Fußball-WM vor der Tür - Was sich Hessens Handel erhofft
Trikot, Autofahne, Grill anwerfen - ab Donnerstag (11. Juni) beginnt die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Für den Handel in Hessen ist das eine Chance - aber keine Garantie.
Noch hält sich das WM-Fieber in Grenzen, wie eine FFH-Abfrage zeigt. „Wir laufen noch auf niedrigschwelliger Temperatur", sagt Olaf Kindt, Chef des Skyline-Plaza-Einkaufszentrums in Frankfurt, unserem Reporter. Das sei aber nichts Ungewöhnliches.
Warten auf WM-Stimmung
Die Erfahrung zeigt: Es braucht ein, zwei Spiele, bis die Menschen so richtig mitziehen. „Dann entdeckt jeder: Okay, es ist nicht mehr peinlich, mit einem Trikot rumzulaufen - das ist schon fast Pflicht."
Immerhin: In den Schaufenstern des Skyline Plaza hängen schon jetzt Trikots aller Nationalitäten. Frankfurt sei eben Multikulti - und das spüre man auch im Sortiment.
Großereignisse können Kauflaune heben
Großes Potenzial sieht der Hessische Handelsverband vor allem im Sportfachhandel und im Lebensmitteleinzelhandel. „Wir grillen mit Nachbarn, man trifft sich", sagt Hauptgeschäftsführer Sven Rohde. Auch Trikots hätten längst nicht mehr nur einen sportlichen, sondern auch einen modischen Aspekt - man sehe das, wenn man durch hessische Innenstädte laufe.
Realistisch bleibt Rohde trotzdem: „Die Fußball-Weltmeisterschaft wird kein Jahresgeschäft retten." Die Konsumstimmung sei aktuell schlecht - das lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber: Großereignisse können das Kaufklima im ganzen Land heben. Rohde erinnert an den Sommermärchen-Effekt von 2006 und an die Heim-EM 2024 - beides habe gezeigt, dass positive Gefühle auch positiv in die Kassen einzahlen.
Wetter ist wichtig - und die Leistung der Deutschen
Einen praktischen Vorteil hat die WM in Übersee übrigens auch: Die Anstoßzeiten sind später als bei Turnieren in Europa oder Katar. Das bedeutet: Kunden können tagsüber ganz normal arbeiten - und einkaufen. Erst abends geht's dann gemeinsam vor den Bildschirm. Für den Handel ein echter Pluspunkt.
Und dann ist da noch die Psychologie. „Psychologie ist ein ganz wichtiger Faktor", sagt Kindt. „Jetzt kaufe ich mir mal was. Jetzt gönne ich mir was." Wenn das Wetter mitspielt und die deutsche Mannschaft gut abschneidet, könnte das genau der Impuls sein, den viele Händler nach zuletzt schwierigen Monaten brauchen.
Daumen drücken für Frankfurter Lokalmatador
Für den Hessischen Handelsverband hat die WM sogar ein ganz persönliches Gesicht: Sven Rohde drückt dem Frankfurter Nationalspieler Nathaniel Brown die Daumen - und hofft, dass der Eintracht-Star in den USA, Kanada und Mexiko eine wichtige Rolle spielt. Für Hessen. Und für die Kassen.