos gestrichen werden, verlangt der Gewerkschafter. "Nur wer sicher im Job ist, kann sich mit der eigenen Arbeit und dem Unternehmen identifizieren. Das ist ein Standortvorteil - kein Hindernis."

Frau unterschreibt einen Arbeitsvertrag
© Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

Frauen sind etwas häufiger befristet beschäftigt als Männer. (Symbolbild)

Die Regierungskoalition plant im Zuge der Sozialstaatsreformen die Möglichkeit einer längeren Befristung von neuen Arbeitsverhältnissen. Sachgrundlose Befristungen sollen für bis Ende 2030 eingestellte Arbeitnehmer bis zu 48 Monate möglich werden und sechsmal verlängert werden dürfen, wie aus den Ergebnissen des Koalitionsausschusses hervorgeht.

IAB-Forscher: Befristungen sind gezieltes Mittel

Den vor wenigen Wochen verabredeten Plan von Union und SPD hatte unter anderem der Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber befürwortet. "Wir haben zu wenig Risikoinvestitionen, wir schaffen zu wenige neue Stellen", sagte der Arbeitsmarktforscher vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Das berge die Gefahr, dass Investitionen aus Vorsicht gar nicht erst getätigt werden.

Durch die von bisher zwei auf vier Jahre ausgedehnte Befristung von Arbeitsverträgen nur bei Neueinstellungen werde Arbeitgebern die nötige Flexibilität an die Hand gegeben, argumentiert der Experte. Das sei besser, als den bewährten Kündigungsschutz für alle Arbeitnehmer aufzugeben, die nicht neu und befristet eingestellt wurden. "Befristungen sind das gezieltere Mittel."

Sozialverband will umfassende Änderungen 

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrüßt, dass der Anteil befristeter und atypischer Beschäftigung langfristig zurückgehe. Es bleibe aber alarmierend, dass gerade junge Menschen schon zu Beginn ihres Berufslebens mit Unsicherheit und fehlender Planungssicherheit konfrontiert seien, sagt die Vorsitzende Michaela Engelmeier. Der Verband fordert die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung, die Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, eine Eindämmung der Leiharbeit und mehr tarifgebundene, gut bezahlte Arbeit.

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