"Parkinson wie abgeschaltet" - Fuldaerin bei Tischtennis-WM in Hannover
Steife Muskeln, Zittern, Gleichgewichtsstörungen - das ist Parkinson, eine unheilbare Krankheit. Bettina Lahn aus Fulda hat Parkinson. Aber wenn sie Tischtennis spielt, ist plötzlich alles anders: Ihre Bewegungen sind plötzlich rund, stabil und koordiniert. Auf die Idee gebracht wurde sie erst jetzt im Mai 2026, erzählt sie HIT RADIO FFH - bei einem Aufenthalt in der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel, die auf Parkinson spezialisiert ist. Seit Mai spielt sie, ab morgen tritt sie bei der PingPongParkinson-WM in Hannover an.
Vom 26. bis 30. September 2026 wird Hannover zum Mittelpunkt der 7. PingPongParkinson-Weltmeisterschaft: In der Akademie des Sports und der Swiss Life Hall treten fast 800 Spielerinnen und Spieler aus 35 Ländern gegeneinander an - Rekord. Mittendrin: Bettina Lahn aus Fulda, 61 Jahre alt, Parkinson-Patientin und Tischtennisspielerin seit gerade einmal wenigen Monaten.
Erst seit Mai dabei - und schon bei der WM
„Im Mai diesen Jahres habe ich angefangen, Tischtennis zu spielen - bei meinem dritten Aufenthalt in der Parkinson-Klinik in Kassel." Zur WM-Anmeldung ermutigt hat Bettina Lahn ihre Vereinskollegin Silke Kind, selbst amtierende Weltmeisterin. „Ja, das ist ein Ding, Weltmeisterschaft, gell? Ich kann das selber noch gar nicht so richtig glauben", sagt sie HIT RADIO FFH.
Der Moment, in dem der Parkinson schweigt
Was Tischtennis für sie bedeutet, beschreibt Bettina Lahn mit Worten, die unter die Haut gehen: „Die Steifheit verschwindet innerhalb von wenigen Momenten - das ist, als ob der Parkinson in dem Moment ausgeschaltet ist." Sie vermutet ein Zusammenspiel aus Medikation und Bewegung: „Da wird im Gehirn irgendetwas freigeschaltet, das diese Bewegung möglich macht."
Leben im Takt der Medikamente
Alle zweieinhalb bis drei Stunden Tabletten, davor und danach nichts essen - der Alltag ist bestimmt durch die Erkrankung. Doch seit dem Tischtennis hat sich vieles verändert: „Das Zittern lässt nach, der Körper ist nicht mehr so steif, und der Alltag wird Stück für Stück leichter."
Bescheidene Ziele, großer Stolz
Für die WM trainiert Bettina Lahn morgens und abends je 30 bis 60 Minuten, dazu einmal wöchentlich festes Training. Ihr Ziel ist schlicht: „Ich wünsche mir, dass ich eine Chance bekomme und mein Können unter Beweis stellen kann." Und dann fügt sie hinzu: „Ich bin allein schon stolz, ein Teil dieses Teams zu sein."
Mehr als Sport: Gemeinschaft als Medizin
„Wir spielen hauptsächlich Tischtennis, damit unser Alltag dadurch erleichtert wird", sagt Bettina Lahn - und appelliert an alle Betroffenen: „Probiert es aus! Ihr werdet merken, dass die Beweglichkeit leichter wird und wir viel, viel mehr Spaß am Leben haben."
Die WM live verfolgen
Alle Wettkämpfe können live über den YouTube-Kanal @PiPoParkinson verfolgt werden - täglich drei Livestreams, auch mit Interviewgästen.
Livestream: youtube.com/@PiPoParkinson
Weitere Infos: pppwc.ne