Spatenstich in Twistetal - Bau von Continental-Windpark gestartet
In Twistetal hat heute offiziell der Bau von drei riesigen Windrädern begonnen. Sie sollen künftig einen großen Teil des Stroms für das Continental-Reifenwerk in Korbach liefern - und das ausgerechnet in einer Zeit, in der beim Werk auch Stellen wegfallen.
Mit dem heutigen Spatenstich in Twistetal ist offiziell der Bau des ersten unternehmenseigenen Windparks von Continental gestartet. Zur Veranstaltung kamen Vertreterinnen und Vertreter des Projektpartners VEW sowie aus Politik und Verwaltung zusammen. Klaus Ohlwein, Werkleiter des Continental-Reifenwerks in Korbach, erklärte im Gespräch mit FFH, welche Rolle die neue Anlage für den Standort spielt.
55 Gigawattstunden Windstrom pro Jahr
Die drei Windenergieanlagen sollen künftig jährlich rund 55 Gigawattstunden Strom erzeugen und zusammen mit den bestehenden Photovoltaikanlagen etwa zwei Drittel des Strombedarfs des Werks decken. Der Strom soll über eine direkte Leitung ins Werk fließen und dort vor allem für energieintensive Prozesse wie das Mischen von Kautschukrohstoffen genutzt werden. Für Ohlwein steckt dahinter mehr als nur Klimaschutz: "Energiesicherheit, Planungssicherheit und Nachhaltigkeit" seien die drei Argumente, die für den Windpark sprechen.
Warum sich die Investition rechnet
Nachhaltigkeit bedeute für ihn nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Verantwortung, so der Werkleiter. Der Windpark solle helfen, sowohl Ressourcen zu schonen als auch die Energiekosten am Standort zu senken - ein Aspekt, der an einem Hochlohnstandort wie Korbach besonders schwer wiege. "Wir müssen immer gucken, wo macht eine Produktion wirtschaftlich Sinn", brachte Ohlwein die Überlegung auf den Punkt.
VEW bringt Erfahrung aus der Region ein
Projektpartner ist die Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für erneuerbare Energien mbH (VEW) aus Korbach, die das Projekt von der Bauphase bis zur geplanten Inbetriebnahme Ende 2027 begleitet. VEW-Geschäftsführer Frank Beitz sieht darin einen "wichtigen Beitrag zur Sicherung des Industriestandorts Nordhessen". Auch Ohlwein betonte, dass der Rückhalt für das Projekt in der Region breit sei - neben Continental hätten auch die VEW und die Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) als lokale Partner mitgewirkt.
Millioneninvestition trotz Produktionsschließung
Der Baustart fällt in eine Phase, in der Continental gleichzeitig Stellen abbaut: Bis Mitte 2029 wird die Industriereifenproduktion in Korbach eingestellt, rund 140 Beschäftigte sind betroffen. Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich - Millioneninvestition auf der einen, Werksschließung auf der anderen Seite. Ohlwein erklärte den scheinbaren Widerspruch damit, dass sich einzelne Produktionsbereiche wirtschaftlich irgendwann nicht mehr tragen lassen und ein Unternehmen sich dann anpassen müsse, während der Windpark insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit des Gesamtstandorts stärken solle.
Speicher als mögliches Zukunftsthema
Ob Continental in Korbach langfristig komplett auf eigenen Strom umsteigen könnte, ließ Ohlwein offen. Man sei vorerst froh, rund zwei Drittel des Bedarfs zu decken; über zusätzliche Speichermöglichkeiten werde zwar bereits nachgedacht, eine Entscheidung dazu stehe aber noch aus. Das Thema befinde sich, so der Werkleiter, noch "in den Anfangsdiskussionen".
Standort langfristig sicherer
Wie lange der Standort Korbach in dieser Form bestehen bleibt, wollte Ohlwein nicht genau vorhersagen - das könne niemand seriös versprechen. Fest stehe für ihn aber: "Der Standort ist wesentlich sicherer durch diese Maßnahme."
Teil einer globalen Strategie
Der Windpark in Twistetal reiht sich in eine größere Strategie von Continental ein: Bereits seit 2020 deckt der Konzern seinen weltweiten Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen. Innerhalb von vier Jahren habe Continental die Emissionen in der Reifenproduktion um rund 180.000 Tonnen CO₂ reduziert, seit Anfang 2026 verzichte das Unternehmen an allen Produktionsstandorten vollständig auf Kohle und Schweröl. Die Turbinen im Windpark Twistenberg sollen nach Angaben von Hersteller Nordex etwa 18 Monate nach dem Spatenstich vollständig ans Netz gehen.